Schloss Mansfeld

Schloss Mansfeld: Steinmetz restauriert ungewöhnliches Kunstwerk

Mansfeld - Das Relief zeigt ein besonderes Motiv: zechende Landsknechte.

Von Jörg Müller

Es fällt nicht gleich ins Auge. Aber wer hinsieht, kann ein besonderes Kunstwerk entdecken: das sogenannte Landsknecht-Relief am Schloss Vorderort in Mansfeld. Wertvoll ist es nicht nur auf Grund seiner künstlerischen Qualität.

Relief zeigt ungewöhnliches Motiv - Landsknechte beim Zechen

Das 1521 geschaffene Relief „wird zu den frühesten Werken der mitteldeutschen Renaissance gezählt“, so Volker Schmidt, Mitglied des Fördervereins und Leiter der Christlichen Jugendbildungs- und -begegnungsstätte auf dem Schloss. Ungewöhnlich ist auch das Motiv: Denn der Bildhauer hat weder eine religiöse Szene, noch Grafen oder Fürsten dargestellt. Sondern Landsknechte beim Zechen - einer übergibt sich gerade.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dank eines glücklichen Zufalls das Relief jetzt restaurieren lassen konnten“, sagt Schmidt. Die Geschichte, die er erzählt, beginnt mit der Schließung des kirchlichen Tagungsheims 1953 durch die Polizei und die Staatssicherheit. „Einer der letzten, die hier die Stellung hielten, war der junge Diakon Gerhard Potrafke“, so Schmidt. Kurze Zeit später musste der Staat allerdings einen Rückzieher machen und gab das Schloss an die Kirche zurück.

Weiter geht es in der Gegenwart: Nachdem 2015 Frank Ranneberg zum Vorsitzenden des Fördervereins Schloss Mansfeld gewählt worden war, habe er einen alten Studienfreund wieder getroffen. Die beiden kamen ins Gespräch über das Schloss - und es stellte sich heraus, dass der Studienfreund der Sohn des Diakons Potrafke ist. Und nicht nur das: Christian Potrafke ist auch Vorstandsmitglied der Falkenreck-Stiftung in Hannover, die die Erhaltung von Kunst- und Kulturgut fördert. Es kam zu einem Treffen auf dem Schloss - mit dem Ergebnis, dass die Stiftung die Restaurierung des Landsknechts-Reliefs finanziert.

Steinmetzt rettet Sandsteinrelief - Schäden am Kunstwerk waren besonders groß

Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1229 bestand eine romanische Befestigung als Sitz des alten mansfeldischen Grafengeschlechts. Im Jahre 1501 schließlich erfolgte eine Erbteilung des Mansfelder Grafengeschlechts. Die Grafen begannen den Bau von drei repräsentativen Schlössern auf dem Burgberg, die in der Folge zur Bezeichnung der genealogischen Linien dienten: Vorder-, Mittel- und Hinterort.

Im Zuge des Schlossbaus wurde 1517 bis 1549 eine gemeinsame starke Befestigungsanlage errichtet. Diese Befestigungen entsprachen der modernen frühneuzeitlichen Befestigungslehre der Zeit. Unter anderem war der Nürnberger Festungsbaumeister Matern Harder am Bau beteiligt. Die Festung wurde laufend ausgebaut und verstärkt, so dass sie im 16./17. Jahrhundert eine der stärksten Festungen Deutschlands war.

Arne Kästner, Steinmetz und Bildhauer aus Salzmünde, stellte fest, dass die Schäden an dem Sandstein noch größer waren, als gedacht. „Das war die allerletzte Chance“, sagt Kästner. „Da wäre bald nichts mehr zu retten gewesen.“ Er hat den Stein gereinigt, hohle Stellen mit Kalkmörtel gefüllt und wieder aufgeklebt sowie zahlreiche Details ergänzt, die bereits verschwunden waren. „In einer Bild-Datenbank der Uni Marburg habe ich ein Foto des Reliefs aus dem 19. Jahrhundert gefunden“, so der Restaurator.

Zugeschrieben werde das Kunstwerk dem Bildhauer Hans Schlegel, der viel auf Schloss Mansfeld gearbeitet hat. Schlegel hat unter anderem den Erker am Schloss Mittelort geschaffen sowie das Bacchus-Relief. Dieses und das Landsknecht-Relief zieren jeweils ein Portal am Schloss Vorderort. Zu vermuten sei, so Kästner, dass das Bacchus-Portal einst in den Weinkeller führte, das Landsknecht-Portal in den Bierkeller. Beide Reliefs seien in den vergangenen Jahren immer mal konserviert worden. Eine umfassende Restaurierung, so wie jetzt, habe es am Landsknecht-Relief aber nicht gegeben. Das Bacchus-Relief sei insgesamt in einem besseren Zustand. (mz)