Pausenhof oder Parkplatz?

Pausenhof oder Parkplatz?: Stadträte und Stadt zerrissen über zweiten Schulhof

Halle (Saale) - Über die zukünftige Gestaltung des Schülershofs am Neuen Städtischen Gymnasium können sich die Stadträte und die Verwaltung bisher nicht einigen: Grüne, SPD, CDU/FDP und Linke wollen einen Teil des breiten Gehwegs und der Parkplätze in einen abgeschlossenen Pausenhof umwandeln. Dafür hat sich auch Schulleiter Jan Riedel ausgesprochen. Das Gymnasium hat zwar bereits einen Schulhof. Ein zweiter wird jedoch benötigt, da sich die Schülerzahl von 416 Kindern und Jugendlichen perspektivisch auf 900 erhöhen ...

Von Tanja Goldbecher 18.06.2019, 07:00

Über die zukünftige Gestaltung des Schülershofs am Neuen Städtischen Gymnasium können sich die Stadträte und die Verwaltung bisher nicht einigen: Grüne, SPD, CDU/FDP und Linke wollen einen Teil des breiten Gehwegs und der Parkplätze in einen abgeschlossenen Pausenhof umwandeln. Dafür hat sich auch Schulleiter Jan Riedel ausgesprochen. Das Gymnasium hat zwar bereits einen Schulhof. Ein zweiter wird jedoch benötigt, da sich die Schülerzahl von 416 Kindern und Jugendlichen perspektivisch auf 900 erhöhen soll.

Stadt gegen Schulhof: Fläche ist für Anwohner und Passanten

Die Stadtverwaltung will den öffentlichen Raum an dieser Stelle jedoch nicht verkleinern und die Parkplätze für die Anwohner erhalten. Dem pflichtet HWG-Sprecher Steffen Schier bei: „Aus Vermietersicht sind Parkplätze im Wohnumfeld immer von Vorteil. Das gilt besonders für die Altstadt.“ Außerdem will die Verwaltung den Weg von der Oleariusstraße bis zur Dreyhauptstraße für Passanten und Radfahrer offen halten, Autofahrer können nur bis zu den Parkplätzen fahren.

Laut Baudezernent René Rebenstorf müsste die komplette Fläche für einen Schulhofbau umgewidmet werden. Das würde mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Stadtplaner wollen lediglich Poller zur optischen Abgrenzung des Schulbereichs aufstellen. Außerdem soll dem Schulleiter ein temporäres Hausrecht für die Pausen in diesem öffentlichen Bereich eingeräumt werden. Bis zum Schulende könne die Schulleitung entscheiden, wer sich dort aufhalten darf.

Gestaltung über Schülerhof eine politische Entscheidung

SPD-Stadtrat Torsten Schiedung hält das für eine schlechte Lösung. „Es war von Anfang an klar, dass der aktuelle Schulhof nicht für das ganze Gymnasium ausreichen wird“, sagt Schiedung. Ein temporäres Hausrecht sei für den Schulleiter nicht praktikabel. Die Schüler bräuchten dennoch eine Erlaubnis der Eltern, sich während der Hofpausen außerhalb des Schulgeländes aufzuhalten.

„Der Schulleiter muss die Möglichkeit haben, sich rechtlich abzusichern“, fügt Schiedung hinzu. Nach den Entwürfen der Fraktionen würde zudem nur ein kleiner Teil der Parkplätze wegfallen. „Was wollen wir: einen Schulhof oder Parkplätze? Das ist eine politische Entscheidung“, sagt Schiedung.

CDU: Es brauch mögliche Varianten für einen Pausenhof

Eine ähnliche Position vertritt CDU/FDP-Fraktionschef Andreas Scholtyssek: „Ich vermisse den politischen Willen der Verwaltung, hier eine gute Lösung für alle zu finden.“ Seine Fraktion wolle nicht, dass alle Parkplätze verschwinden. In der gemeinsamen Beschlussvorlage der Fraktionen, wird die Verwaltung deshalb aufgefordert, mögliche Varianten für einen eingezäunten Pausenhof zu entwickeln.

Drei bis fünf Quadratmeter sollten nach einer rechtlich allerdings nicht bindenden Vorgabe jedem Schüler auf einem Pausenhof eingeräumt werden. Aktuell hat das Gymnasium im Innenhof 1900 Quadratmeter. 700 Quadratmeter würden durch den Schülershof im Außenbereich dazukommen.

Wiegand schlägt Bürgerversammlung vor

Zudem soll laut dem Antrag der Fraktionen der Baubeschluss von 2017 für die Gestaltung des Schülershofs aufgehoben werden. Genau das stellt aus Sicht der Verwaltung allerdings ein weiteres Problem dar. Damals hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Freifläche für 350.000 Euro umgestaltet wird. Der Großteil dieser Summe sollte über Fördermittel des Landes finanziert werden, nur rund 117.000 Euro hätte die Stadt aus eigenem Budget investieren müssen. Geplant war, die Hochbeete zu erneuern, dabei aber die Bäume zu erhalten.

Die Mauern sollten ebenfalls saniert und mit Sitzen ausgestattet werden. Eigentlich war der Baubeginn für 2017 festgelegt worden. Eine MZ-Nachfrage, warum das Projekt bisher nicht umgesetzt wurde und ob die Fördermittel mit einem Schulhofbau in Gefahr wären, ließ die Stadtverwaltung am Freitag unbeantwortet. Es bestehe aber diese Sorge, hieß es in den Ausschüssen. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hat nun vorgeschlagen, zu diesem Thema eine Bürgerversammlung einzuberufen. (mz)