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Kirchenmusik zwischen Torgau und Wittenberg So wird in der Stadtkirche St. Marien in Torgau das Jubiläum 500 Jahre Chorgesangbuch gefeiert

Die Festwoche der Kirchenmusik in Torgau steht dieses Jahr ganz im Zeichen von „Eyn geystlich Gesangk Buchleyn“ des Komponisten Johann Walter. Wer den Auftakt macht.

Von Thomas Keil 12.06.2024, 16:00
Gerhard Schöne (l.) musiziert in der Torgauer Marienkirche mit dem Kinderchohr der hiesigen evangelischen Gemeinde.
Gerhard Schöne (l.) musiziert in der Torgauer Marienkirche mit dem Kinderchohr der hiesigen evangelischen Gemeinde. (Foto: Thomas Keil)

Torgau/MZ. - Für dieses Glockengeläut braucht es keine aufwendig gegossenen Metallkörper – an diesem Sonntag reichen die Hände der sicherlich mehr als 100 Besucher der Stadtkirche St. Marien in Torgau. Mit Fingerschnippen, Händeklatschen oder Schlägen auf die Oberschenkel sollen die Gäste zusammen mit dem Liedermacher Gerhard Schöne die Kirche zum Klingen bringen.

Dank dieses Mitmachangebotes lockert der sächsische Barde nach gut einer Stunde die Stimmung auf – vor allem bei den Kindern, für die er extra diese Einlage quasi als Zugabe einbaut. Auch wenn der Musiker für Kinderlieder bekannt ist, so spielen heute Kirchenlieder die Hauptrolle.

Aus dem Buch des Johann

Mit einem Konzert des Gerhard-Schöne-Trios ist die Festwoche der Kirchenmusik in Torgau eröffnet worden. Diese steht dieses Jahr ganz im Zeichen des 500-jährigen Jubiläums des Geistlichen Chorgesangbuches Johann Walters.

Ralf Benschu (l.) und Gerhard Schöne nutzen das Kirchenschiff für ihren Auftritt aus.
Ralf Benschu (l.) und Gerhard Schöne nutzen das Kirchenschiff für ihren Auftritt aus.
(Foto: Thomas Keil)

Gerhard Schöne mit Gitarre und Gesang, Ralf Benschu am Saxofon und Jens Goldhardt an der Kirchenorgel treten als eben jenes Trio auf. Das Programm des Abends heißt „Ich öffne die Tür weit am Abend“. So stehen zuvorderst bekannte Titel des Johann-Walter-Preisträgers 2016 auf dem Programm, erklingen Titel wie beispielsweise „Der Wunsch des Filmprojektors“, „Der Onkel meines Onkels“ oder „Der Laden“. Weiterhin spielt der heutige Meißner Lieder aus der Feder Johann Walters. Teilweise hat er des Renaissancekomponisten Melodien mit eigenen Texten weiterentwickelt, beispielsweise bei „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“.

Unterstützung erhält das Trio durch den Kinderchor der Torgauer Gemeinde und die Johann-Walter-Kantorei. Beide Gesangsgruppen dirigiert die hiesige Kantorin Christiane Bräutigam. Die Laiensänger tragen zwischenzeitlich ebenfalls Johann-Walter-Lieder vor.

Historische Gesangbücher und ein Nachdruck des originalen Walterschen sind in der Kirche ausgestellt.
Historische Gesangbücher und ein Nachdruck des originalen Walterschen sind in der Kirche ausgestellt.
(Foto: Thomas Keil)

Mit der Konzentration auf Werke des vermutlich 1496 in Kahla geborenen Musikers feiert die Torgauer Kirche das 500-jährige Jubiläum des Buches „Eyn geystlich Gesangk Buchleyn“. Dieses brachte Johann Walter im Jahr 1524 heraus. Mit seinen 43 Liedern wurde es in Wittenberg gedruckt und deswegen auch Wittenberger Gesangbuch genannt. Der Reformator Martin Luther verfasste das Vorwort. Es gilt als die Basis des heute gebräuchlichen Evangelischen Gesangbuches. Ein Nachdruck kann derzeit in der Marienkirche in Torgau besichtigt werden, neben weiteren historischen und modernen Varianten.

Orgelnacht und Ökumene

Neben der Ausstellung bieten sich diese Woche dem Musikliebhaber noch einige Höhepunkte. Schon an diesem Mittwoch (12. Juni) spielt ab 19.30 Uhr der Leipziger Frank Liebscher auf dem Saxophon Sonaten von Johann Sebastian Bach und Choräle aus dem Walterschen Chorgesangbuch.

Das Gerhard-Schöne-Trio lauscht dem Gesang der Johann-Walter-Kantorei  in der Torgauer Marienkirche.
Das Gerhard-Schöne-Trio lauscht dem Gesang der Johann-Walter-Kantorei in der Torgauer Marienkirche.
(Foto: Thomas Keil)

Mit und ohne Fußballgedanken – so wird die Orgelnacht mit Pantomime am Freitag ab 20 Uhr angekündigt. Es tritt das Duo Compagnie Bodecker & Neander aus Berlin auf. Diese und die obige Veranstaltungen unterstützt Kantorin Christiane Bräutigam an der Orgel.

Der eigentliche Festakt steht am Samstag ab 15 Uhr auf dem Programm – die Johann-Walter-Plakette 2024 wird durch Professor Milko Kersten vergeben. Der Präsident des Sächsischen Musikrates wird den Sänger Sebastian Krumbiegel, die Journalistin Kerstin Leiße und den Schulmusiker Pascal Kaufmann auszeichnen.

Kantorin Christiane Bräutigam dirigiert den Kinderchor und die Johann-Walter-Kantorei.
Kantorin Christiane Bräutigam dirigiert den Kinderchor und die Johann-Walter-Kantorei.
(Foto: Thomas Keil)

Den Abschluss der Woche bildet am Sonntag ab 16 Uhr das Ökumenische Chorkonzert mit dem Requiem Wolfgang Amadeus Mozarts. Unter anderem sind zu hören die Johann-Walter-Kantorei Torgau, Chorsänger der Neuapostolischen Kirche Torgau und der Katholischen Gemeinde. Es spielt das Leipziger Symphonieorchester.