Stadt-Sprechstunde im Südpark

Südpark in Halle: Wie die Stadt auf die Probleme im Stadtviertel reagiert

Halle - Im sozialen Brennpunkt am Rand von Neustadt gärt es gewaltig. Flüchtlinge und Roma werden zu Feindbildern stilisiert. Wie die Stadt auf die Probleme reagiert.

Von Jan Möbius

Dem Zufall wollte Halles Stadtspitze nichts überlassen. Offenbar hatten Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und seine engsten Mitarbeiter eine gewisse Ahnung davon, was sie erwarten würde. Die Zufahrtstraße zur Turnhalle in der Offenbachstraße im Neustädter Südpark war gesperrt. Ordnungsamt, Polizei und ein privates Sicherheitsunternehmen sicherten alle Zugänge zum Gebäude. Rein kam nur, wer sich als Südpark-Bewohner ausweisen konnte. Die Brisanz des gut anderthalbstündigen Abstechers der Rathausspitze in den wohl härtesten sozialen Brennpunkt der Stadt war förmlich greifbar.

Großes Interesse an Versammlung im Südpark

Auf eine öffentliche Ankündigung der „Zukunftswerkstatt“ genannten Bürgerversammlung am Montagabend hatte die Stadt verzichtet. Einladungen an die Medien wurden erst Freitagabend verschickt. Doch die Bestandsaufnahme im Südpark - um mehr, aber auch nicht um weniger ging es der Verwaltung schließlich - stieß auch so auf enormes Interesse. Hunderte Einwohner, mehrere Kamerateams, zahlreiche Reporter und Fotografen: Das 3 687-Einwohner-Viertel an der Bundesstraße 80 stand plötzlich im Mittelpunkt.

Die Verwaltung stellte zunächst vor, wie es um den Südpark bestellt und was dort für die Zukunft geplant ist. Von Visionen sprach etwa Baudezernent Uwe Stäglin. Er erklärte, wie er mit Förderprogrammen den Südpark aufwerten will. Der Neubau zweier Spielplätze und die Sanierung der Bolzplätze sollen aus Stadtumbau-Mitteln und aus dem Fördertopf „Soziale Stadt“ finanziert werden.

Investitionen im Südpark in Halle

Seine Kollegin Katharina Brederlow, Halles Bildungsdezernentin, brachte gleich Zahlen ins Spiel: 260.000 Euro will sie im kommenden Jahr in die Grundschule „Am Kirchteich“ und die Salzmann-Förderschule investieren. „Beide Schulen sind in ihrem Bestand gesichert“, betonte Brederlow. Doch schon während ihres kurzen Referats wurde es unruhig im Saal. Die Südpark-Bewohner treiben offenbar auch andere Sorgen um.

Der Vortrag von Wiegands Grundsatzreferent Oliver Paulsen zur Integrationsarbeit für Flüchtlinge sorgte schließlich für Aufruhr. Mit Zuschüssen zum Ghetto? Diese Frage wollte ein Anwohner mit Blick auf angekündigte Förderprogramme beantwortet haben. OB Wiegand verneinte und ließ Paulsen Zahlen vorlesen. Doch der 17 Prozent betragende Ausländeranteil im Südpark trug nicht zur Beruhigung der Atmosphäre bei. Die Emotionen kochten hoch, als etwa eine Anwohnerin berichtete, sie habe Angst auf die Straße zu gehen und sei am Ende ihrer Kräfte. Genauso, als eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe sagte, sie werde inzwischen von Flüchtlingskindern auf offener Straße unsittlich berührt.

Ausländerfeindliche Stimmung bei Bürgerversammlung

Beispiele, die typisch für den Abend waren und die erschreckend ausländerfeindliche Stimmung der Bürgerversammlung prägte. Die Ablehnung von Flüchtlingen und vor allem von zugezogenen Roma war aus den meisten, eigentlich fast allen Redebeiträgen herauszuhören. Die Angst um die eigene Zukunft und um die ihres Wohnviertels lässt die Bewohner im Süden Neustadts nicht zur Ruhe kommen. Nettes war am Abend jedenfalls über die momentane Situation im Südpark kaum zu hören. Obwohl eigentlich am Stadtrand gut und ruhig gelegen, fühlen sich die Anwohner offenbar ausgegrenzt und vergessen. Er wisse nicht mehr, was Würde ist, meinte ein Vater.

Ob sich das ändern kann? Im Januar wird die Stadtspitze in den Südpark zurückkehren. Dann will Wiegand tiefergehende Lösungsansätze präsentieren, wie er auf die Probleme der Anwohner eingehen kann. Doch auch Sofortmaßnahmen kündigten Sicherheitschef Tobias Teschner und der Oberbürgermeister an. Künftig soll es jeden Donnerstag am Parkplatz Telemannstraße eine Bürgersprechstunde der Stadtwache - den Ordnungskräften von Polizei und Stadt - geben. Zudem sollen die gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt verstärkt werden. „Das geht jetzt sofort los“, sagte Wiegand noch während der Versammlung. Zudem sagte er, dass es bereits Gespräche mit Vermietern zu Eigentümerpflichten gebe sowie die Prüfung des Verkehrskonzeptes anstehe.

Feueralarm nach der Versammlung

Doch nicht einmal zwei Stunden später wurden Anwohner und Sicherheitskräfte von der Realität eingeholt. Im Keller eines Wohnblocks in der Mendelssohn-Bartholdy-Straße hatten Brandstifter gelagerte Reifen angezündet. Drei Mieter erlitten Rauchvergiftungen. Das Feuer wird einer Brandserie zugeordnet, die im Südpark seit Monaten für Angst und Schrecken sorgt. Festnahmen gab es bisher nicht.

Aktion: Brennpunkt Südpark

Die Emotionen schlugen hoch auf der Bürgerversammlung im Südpark. Die Stimmung ist gereizt, vor allem Flüchtlingen und Roma gegenüber.

Die Mitteldeutsche Zeitung wird sich in den kommenden Wochen diesem Thema widmen, das Problem von allen Seiten beleuchten, Betroffene zu Wort kommen lassen, mit Experten sprechen und Lösungsansätze aufzeigen. (mz)