Große Pläne bis 2030

Große Pläne bis 2030: Hettstedt soll jung, dynamisch und sexy werden

Hettstedt - Hettstedt macht sich fit für die Zukunft. Dafür hat die Stadt in Zusammenarbeit mit vielen kommunalen Partnern ein Konzept erstellt, das Maßnahmen und Projekte bis 2030 auflistet. Worum es in diesem Papier geht, ob auch Rossmann eine Zukunft in Hettstedt hat und wie Einschnitte im Bildungsbereich aussehen könnten - darüber sprach MZ-Mitarbeiterin Melain Müller mit Bürgermeister Danny Kavalier (CDU) und Susanne Löbus, Leiterin des ...

02.12.2014, 18:46

Hettstedt macht sich fit für die Zukunft. Dafür hat die Stadt in Zusammenarbeit mit vielen kommunalen Partnern ein Konzept erstellt, das Maßnahmen und Projekte bis 2030 auflistet. Worum es in diesem Papier geht, ob auch Rossmann eine Zukunft in Hettstedt hat und wie Einschnitte im Bildungsbereich aussehen könnten - darüber sprach MZ-Mitarbeiterin Melain Müller mit Bürgermeister Danny Kavalier (CDU) und Susanne Löbus, Leiterin des Bauamtes.

Herr Kavalier, wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie stellen Sie sich Hettstedt im Jahr 2030 vor?

Kavalier: Es sind keine großen Träume oder Illusionen. Vielmehr wünsche ich mir, dass sich auch in Zukunft die Menschen mit Hettstedt identifizieren können. Sie sollen stolz auf ihre Heimatstadt sein. Wenn die Menschen zufrieden sind, bin ich es auch.

Und das wollen Sie mit diesem Konzept erreichen?

Kavalier (grinst): Ja, wir wollen jung, dynamisch und sexy sein. Und dafür brauchen wir ein Leitbild. So ein Projekt gab es vorher noch nicht in Sachsen-Anhalt. In diesem Modellprojekt haben zehn Städte und Kommunen Entwicklungskonzepte erarbeitet. Hettstedt hat sich ebenfalls daran beteiligt. Wir sind jetzt am Ende des Prozesses und haben ein „Sixpack“ an Bausteinen, die wir als wichtig betrachten. Die sehen natürlich nicht so zukunftsträchtig aus, aber dazu gehört Wohnen, Bildung, Wirtschaft, Klimaschutz, Infrastruktur und Bürgerengagement.

Sie sprachen im Stadtrat davon, dass in dem Konzept auch verrückte Ideen stecken. Wie sehen die aus?

Kavalier: Verrückt war wohl eher der Weg bis hierher. Aus der Ideenwerkstatt kamen verrückte Vorschläge vor allem von Jugendlichen, zum Beispiel eine Shisha-Bar auf dem Markt oder Offline-Cafés, wo man ohne Handy und Tablet sitzt. Da war aber auch die Idee eines Hotspots auf dem Markt oder WLAN im Gymnasium. Das gibt es schon in anderen Städten.

Gibt es einen Baustein, der Ihnen ganz besonders am Herzen liegt?

Kavalier: Eigentlich sind es sogar zwei. Zum einen das Thema Wohnen, da haben wir Interessantes vor. Und ganz wichtig ist mir noch, die aktive Bürgerstadt fortzusetzen. Das Vereinsleben und das bürgerschaftliche Engagement sind schon sehr hoch und das wollen wir weiter vorantreiben. Alles wird die Stadt nicht leisten können, da muss auch der Bürger mitmachen.

Stichwort Wohnen: In dem Konzept wird von sogenanntem Mehrgenerationenwohnen gesprochen. Was ist das?

Löbus: Das ist ein Konzept für den 4. Wohnkomplex, das von Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft vorgestellt wurde. Es geht darum, die Blöcke komplett umzubauen, mit Teilabrissen und Rückbau von Ebenen, so dass man zum Teil nur noch dreistöckige, anstatt vier- oder fünfstöckige Häuser hat. Die Grundrisse sollen so variabel gestaltet werden, dass sowohl Familien gut darin wohnen können, aber auch Alleinstehende oder Verwitwete beispielsweise. Die Bewohner können sich dann untereinander helfen. Eigentlich ist das ein ganz altes Bild vom „Bauernhaus“.

Ein weiterer Punkt ist die Belebung der Innenstadt. Wie wollen Sie das angehen?

Kavalier: Wir haben einen tollen Markt und den müssen wir erhalten und die Innenstadt beleben. Ein Punkt ist da sicher der Rossmann-Neubau. Seit zwei Jahren gibt es nun schon Diskussionen über einen größeren Rossmann. Auf dem Molkereigelände gegenüber der Sparkasse kann er nun entstehen. Die Planungen des Investors gehen gut voran und wir freuen uns darüber, dass Rossmann in der Innenstadt bleibt.

Löbus: Wir haben auch schöne Ideen für den Markt, beispielsweise einen Tag der Vereine. Da müssen sich natürlich auch die Vereine finden, aber wir sind dafür offen. Oder auch der Markt als Servicetag, wo in den umliegenden Geschäften ein besonderer Service angeboten wird.

Warum es in Hettstedt eine Tankstelle für E-Bikes geben soll und mit welchen Einschnitten die Stadt rechnen muss, lesen Sie auf Seite 2.

Sie wollen ein Klimaschutzkonzept für Hettstedt erstellen. Ein großes Projekt für eine kleine Stadt.

Kavalier: Eigentlich nicht, es gibt Vorgaben auf Bundesebene, die wir auch einhalten müssen. Und dafür braucht es ein Konzept. Wir verschleudern ein Haufen Energie und der Haushalt wird nicht größer. Zum Beispiel sind viele Gebäude in der Stadt Energieverschwender und das wollen wir ändern. Allein durch Dimmen und Abschalten einiger Straßenlaternen haben wir schon 40 000 Euro gespart.

Im Leitbild ist auch die Rede von einer E-Bike Tankstelle auf dem Markt?

Löbus: Das ist eine von den verrückten Ideen. E-Bike ist gerade ein Trend und wir haben es aufgenommen, weil Hettstedt auch sehr hügelig ist. Es ist eine Vision, die man vielleicht bis 2030 umsetzen kann.

Das klingt alles sehr schön. Kann man auch schnell Ergebnisse sehen?

Kavalier: Es ist nicht kurzfristig ausgelegt, aber wir wollen in den nächsten Jahren schon erste Dinge sehen. Zu allererst wird es im nächsten Jahr eine Broschüre geben, in der jedem Baustein Paten zugeordnet sind. Es ist wichtig, dass wir dem Ganzen ein Gesicht geben und den Bürger einbeziehen.

Das klingt aber doch sehr allgemein.

Kavalier: Konkret wollen wir uns schon der Entwicklung am 4. Wohnkomplex widmen. Da sind unsere Paten - die Wohnungsgesellschaft und die Stadtwerke - schon unterwegs. Dort wird es erste Umgestaltungen geben.

Gibt es auch Einschnitte in Ihrem Zukunftskonzept?

Kavalier: Ja, ich denke es wird welche im Bildungsbereich geben. Wir wollen den gymnasialen Standort stärken, weil wir dafür die Zahlen und Kapazitäten haben. Und deshalb müssen wir in die Diskussion über die Schließung eines Grundschulstandortes gehen. Nur so können wir das Gymnasium nachhaltig sichern. Das wird eine klare Bildungsdiskussion geben.

Und außerhalb des Bildungsbereiches?

Kavalier: Na ja, wir verringern die derzeitig vermietete Wohnfläche im 4. Wohnkomplex von 32 000 auf 16 000 Quadratmeter. Das ist ein Einschnitt. Ansonsten wären Einschnitte ein fatales Signal.

Um fit für die Zukunft zu sein, sollte auch die Kooperation zwischen den drei großen Städten im Landkreis funktionieren. Tut sie das?

Kavalier: Die Kommunikation läuft gut. Wir haben auch einen Imagefilm, der das Band zwischen Sangerhausen und Hettstedt widerspiegelt. Aber der imaginäre Blankenheimer Berg ist vorhanden und man darf nicht vergessen, dass drei Kreisstädte - zwei ehemalige und eine jetzige - zusammenwachsen. Da gibt es sicherlich noch Wunden, die vernarbt sind, aber noch lange nicht verheilt. Daran muss man arbeiten. (mz)