Einjährige Maike hat Leukämie

Leukämie Kleinkind: Stammzellenspende für Kind in Jessen

Jessen/Bülzig - Suche nach Stammzellspendern überrascht mit sehr großer Teilnehmerzahl. 342 Frauen und Männer lassen sich in Jessen registrieren.

Von Sven Gückel 18.08.2019, 17:43

Das Schicksal der kleinen Maike aus Bülzig lässt die Jessener alles andere als kalt.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht, dass die einjährige Tochter der Torfrau der Spielgemeinschaft Dabrun/Jessen, Juliane Diekmann, an Leukämie leidet und dringend einen Stammzellspender braucht, begann man mit der Organisation einer Typisierung.

Solch einen Zulauf hat Kathrin Grothe nach eigenem Bekunden noch nie erlebt. Schon 90 Minuten, nachdem man im Sportlerheim der SV Allemannia 08 Jessen am Sonntag mit der Erfassung freiwilliger Stammzellspender begann, konnte die Mitarbeiterin des Berliner Büros der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) den 100. Freiwilligen vermelden. Zum Schluss waren es insgesamt 342 Männer und Frauen, die das schmerzlose, aber unsagbar hilfreiche Prozedere auf sich nahmen.

Stammzellspende: Altersgrenze vorgegeben

Mitmachen konnte jeder von 17 bis 56. Zwar dürfe man bis zum 61. Lebensjahr spenden, doch die Registrierung ende früher, erläuterte Grothe. Von dieser Vorgabe betroffen war unter anderem Jessens Bürgermeister Michael Jahn (SPD).

Der bewies zwar ein großes Herz und reihte sich in die Schlange der Wartenden ein, mit seinen 57 Jahren wird er zum eigenen Bedauern aber nicht mehr in die Datei aufgenommen. „Trotzdem freue ich mich über den großen Zuspruch. Und darüber, dass Allemannia Jessen als größter Verein der Stadt sich nicht nur für eigene Belange ins Zeug legt, sondern einmal mehr auch gesamtgesellschaftlich tätig ist“, fügte Jahn an.

So werden Stammzellen gespendet

Reibungslos Eingang in die Spenderdatei fand hingegen Lisa Wagenknecht aus Jessen. Die 26-Jährige gab wie erforderlich alle wichtigen Daten zur Erfassung ab. Unter anderem machte sie Angaben zu Gewicht und Körpergröße, aber auch zur Erreichbarkeit über Handy und per E-Mail.

Abschließend ließ sie drei Wattestäbchen eine Minute lang durch die Mundhöhle wandern und legte sie danach in einen Umschlag, den sie eigenständig verschloss. „Alles zusammen hat keine fünf Minuten gedauert. Es ging schnell, tat nicht weh, kann aber im Bedarfsfall ein Menschenleben retten“, begründete sie ihre Teilnahme.

Ihr gegenüber saß während der Zeit der Erfassung und Typisierung Sindy Pölitz aus Abtsdorf. Deren Schwägerin spielt wie Maikes Mutter aktiv Fußball. „Als ich von der Aktion hörte und dass noch freiwillige Unterstützer gesucht werden, stand für mich eine Teilnahme sofort fest. Überhaupt liegt mir der Hintergrund sehr am Herzen. Schließlich könnte es auch mein Kind sein, das Hilfe braucht“, sagte sie und fügte an, dass jeder, der gesund und dazu in der Lage ist, kranken Menschen helfen sollte.

Wie wichtig die Arbeit der DKMS ist, belegt schon eine Zahl: Alle 15 Minuten erhält ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Ihm zu helfen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder durch eine reine Knochenmarkspende, was gut 20 Prozent ausmacht, oder die Entnahme der Stammzellen aus dem fließenden Blut des Spenders. Für ihn, so er nach vorheriger Untersuchung dazu geeignet ist, sei das völlig komplikationslos, berichtete Kathrin Grothe. Sie selbst habe schon gespendet.

Soweit ist es für die vielen Freiwilligen aus Jessen noch nicht. Vorerst wird ihre Probe im Dresdner Labor der DKMS untersucht. Die Gesamtheit aller Daten wird dann im Zentralen Knochenmark-Register in Ulm hinterlegt. Hier gehen weltweite Anfragen nach möglichen Spendern ein, die bei einem Treffer umgehend vermittelt werden.

Noch immer sucht jeder zehnte Blutkrebspatient vergeblich einen passenden Spender. Umso bedeutsamer ist die stete Erweiterung der Datei mit Neuzugängen. In einem kleinen Ort wie Jessen, so die Erfahrung von Kathrin Grothe, gelinge das mitunter besser als in Großstädten. „Hier ist der Zusammenhalt der Menschen größer. Zudem sind die Spender am Schicksal eines betroffenen Patienten, wie beispielsweise Maike, näher dran als in bevölkerungsreichen Gebieten“, erläuterte sie.

Aufatmen in Jessen: Spender nach Typisierung gefunden

Maikes Eltern, André und Juliane Diekmann, freut der große Zuspruch. Sie selbst kamen am Nachmittag direkt aus dem Krankenhaus nach Jessen und hatten eine gute Nachricht dabei. „Für Maike hat sich dieser Tage ein Spender gefunden. Die Transplantation findet schon am 10. September statt“, berichtete die überglückliche Mutter. Unnütz war die ganze Aktion damit aber nicht. Denn jeder einzelne Freiwillige kann schon bald selbst zum Spender werden und ein Leben wie das von Maike retten. (mz)