«Dinner for One» im Schloss

JESSEN/MZ. - Dennoch hatten die Zuschauer beste Sicht auf das, was auf und neben der Tafel geschah. Und das war eigentlich den allermeisten hinlänglich bekannt, ist das "Dinner for One" doch so etwas wie eine Kultserie im deutschen ...

Von EVELYN JOCHADE

Dennoch hatten die Zuschauer beste Sicht auf das, was auf und neben der Tafel geschah. Und das war eigentlich den allermeisten hinlänglich bekannt, ist das "Dinner for One" doch so etwas wie eine Kultserie im deutschen Fernsehen.

Seit das Stück in der Sendung "Guten Abend, Peter Frankenfeld" seine Fernsehpremiere feierte, flimmerte es mehr als 230-mal über den Bildschirm. In schöner Regelmäßigkeit steht das nur reichlich 40-minütige Stück besonders um den Jahreswechsel herum auf dem Programm und gehört in vielen Familien zu Silvester dazu, getreu dem Motto "The same procedure as every year, James". Mit diesem Erfolg hatte allerdings 1963 niemand gerechnet.

Erst recht nicht damit, dass das Stück, welches ja im englischen Originaltext aufgeführt wurde, in Deutschland 1997 mehr Menschen vor den Bildschirm lockte als die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers. Und die Dinner-Popularität steigt noch immer. Was ihr Geheimnis ist, darüber kann man nur spekulieren. Ist es die Kürze? Ist es die Komik? Oder der Stoff an sich? Auf jeden Fall gehört eine Menge schauspielerisches Talent und Können dazu, die Rollen der Miss Sophie und die ihres Butlers James auszufüllen.

Daran mangelt es den beiden Schauspielern, die das Stück in Jessen ob des großen Andrangs an "Liebhabern" gleich zweimal hintereinander aufführen mussten, wahrlich nicht. Zumal Jörg Kleinau als die ihren 90. Geburtstag feiernde Dame von adliger Herkunft und Joachim Kaps als ihr seit 60 Jahren in jeder Lebenslage treuer Diener nicht nur studierte Schauspieler sind, sondern auch schon viele Jahre erfolgreich auf der Bühne und vor Fernsehkameras stehen. Zum Teil auch gemeinsam.

Im "Dinner for One" konnten sie eben gerade deshalb ihrer Lust am Spielen frönen. Die Zuschauer im Ratssaal waren ein ums andere Mal angetan von der Leistung der Schauspieler, die ihrem Publikum so manche Lachsalve entlockten. Jana Freiwald aus Seyda blieb in mancher Szene das Lachen im Halse stecken und zwar immer dann, wenn der schon ziemlich angetrunkene James regelmäßig über das unvermeidliche Tigerfell stolperte und von der Bühne zu stürzen drohte. Da war der Platz in der ersten Reihe schon ziemlich gefährlich. Doch James bekam stets noch die Kurve und durfte weiter die Geburtstagsgäste seiner Herrin vertreten. Cherry, Weißwein, Schampus und Portwein hinterließen bei dem Butler, der auch nicht mehr der Jüngste war, ihre Spuren. Miss Sophie jedoch schien auch an ihrem 90. Geburtstag noch recht trinkfest.

Vor dem eigentlichen Beginn der Feier hatte James den Zuschauern verraten, dass die Wurzeln des alten Adelsgeschlechts wohl in Deutschland liegen. Sogar von Jessen war die Rede. Möglicherweise feierte Miss Sophie am Sonntag im Schloss ihrer Ahnen? Wer weiß. Der heutige Hausherr hatte sie und die Gäste im Saal zur letzten Veranstaltung im Rahmen der 650-Jahr-Feier Jessens herzlich willkommen geheißen und darauf hingewiesen, dass im Anschluss an die Aufführungen im Foyer das Galgentrio aus Berlin mit Swing-Musik für gute Laune sorgen wollte. Hinter dem Namen verbergen sich die Schauspieler und Musiker Wolf Butter, Jörg Kleinau und Wolf-Dietrich Griep, die mit ihren Rhythmen die Luft im Rathaus so richtig zum Brennen brachten.