Was passiert mit der „alten Physik“?

Was passiert mit der „alten Physik“?: Universität Halle hat Interesse an alten Gebäuden und Naturwissenschaftlichen Sammlungen

Halle (Saale) - Die Uni Halle hat klare Vorstellungen wohin, die wertvollen Sammlungen sollen.

Von Walter Zöller 07.05.2019, 04:00

Was hat der Bau des Gotthardtunnels in der Schweiz vor 140 Jahren mit der Universität Halle zu tun? Damals gaben die Tunnelbauer viele Gesteinsproben zu Forschungszwecken ab - und so kam ein kleines Stück Gotthardmassiv auch nach Halle. Die Steine gehören heute zu den Naturwissenschaftlichen Sammlungen, die über die Stadt verstreut sind.

Universität Halle hat Interesse an ungenutzten Gebäuden

Noch: Denn die Universität hat große Pläne mit diesen Beständen. Aber auch mit dem ehemaligen Physikalischen Institut am Friedemann-Bach-Platz und mit einem früheren Gebäude der Agrarwissenschaften in der Ludwig-Wucherer-Straße. Macht das Land bei den Millionenvorhaben am Domplatz, gegenüber der Moritzburg und am Steintor-Campus mit, wäre das ein Gewinn für die Universität - und für die Stadt insgesamt. Hier ein Überblick.

Naturwissenschaftliche Sammlungen am Domplatz/Mühlpforte

Haustierkunde, Geiseltalmuseum, Geologische Sammlungen - die Uni verfügt über eine der umfangreichsten naturwissenschaftlichen Bestände Deutschlands. „In unserem Besitz sind mehrere Millionen Exponate, von denen viele von hohem wissenschaftlichem Wert sind“, sagt Rektor Christian Tietje. Einige Sammlungen sind als national wertvolles Kulturgut eingestuft - etwa die Fotoglasplatten, auf denen der Agrarwissenschaftler Julius Kühn die Geschichte der Tierzucht dokumentierte. Manche Objekte gelten als wichtige Referenzobjekte - sie gibt es weltweit nur einmal.

Die Sammlungen sind freilich über die Stadt verstreut und teilweise schlecht untergebracht. „Es gab viele Versprechungen von Landespolitikern“, so Tietje. Etwa eine zentrale Ausstellung in der „alten Physik“ am Friedemann-Bach-Platz. „Geschehen ist nichts“, beklagt der Rektor. Die Uni möchte das Heft nun selbst in die Hand nehmen. Sie will das bereits existierende Zentralmagazin am Domplatz 4 und den benachbarten, seit Jahren leerstehenden Komplex an der Mühlpforte nutzen, „um eine gute und fachgerechte Unterbringung für die Sammlungen sicherzustellen“, wie es der Rektor formuliert.

Aus sechs würden zwei Standorte, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt wären. Die Lösung böte viele Vorteile. Es gäbe genügend Platz für Forschung und Lehre - und attraktive Ausstellungsräume. „Wir sind optimistisch, dass die Landesregierung die notwendige Investition in Höhe von neun Millionen Euro im Doppelhaushalt 2020/21 einplant“, sagt Tietje.

Institut für Strukturwandel und Biodiversität am Friedemann-Bach-Platz:

Geht es nach dem Willen den Uni, wird im Gebäude der „alten Physik“ bald Zukunft geplant. Und zwar die Zukunft nach dem Ausstieg aus der Braunkohle-Verstromung. Die Kohlekommission hat unter anderem vorgeschlagen, ein „Institut für Strukturwandel und Biodiversität“ einzurichten. Das Gebäude am Friedemann-Bach-Platz böte sich nach Ansicht Tietjes an. Der mit dem Kohleausstieg verbundene Strukturwandel müsse auch wissenschaftlich begleitet werden.

Neben der Aufwertung der Universität würde das jetzt - trotz des Parkplatzes - schon attraktive Areal mit Moritzburg, Leopoldina und runderneuertem „alten Physikgebäude“ weiter aufgewertet. „Da dies eines der von der Landesregierung beim Bund angemeldeten Leuchtturmprojekte ist, gehe ich davon aus, dass es realisiert wird“, sagt Tietje.

Ehemalige Räume der Agrarwissenschaften/Bauernklub an der Wucherer-Straße:

Das Gebäude ist für viele eng mit dem früheren Bauernklub verbunden, dort saßen auch die Agrarwissenschaftler. Seit Jahren stehen die Räume leer. Nun sieht die Unispitze neue Möglichkeiten. Der benachbarte Steintor-Campus - erst wenige Jahre in Betrieb und nach allgemeiner Ansicht eine Erfolgsgeschichte - ist nach Angaben von Tietje „zu klein gebaut worden“.

Die Uni brauche zusätzlichen Raum. Auf dem Campus-Platz lasse sich ein Neubau nicht ohne weiteres realisieren. „Das Gebäude in der Ludwig-Wucherer-Straße ist die ideale Lösung“, so Tietje. Zumal dort nach dem Umbau der Steintor-Kreuzung nur noch Straßenbahnen fahren - eine Anbindung an den Campus also kein Problem wäre. Die Uni hat das Projekt beim Land angemeldet. Kostenpunkt: 16 Millionen Euro. (mz)