Projekt an der Uni Halle

Projekt an der Uni Halle: Die Mutter der Stolpersteine

Halle (Saale) - Jeder kennt sie, die Stolpersteine, die sich über die Gehwege vieler deutscher Städte verteilen. Auch wer in Halle den Blick gen Boden richtet, stößt auf die goldenfarbenen Messingplatten. Doch kaum einer kennt die Geschichten hinter den Namen, die in diese Steine eingraviert ...

Von Nikta Vahid 27.01.2016, 14:25

Jeder kennt sie, die Stolpersteine, die sich über die Gehwege vieler deutscher Städte verteilen. Auch wer in Halle den Blick gen Boden richtet, stößt auf die goldenfarbenen Messingplatten. Doch kaum einer kennt die Geschichten hinter den Namen, die in diese Steine eingraviert sind.

Ein Projekt der Uni Halle will Licht ins Dunkel bringen. "Stolpersteine - Filme gegen das Vergessen" heißt eine Filmreihe des Masterstudiengangs "MultiMedia & Autorschaft" am Department Medien- und Kommunikationswissenschaften. Die Filme können kostenlos im Internet angesehen werden.

Der Kampf gegen das Vergessen

Inspiriert vom bekannten Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunther Demnig, haben sich die Studenten auf ihre ganz eigene Weise mit dem Thema auseinandergesetzt.

Entstanden sind dabei mehrere bewegende, dokumentarische Kurzfilme, die die individuellen Lebenswege von Holocaust-Opfern zeigen, aber auch Geschichten von Menschen, die gegen das Vergessen kämpfen.

Und eine von denen, die gegen das Vergessen vorgegangen ist, war Gudrun Goesecke. Sie war die Retterin des Archivs der Jüdischen Gemeinde Halle – und die Verlegung der bisher 225 Stolpersteine in Halle wäre ohne ihre Vorarbeit nicht möglich gewesen. Der Film "Gudrun Goesecke gegen das Vergessen" der Studentinnen Marie-Kristin Kirschning und Luise Kotulla erzählt die Geschichte der Hallenserin. In Videoaufnahmen, die zu Goeseckes Lebzeiten gedreht wurden, kommt die Zeitzeugin auch selbst zu Wort und berichtet hautnah von ihren überraschenden Funden im Keller der Jüdischen Gemeinde. Dort fand sie Kisten voller Dokumente: Deportationslisten mit den Namen aller halleschen Juden etwa, Postkarten aus Ghettos und persönliche Briefe.

Das Schicksal einer Familie

"The Journey - Der Weg der Irene Eber" von Evi Lemberger und Maria Göckeritz zeichnet den Lebensweg einer Holocaust-Überlebenden nach. Im Alter von nur zwölf Jahren floh Irene Eber vor den Nazis. Sie entschied sich dazu, ihre Familie zu verlassen, versteckte sich und überlebte. Heute lebt die ehemalige Hallenserin in Jerusalem. In ihrem Buch "Ich bin allein und bang" hat sie das Schicksal ihrer Familie und ihre Erlebnisse während und nach dem Holocaust aufgeschrieben.

Hier sind alle Filme zu finden, die im Rahmen des Projekts "Stolpersteine - Filme gegen das Vergessen" entstanden sind. (mz)