Peter Kortmann im Interview

Peter Kortmann im Interview: Neuer Lions-Trainer: „Wir steigen nicht ab. Fakt!“

Halle (Saale)/Bonn - Von 2008 bis 2011 war Peter Kortmann erfolgreicher Cheftrainer bei den Halle Lions in der Basketball-Bundesliga. Zur neuen Saison kehrt der inzwischen 58-Jährige als Coach zurück - für mindestens zwei Jahre. Wie er die Entwicklung in Halle sieht, was er plant und wie der Stand bei Spielerverpflichtungen ist, darüber sprach Christoph Karpe mit Kortmann am ...

Von 2008 bis 2011 war Peter Kortmann erfolgreicher Cheftrainer bei den Halle Lions in der Basketball-Bundesliga. Zur neuen Saison kehrt der inzwischen 58-Jährige als Coach zurück - für mindestens zwei Jahre. Wie er die Entwicklung in Halle sieht, was er plant und wie der Stand bei Spielerverpflichtungen ist, darüber sprach Christoph Karpe mit Kortmann am Telefon.

Hallo, Peter Kortmann, was machen Sie gerade?

Peter Kortmann: Ich habe in meiner Wohnung in Bonn gerade etwas gegessen. Ansonsten habe ich viel Freizeit, da auch bei meinem aktuellen Arbeitgeber, der BG Bonn, Kurzarbeit angesagt ist.

Langweilen Sie sich?

Bestimmt nicht! Ich bin schon für meinen neuen Job bei den Gisa Lions aktiv und führe so viele Telefonate, wie lange nicht mehr: mit Menschen in Halle, die ich noch kenne, mit Spielerinnen und Beratern. Die Planungen für die nächste Saison laufen bereits auf Hochtouren und beginnen nicht erst am 1. Juli, wenn ich nach Halle ziehe.

Wie hat es sich ergeben, dass Sie wieder in Halle bei den Lions unterschrieben haben?

Es war klar, dass mein Vertrag ausläuft. In so einer Situation fängt man an zu suchen. Und dann war zu lesen, dass die Trainerstelle bei den Gisa Lions frei wird. Also habe ich mich bei alten Bekannten in Halle informiert, wie es rings um die Lions so aussieht. Dann habe ich angefragt, ob Interesse besteht. Das bestand. Ich habe also mein Konzept vorgestellt. So sind wir zusammengekommen. Ich freue mich auf die Herausforderung - jetzt in der schönen neuen Halle und nicht mehr in der Burgstraße.

Wie weit sind die Planungen denn schon vorangeschritten?

Wir sind schon ziemlich weit. Wir brauchen zwölf Spielerinnen für unseren Kader und haben davon schon acht unter Vertrag - darunter vier Ausländerinnen. Diese Positionen haben wir schon jetzt besetzt, weil es in dieser Phase Profis noch zu vernünftigen Preisen gibt. Wenn im Juni das Hauen und Stechen losgeht, können wir entspannt zusehen.

Sind bekannte Namen darunter?

Ich werde jetzt noch keine Namen verraten, außer den von Barbora Kasparkova. Sie bleibt, weil ich sie wichtig für eine Mannschaft halte und sie sich mit Halle identifiziert. Bei den US-Spielrinnen haben wir darauf verzichtet, unerfahrene Profineulinge vom College zu holen. Ob diese in Europa zurechtkommen ist nämlich immer ein Wagnis. Also haben wir Damen verpflichtet, die in europäischen Ligen schon ihre Klasse bewiesen haben. Und alle haben einen Einjahresvertrag mit der Option auf eine Verlängerung bekommen. Das motiviert zusätzlich, sich reinzuhängen. Unser Kaderschlüssel, den ja auch schon Geschäftsführerin Lysann Kairies bekannt gegeben hat, sieht so aus: vier ausländische Profis, vier deutsche Profis und vier Nachwuchsspielerinnen. Mal sehen, ob das mit den begehrten deutschen Profis so klappt. Wenn nicht, holen wir vielleicht noch eine fünfte Ausländerin.

Was ist mit dem Kader, der ja schon recht präzise Konturen hat, möglich?

Wir wollen in ruhiges Fahrwasser, das heißt, so zeitig wie möglich die Klasse halten. Und eines kann ich schon versprechen: Wir steigen nicht ab. Fakt! Auch wenn wir im Etat Einbußen haben und schon lange finanziell nicht mehr mit den Top-Vereinen der ersten Liga mithalten können, hat der Kader genug Qualität, um die Liga zu halten. Über mehr möchte ich nicht reden.

2008 - 2011: Peter Kortmann
Größter Erfolg: Halbfinale der deutschen Meisterschaft 2010

Juli 2011 bis September 2011: Jaroslaw Zyskowski

Oktober 2011 - bis April 2012: Martin Dornhoff
Vizemeister

Juli 2012 bis Januar 2014: Patrick Bär
Hauptrundenzweiter 2012/13 - Aus im Viertelfinale

Januar 2014 bis April 2014: Martin Dornhoff
Viertelfinale Meisterschaft

Juli 2014  bis  April 2015: Jennifer Kerns
Viertelfinale Meisterschaft

Juli 2015 bis Dezember 2017: René Spandauw
Viertelfinale 2016

Dezember 2017 bis April 2018: Christian Steinwerth
Abstieg in die zweite Liga

Juli 2018 bis April 2020: Jose Araujo
Aufstieg durch Lizenzübernahme von Chemnitz, sportlicher Abstieg aus der ersten Liga

ab Juli 2020: Peter Kortmann

Apropos Nachwuchs: Wie sehen Sie hier die Situation in Halle?

Ich werde ja gleichzeitig auch sportlicher Leiter der Gisa Lions - und damit liegt auch der Nachwuchs in meinem Aufgabenbereich. Aktuell ist zu sehen: Richtig große Talente, die wir jetzt schon einbauen könnten, sind rar. Die wenigen Guten bekommen aber künftig Extra-Training, um sie schnell ranzuführen. Und dann müssen wir kontinuierlich Aufbauarbeit leisten, damit Halle im Nachwuchs wieder einen guten Namen bekommt.

Wie ist das zu schaffen?

Mein Vertrag gilt für zwei Jahre - und es gibt eine Option für zwei weitere Jahre. Das zeigt: Ich will langfristig in Halle etwas aufbauen. Erste Maßnahme: Sandra Rosanke, die Nachwuchstrainerin, wird meine Assistentin und wird mit auf der Bank sitzen. So sind wir mit der zweiten Mannschaft und den noch jüngeren Teams und deren Trainer bestens verzahnt. Ich werde auch wieder, wie ich es schon früher gehalten habe, die Sportschülerinnen zum Training ranholen. Da soll sich in den kommenden Jahren einiges entwickeln. Vielleicht finden wir ja wieder eine neue Laura Hebecker. Aber das wird ein längerer und steiniger Weg.

Was ist in Halle in den letzten Jahren schief gelaufen?

Ich möchte nicht zurückblicken. Aber allein die Zahl der Trainer, die nach mir kamen, sagt einiges aus. Der Basketball in Halle, den ich immer beobachtet habe, war keine Erfolgsgeschichte und hat viel von seinem einst guten Ruf eingebüßt. Den Trend wollen wir alle, die künftig Verantwortung tragen, wieder umkehren. (mz)