Skandal wegen abgesagter Trauung

Skandal wegen abgesagter Trauung: Droht dem Förderverein Schloss Mansfeld der Rauswurf?

Mansfeld - Nun schießt auch der Dachverband CVJM gegen den Vorstand.

Von Anja Förtsch 13.04.2017, 11:00

Nach dem Skandal um die abgesagte Trauung eines homosexuellen Paares auf Schloss Mansfeld steigt der Druck auf den Förderverein. Nun hat sich der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Sachsen-Anhalt in die Debatte eingeschaltet. Am Dienstagabend kam der Dachverband, dem der Verein angehört, zu einer Sondersitzung zusammen.

„Die aktuellen Berichte nehmen wir zum Anlass, mit dem Förderverein Schloss Mansfeld in Gespräche einzutreten“, sagte Ulrich Baxmann, Vorsitzender des CVJM Landesverbands, der MZ. „Darin wird es um die zukünftige Zusammenarbeit zwischen dem Verein und dem Dachverband gehen.“ Droht dem Förderverein also der Ausschluss? „Dazu wollen wir uns im Moment noch nicht öffentlich äußern“, so Baxmann.

Haltung des Vereinsvorstandes Schloss Mansfeld war CVJM nicht bekannt

Fest steht, dass auch der CVJM Sachsen-Anhalt die Haltung des Vereins kritisiert. Er rufe zu einem „wertschätzenden Umgang auch bei divergierenden Lebensentwürfen“ auf. „Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird von den Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) als ethisch geboten befürwortet, weil sie Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung in Beziehungen stärkt. Dieser Auffassung schließt sich der Vorstand des CVJM Sachsen-Anhalt an“, sagte Baxmann. Dass der Vereinsvorstand gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ablehnt, sei dem CVJM-Vorstand bis zur Berichterstattung durch die MZ nicht bekannt gewesen.

Auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bedauert, „dass sich der Verein nicht zu mehr Offenheit entschließen konnte“, so Pressesprecher Friedemann Kahl. Zwar müsse man die unterschiedlichen Auslegungen der Bibel akzeptieren, die eben auch die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bedeuten können. Dennoch: „Keinem gleichgeschlechtlichen Paar wird in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland der Segen verwehrt.“

In der vergangenen Woche hatte ein MZ-Bericht aufgedeckt, dass es keine Trauungen mehr auf Schloss Mansfeld geben wird, weil der Vorstand des Fördervereins den Vertrag mit der Stadt gekündigt hat. Auslöser war die Anfrage eines schwulen Paares, das sich auf dem Gelände trauen lassen und Hochzeit feiern wollte. „Eine Familie besteht in unseren Augen aus Vater, Mutter und Kind“, hatte der Vorsitzende Frank Ranneberg der MZ gesagt. Und damit einen Shitstorm auf Facebook ausgelöst. Viele Nutzer vergaben schlechte Bewertungen und machten ihrem Ärger auf der Seite Luft. Der Verein deaktivierte schließlich die Möglichkeit, auf die Pinnwand zu schreiben.

Das Feuer gegen den Vorstand kommt auch aus den eigenen Reihen. Als schlimm und gruselig verurteilt ein Mitglied die Entscheidung. Demnach teile kaum ein Mitglied die Ansicht der Vorsitzenden. Und das sei wenig verwunderlich, schließlich gebe es kaum eine Verbindung zwischen den Vereinsmitgliedern und dem Vorstand.

Mitglieder kritisieren Zusammenarbeit mit Vorstand des Fördervereins Schloss Mansfeld

Der Hauptkritikpunkt: Der Vorstand interessiere sich nicht für die Mitglieder und entscheide über deren Köpfe hinweg. Wären zu dem Fall des homosexuellen Paares auch die Mitglieder befragt worden, wäre die Entscheidung anders ausgefallen, ist sich das Mitglied sicher. „Wir sind doch nur schmückendes und zahlendes Beiwerk.“ 36 Euro beträgt der Jahresbeitrag, hinzu kommen regelmäßige Bitten um Spenden. „Etwas zu sagen haben wir trotzdem nicht.“

Eine wirkliche Einsicht in die Struktur des Vereins haben offenbar nicht einmal die Mitglieder. „Wir wissen nicht, wie viele Personen in dem Verein sind oder aus wie vielen Personen und wie genau sich der Vorstand zusammensetzt.“ Bekannt ist, dass der Vorsitzende Ranneberg aus Gnadau bei Schönebeck stammt. Sein Stellvertreter Siegfried Ballschuh kommt nach MZ-Informationen aus dem sächsischen Pirna, der zweite Stellvertreter Volker Büttner immerhin aus Stangerode, der Kassenwart Roland Sponner aus Mansfeld. Eine Anfrage der MZ, wie sich der Vorstand weiter zusammensetzt, ließ der Verein unbeantwortet.

Ein Treffen des Vereins gibt es nur einmal im Jahr. „Dann wird der Jahresbericht vorgestellt“, so ein Mitglied. Einen engeren Kontakt zwischen Vorstand und Mitgliedern gebe es aber auch da nicht. „Der Vorstand stellt sich bei diesen Treffen nicht einmal vor.“ Die Vorsitzenden kommen hingegen mehrmals im Jahr zusammen. „Etwa fünf Mal“, heißt es aus Vereinskreisen. Dann würden organisatorische und denkmalpflegerische Punkte besprochen. Die Entscheidung zur Kündigung des Vertrags mit dem Standesamt Mansfeld wurde ebenfalls auf einer solchen Vorstandssitzung getroffen, die Mitglieder waren nicht involviert. (mz)