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Parkplätze in HalleParkplätze in Halle: Altstadt wird „Bewohnerzone“

Halle (Saale) - Halles Innenstadt soll zu einer einzigen Bewohnerpark-Zone werden. Innerhalb des Altstadtrings werden künftig vorwiegend Bewohnerstellplätze und einige kostenpflichtige Kurzzeitstellplätze geschaffen werden. Das sieht das neue „Parkraumkonzept Altstadt“ vor. Bislang kann etwa am Großen Berlin/Jerusalemer Platz, jeder kostenlos parken. Was den kundigen, autofahrenden Halle-Besucher freut, ist vor allem für die Bewohner der Altstadt seit Jahren ein Problem - sie finden keine Parkplätze. Bei der abendlichen Suche können sie größtenteils nicht einmal auf benachbarte Innenstadtgebiete ausweichen: Denn dort sind fast überall Zonen für Anwohner-Parkbereiche ...

Von Michael Falgowski 09.10.2015, 15:08

Halles Innenstadt soll zu einer einzigen Bewohnerpark-Zone werden. Innerhalb des Altstadtrings werden künftig vorwiegend Bewohnerstellplätze und einige kostenpflichtige Kurzzeitstellplätze geschaffen werden. Das sieht das neue „Parkraumkonzept Altstadt“ vor. Bislang kann etwa am Großen Berlin/Jerusalemer Platz, jeder kostenlos parken. Was den kundigen, autofahrenden Halle-Besucher freut, ist vor allem für die Bewohner der Altstadt seit Jahren ein Problem - sie finden keine Parkplätze. Bei der abendlichen Suche können sie größtenteils nicht einmal auf benachbarte Innenstadtgebiete ausweichen: Denn dort sind fast überall Zonen für Anwohner-Parkbereiche ausgeschildert.

Zentrum nicht bewirtschaftet

„Halle ist vielleicht die einzige Großstadt, deren öffentlicher Parkraum im Zentrum bisher nicht komplett bewirtschaftet wird“, sagt Rainer Möbius, Verkehrsplaner der Stadtverwaltung. Der Mangel an Bewohner- und Kurzzeitstellflächen führe zu wildem Parken in der Altstadt, über das sich Fußgänger und Radfahrer immer wieder beschwerten. Sanktionen durch Bußgelder würden aber vor allem die Anwohner zur Weißglut treiben. Insgesamt sollen deshalb nach dem Parkraumkonzept innerhalb des Altstadtrings 121 (nachts 328) heutige Jedermann- in Bewohnerstellplätze umgewandelt werden. Von den nachts 1 277 Stellflächen im öffentlichen Raum, einschließlich des Altstadtrings, sind demnach künftig in der Nacht 851 Stellplätze für Bewohner reserviert, tagsüber sind es 609 von 1 219. Der Rest ist für jedermann; für die meisten Plätze müssen aber tagsüber bis 19 Uhr Parkscheine gezogen werden. Die jetzt existierenden bewirtschafteten „Jedermann-Stellplätze“ tagsüber bleiben erhalten. Auch ganz neue Jedermann-Stellplätze, ohne Nutzerprivilegierung, entstehen: etwa an der Gerberstraße, Großen Brauhausstraße (Parkplatz), Gustav-Anlauf-Straße, Kellnerstraße, Kleinen Braushausstraße, Südlichen Oleariusstraße, Schülershof und Steinbockgasse. Jedermann-Parkplätze - vorerst geplant mit Parkscheibe - sind am Hallorenring (vor dem Finanzamt) und der südlichen Oleariusstraße geplant.

„Es geht uns darum, mit der Bewirtschaftung steuernd einzugreifen, um die Altstadt autoarm zu halten“, sagt Möbius. Seit 1997 hatte man dies mit Zufahrtsbeschränkungen in den Altstadtring erreicht, doch diese mussten im vergangenen Jahr abgebaut werden: Sie waren nichts rechtens. Nun also Parkscheinautomaten. Bewirtschaftet werden bisher vor allem der Altstadtring - und Bewohnerparkplätze. Momentan gibt es Bewohnerparkzonen nur im westlichen Teil der Altstadt: Domplatzviertel, Große Wallstraße, Schülershof und Brunoswarte. Künftig soll die Altstadt plus dem Gebiet „Spitze“ als eine große Anwohner-Parkzone gelten. Das heißt: Anwohner vom Jerusalemer Platz können ihr Auto auch in anderen Bereichen abstellen.

Klar ist auch: Ein Bewohnerparkausweis - er kostet im Jahr rund 30 Euro – garantiert keinen Stellplatz, sondern berechtigt nur überhaupt zum Parken in der Zone.

Großer Andrang auf Ausweise erwartet

Der Andrang auf die Parkausweise dürfte groß sein. 1996 waren in der Altstadt rund 3 900 Bewohner gemeldet, Ende vergangenen Jahres waren es bereits 5 300 - Tendenz steigend. Gleichzeitig waren allein 2 100 Pkw angemeldet. Die rund 1 200 öffentlichen Stellflächen reichen nicht aus. Auch die rund 750 kostenpflichtigen Plätze auf mehr als 40 Brachen oder die 400 Dauerstellflächen in den öffentlichen Tiefgaragen (1 000 sind Kurzzeitplätze) können den Bedarf der Bewohner nicht decken.

Das ist auch in den jetzigen Bewohnerparkzonen der Stadt so. Im „verkehrsplanerischen Regelwerk“ werde zwar maximal die Ausgabe von 1,6 Bewohnerparkausweisen pro Stellplatz empfohlen. Doch das ist in Halle kaum zu halten. So wurden beispielsweise in der Zone „Charlottenviertel“ bis zu 2,16 Ausweise pro Stellfläche ausgeben. In der Klaustorvorstadt sind 1,89 bis 2,33 (je nach Tag und Nacht), am Domplatz gibt es 507 Ausweise für 268 Stellflächen (1,89), am Schülershof 214 für 120 (1,78) und in der Zone „Brunoswarte“ 215 für 127 (1,69). Zu den Kosten - und den Einnahmen - der künftig flächendeckenden Innenstadt-Bewirtschaftung könne man noch nichts sagen, so Verkehrsplaner Möbius. Erst nach der verkehrsbehördlichen Anordnung sei dies möglich. Zunächst wolle man die Öffentlichkeit informieren. Die Bewohner werden zudem Gelegenheit bekommen, sich zu äußeren. Die Realisierung ist auch eine Frage der Finanzierung. Im Haushalt ist sie nicht enthalten. Man könnte aber zumindest das Bewohnerparken schrittweise einführen.

Weitere Gebiete werden untersucht

Weil der Parkdruck überall hoch ist, hat die Verkehrsplanung für die meisten Innenstadtgebiete jenseits des Altstadtrings stellplatzgenaue Konzepte erarbeitet. Die Verkehrsplanung hat für die meisten Innenstadtgebiete jenseits des Altstadtrings stellplatzgenaue Konzepte erarbeitet und - wie in der Klaustorvorstadt oder rund um die August-Bebel-Straße - Bewohnerparkzonen realisiert. „Die Untersuchung des Paulusviertels und des Medizinerviertels ist abgeschlossen. Ergebnisse und Vorschläge werden wir demnächst dem Stadtrat vorlegen“, so Rainer Möbius. Parkraumuntersuchungen laufen aktuell auch für Glaucha. Für das Giebichenstein- oder Mühlwegviertel indes gäbe es noch keine konkreten Betrachtungen. Auch nicht für die weitere südliche Innenstadt. „Jedes Gebiet ist anders, man muss die Interessen von Bewohnern, Besuchern und Gewerbetreibenden im konkreten Fall abwägen“, so Möbius.

Und die Zeiten ändern sich: 1996 wurden in der Verwaltung jene Gebiete erfasst, in denen der Parkdruck besonders hoch war: unter anderem waren das Neustadt und die Silberhöhe. (mz)