Landwirtschaft

Stall mit Ausblick für Rinder in Grabo

Während viele Betriebe aufgeben müssen und die Viehbranche in einer tiefen Krise steckt, investiert das Landgut Grüne Aue Battin in die Rinderanlage.

Von Annette Schmidt
David Kuhrmann ist Leiter der Milchrinderanlage in Grabo. Er begann  als Praktikant  und gehört nun  dem Vorstand des Landgutes Grüne Aue Battin an.
David Kuhrmann ist Leiter der Milchrinderanlage in Grabo. Er begann als Praktikant und gehört nun dem Vorstand des Landgutes Grüne Aue Battin an. (Foto: A. Schmidt)

Grabo - Seit drei Jahren ist David Kuhrmann Leiter der Milchrinderanlage in Grabo, die zum Landgut Grüne Aue Battin gehört. In einer Zeit, in der immer mehr Landwirte gerade in der Tierhaltung reihenweise ihre Betriebe aufgeben und die Tiere abschaffen, investiert der Betrieb 3,5 Millionen Euro in die Zukunft des Standortes und des Tierwohles.

Innovatives Melken

Kuhrmann sagt, er hätte gesehen, wie Kollegen ihre Tiere abtransportieren ließen. „Ich möchte das niemals erleben.“ Deswegen soll auf dem Gelände am Ortsrand von Grabo bis Oktober nächsten Jahres eine neue Melkanlage mit acht Robotern entstehen.

„Kühe brauchen Routine beim Fressen und Melken und Ruhe, dann sind sie zufrieden“, sagt der Chef von 450 Milchkühen und knapp 100 Kälbern, die mit sechs Monaten in das nur sechs Kilometer entfernte Gorsdorf kommen. David Kuhrmann, der auch im Privatleben den Paarhufern verfallen ist und elf von ihnen in Biofleischzucht zu Hause in Meuselko hält, ist davon überzeugt, dass die Roboter den Kühen guttun werden.

„Sie haben keine Gefühle und somit auch keinen schlechten oder besseren Tag wie Menschen, Roboter arbeiten kontinuierlich beim Melken, Kühe mögen das.“ Jede der Kühe liefert bereits überdurchschnittliche 11.000 Milchkilogramm im Jahr.

Zeitgleich zu den Arbeiten an der Melkanlage im letzten Jahr wurde mit den Arbeiten an einer Stallerweiterung begonnen. „Corona hat auch uns ausgebremst, aber wir liegen immer noch gut in der Zeit.“ Die Tiere verfolgen tiefenentspannt die Baufortschritte. David Kuhrmann sagt dazu: „Sie blicken auf ihre Zukunft.“

Seine Pläne für den Betrieb stehen mit diesen Umbauten erst am Anfang. Der Abkalbungsstall aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts soll durch einen modernen, mit viel Licht und Luft ersetzt werden. Der Junglandwirt sieht in dem Betrieb seine Lebensaufgabe und möchte für Tier und Mensch die besten Bedingungen schaffen. Umso mehr stört er sich an den politischen Rahmenbedingungen. Die ständig wechselnden Vorschriften seien für Landwirte alles andere als optimal.

Vorausschauend hat David Kuhrmann die Inneneinrichtung für die Ställe in Irland bestellt. Die Trennstangen werden zukünftig aus Kunststoff sein, damit die Kühe keine Druckpunkte mehr haben. „Ich möchte den Anforderungen möglichst drei Schritte voraus sein.“ Auf die Milchpreise angesprochen, sinkt Kurmanns Laune. „Die Kosten sind um 1,5 Cent gestiegen doch die Einnahmen lediglich um 0,5 Cent, aber am Ende des Monats muss ich meine zwölf Mitarbeiter und die Fixkosten bezahlen.“

Der Nachwuchs fehlt

Der Ausbilder und Mitglied im Prüfungsausschuss bemerkt einen gravierenden Nachwuchsmangel. So recht kann er sich das geringe Interesse der Schulabgänger nicht erklären. Natürlich müssen die Tiere sieben Tage die Woche versorgt werden, aber auch in der Landwirtschaft gäbe es klare Arbeitszeiten und Urlaub.

Und der Beruf des Landwirts hat schon lange nichts mehr mit den Klischeebildern von Gummistiefel tragenden Männern mit Mistgabeln zu tun. Ganz im Gegenteil, der Arbeit ist hochtechnisiert und in Grabo wird sie es im nächsten Jahr noch deutlich mehr sein, wenn die Melkroboter an die Arbeit gehen werden. „Wir sind viele Mittdreißiger mit Ideen und dem Willen, noch viel zu erreichen“ sagt David Kuhrmann.

Die Stallerweiterung ist eine der größten Investitionen der Milchviehanlage von Grabo und soll die Zukunft des Betriebes auf Jahrzehnte sichern.
Die Stallerweiterung ist eine der größten Investitionen der Milchviehanlage von Grabo und soll die Zukunft des Betriebes auf Jahrzehnte sichern.
(Foto: A. Schmidt)