Freier Markt, gute Kunst

Wie ein ehemaliger Burgstudent die Galerie-Szene in Halle beleben will

Mit welchen Kunstschaffenden Paul Scherzer zusammenarbeitet.

Von Phillip Kampert 29.06.2021, 16:30
Paul Scherzer in seiner Galerie, im HIntergrund die Ausstellung ?Les Barricades Mystérieuses? von Jisoo Jang.
Paul Scherzer in seiner Galerie, im HIntergrund die Ausstellung ?Les Barricades Mystérieuses? von Jisoo Jang. Foto: Paul Scherzer

Halle (Saale) - Der alte Gewerbehof in der Nähe des Thüringer Bahnhofs verströmt industriellen Charme. Ein unscheinbares Schild weist auf die „Galerie Paul Scherzer“ hin. Erklimmt man eine nachträglich in das Gebäude gepasste Metalltreppe mit Kopfstoßgefahr, betritt man auf einmal einen minimalistisch eingerichteten Ausstellungsraum. An makellos weißen Trockenbauwänden hängen Gemälde. Nur ein Tischchen und zwei Stühle komplettieren die Einrichtung, die klar zu verstehen gibt: Hier geht es um die Kunst.

„Es gibt in der Kunstszene eine Skepsis gegen den freien Markt“

Vor anderthalb Jahren gründete Paul Scherzer hier seine Galerie, um zeitgenössische Kunst an den Markt zu bringen. „Eine Galerie lebt davon, dass Kunst verkauft wird“, sagt er. Scherzer will einen Ort schaffen, an dem sich Künstlerinnen und Künstler einer Öffentlichkeit stellen - also nicht bloß Kritik von ihren Kommilitonen, Professorinnen und Kunstvereinsmitgliedern bekommen. In seiner Galerie soll Kunst zugänglich sein und natürlich auch verkauft werden.

„Es gibt in der Kunstszene eine Skepsis gegen den freien Markt“, sagt Scherzer, „aber der Austausch ist gut für die Kunst. Außerdem macht es etwas mit jungen Künstlern, wenn sie ihr erstes Werk für mehrere Tausend Euro verkaufen.“ Scherzer findet, dass es möglich sein sollte, als Künstlerin oder Künstler von der eigenen Arbeit zu leben. „Die öffentliche Hand ist eine gute Startrampe - ich werde auch noch gefördert -, aber langfristig will man doch seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen“, sagt der 33-Jährige.

Modernes Konzept von Kunstgalerien in Halle etablieren

Scherzer hat Malerei und Grafik an der Burg Giebichenstein in Halle studiert. Nach seinem Abschluss als Meisterschüler hing er die eigene Kunst aber an den Nagel, weil ihn die Vermittlerrolle des Galeristen mehr reizte. Den größten Widerstand sehe er im Moment darin, ein modernes Konzept von Kunstgalerien in Halle zu etablieren. „Viele Leute wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, ob es Eintritt kostet oder ob man etwas kaufen muss“, sagt er.

Scherzer erklärt, dass man jederzeit kommen kann, um die Bilder auf sich wirken zu lassen - ohne Eintritt. Falls man ein Werk erwerben will, liegt eine Preisliste aus, man ist aber zu nichts verpflichtet. Ebenso kann man mit Scherzer über die Bilder sprechen, muss es aber nicht. Derzeit betreut Scherzer sieben junge Künstlerinnen und Künstler. „Am wichtigsten ist, dass sie es ernst meinen mit der Kunst“, sagt er. Ästhetisch liegt Scherzers Schwerpunkt auf Bildern, „die einen auf den ersten Blick überzeugen, ohne politischen Aktivismus - manchmal wünsche ich mir nur ein schönes Bild.“

Galerie Paul Scherzer, Julius-Ebeling-Str. 1a, Do.-Sa. 10-19 Uhr und nach Vereinbarung. (mz)