Kim Bischoff aus Jessen in Spanien

Kim Bischoff aus Jessen in Spanien: Maukener Eis bleibt unerreicht

San Sebastian/Jessen - Die junge Jessenerin Kim Bischoff berichtet über ihre Zeit in San Sebastian, der Hauptstadt des Baskenlandes. Warum diese auch Klein-Rio genannt wird.

Von Kim Bischoff 08.01.2021, 10:40

In der Donnerstagausgabe haben wir über Gros berichtet. Aber San Sebastian hat noch weit mehr zu bieten. Der Weg führt uns nun über mehrere architektonisch völlig verschiedene Brücken. Jede ist ein kleines Meisterwerk für sich. Über den Rio Urumea gelangt man in den Teil der Stadt, von dem Gros ohne Brücke sonst komplett getrennt wäre.

Die erste dieser schönen Brücken, die Puente de Kursaal, führt genau auf die Linie, die Altstadt und Zentrum voneinander abgrenzen, den Boulevard. Von hier aus wird die Stadtführung nun in Richtung „la parte vieja“, oder auch „die Altstadt“, fortgesetzt.

Wäsche quer über den Hof

Hier befindet sich meine Wohnung, die eigentlich nicht ganz typisch spanisch ist. Sie ist modern und hell, mit einem kleinen Balkönchen an jedem Fenster. Man kann einen Schritt hinausgehen und seine Wäsche in den riesigen und immer geräuschvollen Innenhof hängen, so wie es alle tun.

Die Altstadt ist wohl der kleinste, aber auch gemütlichste Teil Donosti’s, mit seinen kleinen Gassen und versteckten Plätzen, wie dem Plaza Constitucion. Dieser wurde früher als Stierkampfarena genutzt, woran heute nur noch die Zahlen über den Fenstern, den damaligen Laugen, erinnern. Man benötigt nur etwa fünf Minuten, um von Gros an das andere Ende der Altstadt, den Hafen, zu gelangen.

Wenn da nicht diese vielen, kleinen Verführungen wären. Wie zum Beispiel die unzähligen Eiscafés mit den verschiedensten Eissorten. Jedoch liegt der Preis für eine Kugel Eis hier nicht unter zwei Euro, kommt allerdings, nach meinem Geschmack, keinesfalls an die Eisqualität aus unserem Mauken heran.

Zum anderen bietet „la parte vieja“ unzählbar viele Pintxo Bars. Sogar mehr noch als Gros zu bieten hat, obwohl es von der Fläche her bedeutend kleiner ist. Es reihen sich in den kleinen Gässchen die unterschiedlichsten Restaurants und Bars aneinander, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen.

Ob altertümliche Fischerkneipe, mit den Standard-Pintxos wie der Tortilla, oder den Bars, die nach dem amerikanischen Diner Prinzip konzipiert sind und jede Menge Neuschöpfungen und Variationen an Pintxos zu bieten haben. Warum aber ist „la parte vieja“ ausgerechnet der alte Teil Donosti’s?

Dieser historische Teil der Stadt liegt auf einer kleinen Halbinsel mit dem Monte Urgull an seiner Spitze. Der Berg ragt mit seinen 221 Metern nur wenig höher als der Jessener Himmelsberg (133 m) aus dem Atlantik. Auf seinem höchsten Punkt thront eine Jesusstatue, die an guten Tagen, ohne Nebel, die Stadt überblicken kann. Aus diesem Grund wird San Sebastian auch gern mal als „Klein Rio“ bezeichnet.

Soldatenfriedhof von 1813

Unter der Statue gibt es eine Burg „El Castillo de la Monta“ aus dem 12. Jahrhundert, welche heute ein Museum beherbergt. Im Jahre 1924 wurde auf dem Berg ein Soldatenfriedhof für die 1813, während der Napoleonischen Kriege, gefallenen britischen Soldaten errichtet, die im Kampf um die Festung starben. Dieser Friedhof ist heute schon ziemlich von Pflanzen überwuchert und mit Moos bewachsen. Man muss sich wirklich anstrengen und sehr genau suchen, um alle Grabsteine zu finden. Genau das macht Urgull aus. Beeindruckend!

Wo bleibt der Hobbit?

Er wirkt wie ein Drehort von „Der Herr der Ringe“ und man fragt sich, ob einem nicht gleich ein Hobbit über den Weg läuft. Die Halbinsel der Altstadt ist durch einen Weg, den Paseo Nuevo, umrahmt. Er führt am Rande des Monte Urgull vorbei, sodass man linker Hand den Berg bewundern und rechter Hand bis zum Horizont auf den Atlantik hinausblicken kann.

An Schlechtwettertagen ist dieser Weg gesperrt, da die Wellen so hoch schlagen, dass der Paseo fast komplett überspült wird. Er endet am Aquarium und am Hafen der Stadt. Der Hafen ist für eine ehemalige Fischerstadt verhältnismäßig klein. Wer sich jetzt immer noch fragt, was die Altstadt nun so besonders macht, der sollte abwarten, denn noch habe ich das alte Kloster und die Kirche nicht erwähnt.

Beide sind eindrucksvoll halb in den Monte Urgull hineingebaut. Das ehemalige Kloster der Dominikaner wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist heute ein Museum. Gefüllt mit Relikten der baskischen Geschichte, von alten Werkzeugen und Ritterrüstungen bis hin zu Autos aus den 70er Jahren, ist alles dabei.

Schönste Kirche der Stadt

Auch über die neuere Geschichte und den Kampf um Autonomie ist viel Wissenswertes im „San Telmo Museoa“ zu finden. Die „Basilica de Nuestra Señora del Coro“ stammt aus dem Jahr 1774 und befindet sich am Rande der Altstadt, die von dem Monte Urgull abgeschlossen wird.

Blickt man von dieser Kirche aus in Richtung des Stadtzentrums, bietet sich jetzt ein perfekter Ausblick auf die wohl schönste Kirche der Stadt, die „Catedral del Buen Pastor de San Sebastian“. Über ihrer Eingangspforte befindet der Schutzpatron und Namensgeber der spanischen Stadt, der heilige San Sebastian.

Genau an diesem schönen Bauwerk möchte ich meine heutige Stadtführung beenden. Hoffentlich war dieser kleine Einblick in die Stadt, in der ich mich gerade befinde, nicht zu detailverliebt und Sie, liebe Leser, können sich jetzt etwas mehr unter San Sebastian, der Küstenstadt im Norden Spaniens, vorstellen.

Im Folgeartikel wird über die nächsten beiden Viertel mit wundervollen Stränden, über das Zentrum und das Viertel Aiete, in dem sich der Kindergarten befindet, in dem ich arbeite, zu berichten sein.

Zehn Monate in Spanien

Die 18-jährige Kim Bischoff hat sich nach ihrem Abitur entschlossen, vor ihre Berufswahl ein Auslandsjahr zu stellen. In kurzen Berichten möchte sie regelmäßig die Leser der MZ an ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen teilhaben lassen, die sie im nordspanischen San Sebastián sammelt. Die baskische Stadt liegt kurz hinter der Grenze zu Frankreich, direkt an der Atlantikküste am Golf von Biskaya. (mz)