Sorgen mit Streunern

Sorgen mit Streunern in Halle: Flächendeckende Kastration für Katzen?

Halle (Saale) - In der Stadt leben Hunderte herrenlose Katzen. Sie verbreiten Krankheiten und dezimieren Singvögel. Weshalb sich der Bestand kaum verringern lässt.

Von Michael Tempel 01.08.2017, 06:00

In Halle und im Umland haben sich wild lebende Katzen längst als fester Bestandteil der Tierwelt etabliert. Der Verein „Tierschutz Halle“ schätzt, dass in der Stadt mehrere Hundert bis weit über 1.000 Katzen in freier Wildbahn ihr Dasein fristen. Dabei handele es sich um ausgesetzte, weggelaufene oder verirrte Tiere - aber auch um zahlreiche Nachkommen verwilderter Katzen.

Tendenz: Anzahl hartnäckig gleichbleibend. Ursel Ucak, Katzenverantwortliche beim Tierschutz-Verein, beklagt, dass es nicht gelingt ist, den Bestand zu dezimieren. Der Verein sieht dabei die Stadt in der Pflicht.

Wilde Katzen können ein ernstes Problem werden

Wilde Katzen können ein ernstes Problem werden. Zum einen beklagen Naturschützer, dass die Bestände von Singvögeln und von Echsenarten von den Katzen dezimiert werden. Schließlich sind die Samtpfoten geschickte Jäger. „Außerdem können sich unter den Katzen Krankheiten ausbreiten oder diese von den wilden auf die Hauskatzen übertragen werden“, sagt Ursel Ucak.

Der Tierschutz-Verein mit seinem Tierheim im Birkhahnweg, aber auch der Katzenschutzverein in der Krukenbergstraße und der Verein „felidae Kleintierschutz Halle“ (Ottostraße) betreiben stadtweit insgesamt etwa 120 Futterstellen für wildlebende Katzen. Diese dienen auch dazu, einen Überblick über den Gesundheitszustand der Tiere zu behalten und sie für eine Kastration einzufangen.

Flächendeckende Kastration für streunernde Katzen?

Eine flächendeckende Kastration - auch unter Hauskatzen - ist nach Ansicht der Tierschützer das wirksamste Mittel, die wilden Katzen zu dezimieren. Schließlich kann eine Katze, die zwei Mal im Jahr jeweils vier bis fünf Junge bekommt, im Laufe ihres Lebens für Nachkommen im fünfstelligen Bereich sorgen - Kinder und Kindeskinder eingerechnet.

Doch die Schlagkraft des Tierschutz-Vereins ist laut Geschäftsführerin Marlis Koser begrenzt. Zudem sind auch Halter von Hauskatzen bisweilen nachlässig und lassen ihre Kater und Katzen nicht sterilisieren. Diese können dann mit wilden Katzen Nachkommen zeugen. Die Kosten für Kastrationen, die Behandlungen von Krankheiten und das Futter muss der Verein aus Spenden und Beiträgen bezahlen. „Wir haben monatlich Tierarztkosten von 2.000 bis 3.000 Euro“, so Koser. Sie hofft, dass die Stadt die Arbeit der Tierschützer wieder finanziell unterstützt. „Es ist schließlich Aufgabe der Kommunen, sich um herrenlose Tiere zu kümmern.“

Seit 2010 keine Zuschüsse von der Stadt Halle

Bis 2010 hatte die Stadt den Tierschutzvereinen jährlich 10.000 Euro gezahlt. Seitdem gibt es keine Zuschüsse mehr. „Eine Zunahme der wildlebenden Katzen-Population in Halle ist gegenwärtig nicht belegbar“, begründet dies Uta Schwarzer vom Fachbereich Gesundheit. Ob es künftig wieder Geld gibt, ließ sie offen. „In Absprache mit den Vereinen sollen jetzt an zehn Katzenfutterstellen pro Verein Zählungen durchgeführt werden.“ Daten lägen aber noch nicht vor.

Unabhängig davon setzen die Tierschützer große Hoffnungen auf die vom Land geplante Kastrationspflicht für Katzenhalter. Davon hält Tierarzt Uwe Peschel indes wenig. „Die Einhaltung dieser Pflicht kann doch niemals kontrolliert werden.“ Auch sei dies insbesondere in Bevölkerungsteilen mit geringem Einkommen kaum durchsetzbar. Deshalb schlägt Peschel vor, stattdessen regelmäßig Infokampagnen und Plakat-Aktionen vorzunehmen, bei denen Katzenhalter für Kastrationen sensibilisiert werden könnten. Ihm zufolge seien damit im Ausland gute Erfahrungen gemacht worden. (mz)