Rostock-Lichtenhagen in Halle

Rostock-Lichtenhagen in Halle: Dreharbeiten sind beendet

Halle/MZ - Rund um das Hochhaus Murmansker/Ecke Elsa-Brändström-Straße sieht es aus wie nach einer Schlacht: Ein ausgebrannter Trabi steht inmitten von Papierfetzen, leeren Flaschen, Müll. So viel, dass man doch ins Grübeln kommen könnte ob der vermeintlichen Zerstörungswut einiger Hallenser - wenn, ja wenn da nicht nur ein demoliertes Polizeiauto Marke Wartburg, sondern ganz offensichtlich auch jede Menge Leute vom Film ...

Von Katja Pausch 28.05.2013, 09:21

Rund um das Hochhaus Murmansker/Ecke Elsa-Brändström-Straße sieht es aus wie nach einer Schlacht: Ein ausgebrannter Trabi steht inmitten von Papierfetzen, leeren Flaschen, Müll. So viel, dass man doch ins Grübeln kommen könnte ob der vermeintlichen Zerstörungswut einiger Hallenser - wenn, ja wenn da nicht nur ein demoliertes Polizeiauto Marke Wartburg, sondern ganz offensichtlich auch jede Menge Leute vom Film wären.

Für das Team um Regisseur Burhan Qurbani war am Montag der letzte Drehtag zu den Arbeiten an seinem Film, der die Katastrophe der Brandnacht in Rostock-Lichtenhagen vom 24. August 1992 thematisiert. Fast fünf Wochen haben die Hauptdarsteller Saskia Rosendahl - geboren 1993 in Halle und gerade erst auf der Berlinale 2013 für ihre Rolle in dem Nachkriegsdrama „Lore“ als „Shooting Star“ ausgezeichnet - und ihr Filmpartner Jonas Nay hier gedreht. „Glücklicherweise war uns der Wettergott gnädig“, meint am letzten Drehtag Regisseur und - gemeinsam mit Martin Behnke - Drehbuchautor Qurbani, der vermutet: „In Halle muss der Wettergott wohl zu Hause sein.“ Halle indes ist - oder besser war - das Zuhause von Saskia Rosendahl, die im Februar als eines von zehn europäischen Nachwuchs-Talenten mit dem prestigeträchtigen Award geehrt wurde und damit in einer Reihe mit Anna-Maria Mühe, Nina Hoss, Hannah Herzsprung, Franka Potente, Daniel Brühl und Daniel Graig steht. Und - die nun mit den Dreharbeiten zu „Wir sind jung. Wir sind stark.“ (Arbeitstitel) für einige anstrengende Tage in ihre einstige Heimatstadt zurückgekehrt ist. Besondere Gefühle haben sich allerdings bei der 19-Jährigen nicht eingestellt: „Ich sehe das Ganze ziemlich neutral, bin auch die meiste Zeit im Hotel geblieben“, so die Jung-Schauspielerin, die in dem Lichtenhagen-Film die 16-jährige Jenny spielt.

Halle als Drehort begeistert dagegen Leif Alexis. Der Mann ist Producer bei der Teamworx Television und Film GmbH Ludwigsburg, das mit den Ko-Produzenten ZDF/Das kleine Fernsehspiel (Arte) den Streifen produziert, und schwärmt von den Arbeitsbedingungen. „Die Stadt hat uns prima unterstützt, und die Anwohner haben uns die aufwendigen Dreharbeiten nicht übelgenommen“, so Alexis. Immerhin waren teilweise fast 500 Komparsen am Drehort - da ist es nicht immer leise. Und auch Elisabeth Hauck von der Mitteldeutschen Medienförderung freut sich, mit dem „leergewohnten“ Elfgeschosser in Halles Süden ideale Drehbedingungen für die Crew bieten zu können. „Das Original-Hochhaus in Rostock ist noch bewohnt, da hätten wir nicht drehen können“, so Schauspieler Jonas Nay, selbst Rostocker. Und wie ist es nun, einen Film zu drehen über eine Zeit, in der man selbst noch gar nicht auf der Welt war? „Aufregend“, findet Schauspieler Nay, und Saskia Rosendahl meint bescheiden: „Wir sind doch nur ein kleiner Teil beim Filmdreh. Aber - eigentlich ist es schon verrückt, so in dieser Zeit zu sein.“