Sprunck-Piano aus HettstedtSprunck-Piano aus Hettstedt: Ein Klavier kehrt heim

Hettstedt - „Ein Holzwurm ist jedenfalls nicht drin“, bescheinigt Manfred Stern vom Förderverein Mansfeld-Museum dem alten Klavier. Wenige Minuten zuvor ist das Musikinstrument, das im 19. Jahrhundert von der damaligen Hettstedter Firma Sprunck angefertigt worden war, am Mittwoch in der „Historischen Druckerei Heise“ eingetroffen. Die Firma Posselt hat es auf eigene Kosten aus Osterode in die Kupferstadt gebracht. Das Piano ist eine Dauerleihgabe der Osteröder Stadtverwaltung an den Verein „Historische Druckerei ...

Von Wladimir Kleschtschow 07.04.2016, 13:11

„Ein Holzwurm ist jedenfalls nicht drin“, bescheinigt Manfred Stern vom Förderverein Mansfeld-Museum dem alten Klavier. Wenige Minuten zuvor ist das Musikinstrument, das im 19. Jahrhundert von der damaligen Hettstedter Firma Sprunck angefertigt worden war, am Mittwoch in der „Historischen Druckerei Heise“ eingetroffen. Die Firma Posselt hat es auf eigene Kosten aus Osterode in die Kupferstadt gebracht. Das Piano ist eine Dauerleihgabe der Osteröder Stadtverwaltung an den Verein „Historische Druckerei Heise“.

Die Klavier-Fabrik in Hettstedt wurde 1837 in der Ascherslebener Straße von Friedrich Sprunck gegründet. Von hier aus wurden die Instrumente in viele Länder der Welt verschickt. Ein Großteil ging nach Südamerika. Im argentinischen Buenos Aires befand sich eine Zweigniederlassung des Unternehmens. Zu DDR-Zeiten war in dem Gebäude der VEB Elmet zu Hause, auch heute ist das Backsteinhaus Sitz einer Firma.

Das Klavier, das lange Zeit unbenutzt in der Osteröder Schachtrupvilla stand, ist von einem dortigen Heimatfreund entdeckt worden. Schachtrup war ein Industrieller, der in seinem Heimatort eine Bleiweißfabrik betrieb und damit letztendlich gescheitert war. In der Villa, die er verkaufen musste, war später unter anderem ein Gymnasium untergebracht. Die Villa gehört heute der Stadt Osterode und steht leer.

Ob das Klavier aus dem Besitz der Familie Schachtrup stammt, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall signalisierte die Osteröder Stadtverwaltung unter Vermittlung der Mitteldeutschen Zeitung ihre Bereitschaft, das Instrument den Hettstedtern unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, zumal die Schachtrupvilla saniert werden soll. Nachdem die Stadt Hettstedt das Angebot aus Kostengründen ablehnte - das Klavier muss noch von einem Fachmann „saniert“ werden - erklärte sich der Druckerei-Verein bereit, es zu übernehmen.

An die dreieinhalb Zentner wiegt das Piano, so dass vier Männer ihre Mühe haben, es durch eine schmale Tür in den hinteren Gesellschaftsraum im Obergeschoss der historischen Druckerei zu befördern. Der Standort ist längst gewählt. Das Klavier passt exakt in eine Ecke, als wäre das schon immer sein fester Platz gewesen. Während sich die Männer den Schweiß von der Stirn wischen, tippt Jochen Miche auf die Tasten. Das Piano reagiert willig. Doch der Vereinschef, obwohl selbst kein Klavierspieler, weiß, dass das Instrument erst von einem Fachmann gestimmt werden muss, bevor es fehlerfrei zu spielen ist. „Das ist nicht billig, doch wir haben bereits einen Klavierstimmer, der das für uns etwas preiswerter machen würde“, so Miche.

Wenn das Instrument in Ordnung gebracht wird, soll es richtig genutzt werden. Zum Beispiel für Musikbegleitung bei Veranstaltungen. Aber auch an kleine Konzerte wird gedacht. „Wenn aber sein Zustand das nicht erlaubt, dann wird es eben als Museumsexponat seine Dienste leisten“, sagt Miche. Und was, wenn die Osteröder das Klavier irgendwann wieder haben wollen? Der Vereinsvorsitzende grinst schelmisch. „Es ist zwar eine Leihgabe“, sagt er. „Doch im Vertrag habe ich eine Passage eingefügt, die eine Rückgabe ausschließt.“ Wenn die Stadt Osterode den Vertrag so unterschreibt, dann hat das alte Klavier wohl in der historischen Druckerei seinen letzten Standort gefunden - nur etwa zwei Kilometer vom Fabrikgebäude entfernt, in dem es einst angefertigt wurde. (mz)