Umstrittener Umbau des Biotops

Umstrittener Umbau des Biotops: 55.000 Bäume für das Trothaer Wäldchen

Halle (Saale) - Es ist eine Zahl, so hoch, dass die Mitglieder des Ordnungs- und Umweltausschusses am vergangenen Donnerstag nachfragen mussten, ob sie sich verhört haben: 55.000 Bäume sollen im Trothaer Wäldchen, das in den vergangenen Monaten zu reichlich Diskussionen geführt hatte, gepflanzt werden. Das sagte Grundsatzreferent Oliver Paulsen als Vertreter der ...

Von Oliver Müller-Lorey 17.02.2020, 16:40

Es ist eine Zahl, so hoch, dass die Mitglieder des Ordnungs- und Umweltausschusses am vergangenen Donnerstag nachfragen mussten, ob sie sich verhört haben: 55.000 Bäume sollen im Trothaer Wäldchen, das in den vergangenen Monaten zu reichlich Diskussionen geführt hatte, gepflanzt werden. Das sagte Grundsatzreferent Oliver Paulsen als Vertreter der Stadtverwaltung.

Demnach sind die Rodungsarbeiten in dem kleinen Waldgebiet zwischen Froher Zukunft und Trotha jetzt abgeschlossen. Bei den neuen Bäumen, die nun gepflanzt werden, handle es sich natürlich nicht um bereits ausgewachsene Exemplare, sondern Setzlinge, die dicht nebeneinander gepflanzt würden, so die Stadt. Die stärksten Pflanzen werden sich durchsetzen und die sogenannten Lichtinseln, die in den vergangenen Monaten geschaffen wurden, füllen.

Trotha Wäldchen: Hintergrund des Waldumbaus

Hintergrund des Waldumbaus ist, dass die Deutsche Bahn als Ausgleichsmaßnahme für ihre Arbeiten am Güterbahnhof das Trothaer Wäldchen mit anderen Bäumen bestücken muss. Bislang wachsen dort Hybrid-Pappeln, Eschen-Ahorn und vor allem Robinien, die als invasive Art gelten. Einige Robinien wurden „geringelt“, das heißt, ihre Rinde so beschädigt, so dass sie langsam absterben und den neuen Bäumen Nährstoffe liefern sollen. Andere wurden gefällt. Auf dem nun freien Platz sollen Eichen gepflanzt werden - 55.000 Stück.

An dem Waldumbau hatte es immer wieder Kritik gegeben. Zwischendurch stoppte die Stadt sogar die Arbeiten, bis sie einen Kompromiss mit der Bahn verkündete. Seit Mitte Januar kreisten wieder die Kettensägen im Wald - zum Schrecken einiger Umweltschützer.

Auch im Umweltausschuss fragte eine Frau, warum bestehende Biotope zerstört und umgebaut würden, statt die Eichen auf einer bisher versiegelten Fläche, die zu räumen wäre, zu pflanzen. Von Seiten der Stadt hieß es, man entsiegle bereits Flächen und pflanze dort Bäume. Der Eingriff jetzt sehe zwar brutal aus, aber schaffe wichtigen Lebensraum für Tiere und andere Pflanzen. „Nicht jeder Baum, der steht, ist ein guter Baum“, sagte OB-Referent Oliver Paulsen. (mz)