Ehrenamt

Warum sich Burkhard Frank erneut als Schlichter in Zahna-Elster bewirbt

Burkhard Frank bewirbt sich erneut als Schiedsmann für die Stadt Zahna-Elster. Warum er Streithähne am liebsten in Kriegsgebiete schicken würde.

Von Ute Otto 13.10.2021, 09:17
Burkhard Frank
Burkhard Frank Gorldt

Zahna-Elster/MZ - Die Zustimmung des Stadtrates Zahna-Elster steht noch aus, aber dass Burkhard Frank in der Sitzung am Donnerstag dem Amtsgericht Wittenberg erneut als Schiedsperson für Zahna-Elster empfohlen wird, gilt als Formsache.

Nicht, weil sich der 64-jährige Elsteraner als einziger Kandidat für das Ehrenamt beworben hat - laut Bürgermeister Peter Müller (Freie Wähler) - kann die Schiedsstelle durchaus mit zwei Personen besetzt werden. Die ländliche Struktur bietet viele Anlässe für Nachbarschaftsstreitigkeiten: Gartenzäune, über die Äste ragen; Hecken, die zu viel Schatten werfen; Arbeiten, die zu laut oder zu staubig sind.

Wichtige Erfahrungen

„Es gefällt mir in Elster und ich fühle mich in meiner Wahlheimat gut aufgehoben“, erklärt Burkhard Frank, warum er sich gern ehrenamtlich engagiert. „Ich möchte der Gesellschaft etwas zurück geben.“ Als Schiedsmann habe man es zwar mit negativen Dingen zu tun, „aber ich empfinde es als Erfolgserlebnis, wenn sich die Parteien doch einigen.“ Dabei helfe ihm auch seine Menschenkenntnis aus mehr als 30-jähriger beruflicher Tätigkeit als Außendienstler.

„Ich möchte die Erfahrungen aus der bisherigen Tätigkeit gern weiter nutzen“, begründet er die erneute Bewerbung. Leichter scheint es für die ehrenamtlichen Schlichter in Zukunft allerdings nicht zu werden. Gemessen an seinen ersten Jahren als Schiedsmann habe in den letzten beiden Jahren die Toleranz zwischen den Menschen deutlich nachgelassen. „Die Leute sind weniger bereit, miteinander zu reden.“

Die Ursache dafür sieht der Elsteraner in der Corona-Pandemie. Die fehlenden sozialen Kontakte haben nach seiner Auffassung dazu geführt, dass manche Menschen verlernt haben, auf andere zu- und einzugehen. „Kompromisse schließen heißt aber nun mal für beide Seiten, einen Schritt zurück zu treten.“ Und bei einem kleinen Kreis von Menschen, für den Streit zum Lebensinhalt geworden ist, wie es Frank formuliert, habe sich diese Eigenschaft durch Langeweile noch verstärkt. Manche Streithähne würde er am liebsten mal in Kriegsgebiete schicken, sagt Frank. „Damit sie merken, was wirkliche Konflikte sind.“

Vom Schiedsmann würden die Parteien oft fälschlicherweise erwarten, dass er mit dem jeweils anderen redet und die strittige Angelegenheit für sie regelt. „Das funktioniert so nicht. Die Parteien müssen an einen Tisch kommen. Ich moderiere mit dem Ziel, dass sie eine Vereinbarung treffen. Ich lege auch nichts fest, sondern lenke die Vereinbarung nur in die rechtlichen Bahnen. Diese Vereinbarung kommt einem Gerichtsurteil gleich. Sie ist vollstreckbar.“

Wo die Bereitschaft zur Vereinbarung nicht vorhanden sei, sei der Schlichterauftrag nicht erfüllbar. „Beide Parteien sollten die Schiedssitzung daher als Chance begreifen.“

Verstärkung gern gesehen

Sei es vordem etwa ein Drittel gewesen, so schätzt der Elsteraner Schiedsmann den Anteil der Fälle, für die er am Ende des Verfahrens eine „Erfolglosbescheinigung“ für das Amtsgericht ausstellen muss, jetzt auf 50 Prozent. Aber nur ein Drittel davon gehe tatsächlich den gerichtlichen Weg. Am Ende stehe das gleiche Ergebnis wie es bei der Schlichtung gewesen wäre - nur erheblich teurer. Zumal sich in vielen Fällen zu den reinen Verfahrenskosten noch Gebühren für Gutachten summieren. „Ich schaue mir bei beiden Parteien die Gegebenheiten vor Ort an, aber es ist nicht meine Aufgabe zu recherchieren“, stellt Burkhard Frank klar.

Eine zweite Schiedsperson in der Stadt wäre für ihn schon eine Entlastung wegen der Vielzahl so genannter Tür-und-Angel-Fälle, also Streitigkeiten, die ohne Verhandlung geklärt werden können. Es würde aber auch der Rechtssicherheit in komplizierten Fällen dienen, wenn er da einen Spannemann hätte, sagt der Elsteraner. Bei rechtlichen Unsicherheiten sei sein Dienstvorgesetzter, der Wittenberger Amtsgerichtsdirektor sein erster Ansprechpartner. „Die Unterstützung ist voll gegeben“, so Frank. Nicht zuletzt schätze er die Möglichkeit, sich mit ehrenamtlichen Kollegen auszutauschen.

Rechtsstreit über den Gartenzaun ist  keine Seltenheit. Um die Gerichte davon zu entlasten, gibt es das kommunale Schiedswesen.
Rechtsstreit über den Gartenzaun ist keine Seltenheit. Um die Gerichte davon zu entlasten, gibt es das kommunale Schiedswesen.
Foto: Ute Otto