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Machtgefüge im Stadtrat verschoben OB-Kandidat Hendrik Lange: "Es geht nicht ums Geschachere."

Von Dirk Skrzypczak 02.02.2018, 13:00
Hendrik Lange (Linke) will OB-Kandidat werden und 2019 gegen den amtierenden OB Bernd Wiegand (parteilos) antreten.
Hendrik Lange (Linke) will OB-Kandidat werden und 2019 gegen den amtierenden OB Bernd Wiegand (parteilos) antreten. Holger John

Halle (Saale) - Ein Handschlag, ein freundlicher Gruß. Das war’s. Als sich Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und der Stadtratsvorsitzende Hendrik Lange (Linke) vor der Ratssitzung am Mittwoch begegneten, spielten die Ereignisse zuvor keine Rolle.

Rot-Rot-Grün will Lange im nächsten Jahr gegen Wiegand in den OB-Wahlkampf schicken. „Nein, darüber haben wir nicht gesprochen“, sagt der Herausforderer einen Tag danach. Das Handy summt. Glückwünsche gehen ein. „Ich bekomme viel Zuspruch. Das motiviert noch zusätzlich“, meint der 41-Jährige. 

Hendrik Lange als OB-Kandidat: Bündnis von langer Hand geplant 

Und ja, es sei nicht leicht gewesen, die parteiübergreifenden Gespräche unter der Decke zu halten. „Es war uns wichtig, dass unsere Sondierung nicht in der Öffentlichkeit zerredet wird.“ Linke, SPD und Grüne wollen nicht nur Lange als gemeinsamen Kandidaten aufstellen (wenn die Mitglieder auf den Parteitagen mitspielen), sie rücken auch im Stadtrat enger zusammen. Und bringen das Machtgefüge durcheinander, weil sie mit 31 von 56 Sitzen eine Mehrheit erzielen.

OB-Wahl 2019: CDU will eigenen Kandidaten stellen

Eine Unterstützung von CDU und FDP im OB-Wahlkampf wird es für den Diplombiologen nicht geben. CDU-Kreisvorsitzender Marco Tullner sieht Lange nicht als Kandidaten der Mitte. Die CDU wird einen eigenen Bewerber stellen, hat aber noch keinen, weil unter anderem Tullner schon abgewinkt hat.

Auch FDP-Kreis-Chef Frank Sitta äußerte sich sich eher kritisch. Lange sei für das linke Lager „sicher ein passabler Kandidat“. Allerdings erwarten die Liberalen von dem Landtagsabgeordneten keinerlei Impulse für das wirtschaftliche Wachstum in der Stadt. „Ein solcher Kandidat oder Kandidatin fehlt bisher im Bewerberfeld.“

Allianz Rot-Rot-Grün durch Zugeständnisse erkauft?

Unterdessen wird abseits von Rot-Rot-Grün darüber spekuliert, ob die Allianz nicht doch mit Zugeständnissen erkauft worden ist - obwohl das die Partei- und Fraktionsspitzen des Trios von sich weisen. Eine der Theorien lautet, dass Langes wahrscheinliche Nominierung durch personelle Zugeständnisse bei den städtischen Beigeordneten ausgehandelt worden sein könnte.

Derzeit stellt die SPD mit Egbert Geier (Finanzen) und Katharina Brederlow (Bildung) zwei Beigeordnete. Für die Linke sitzt Judith Marquardt (Kultur) im Ratshof. Uwe Stäglin (ebenfalls SPD, Stadtentwicklung) tritt nicht noch mal an.

Und nun wird gemunkelt, dass im Mai, wenn im Stadtrat ein Nachfolger gewählt wird, SPD und Linke einen grünen Kandidaten unterstützen würden. Die Sozialdemokraten wiederum erhielten Rückendeckung aus dem Bündnis, wenn die Neuwahl ihrer zwei noch verbliebenen Beigeordneten ansteht.

Hendrik Lange: „Es geht nicht ums Geschachere.“

Lange will davon nichts wissen. „Es geht nicht ums Geschachere. Wir werden uns alle Bewerber anschauen. Danach wird der Rat entscheiden.“ Guckt die CDU bei den Beigeordneten wieder in die Röhre?

Tullner gibt sich kämpferisch. „Wir werden keinen Parteisoldaten aufstellen, sondern jemanden, der geeignet ist“, sagt er. Und dann werde man ja sehen, was passiert. Zunächst müssen sich Grüne (14. Februar), SPD (16. Februar) und Linke (9. März) auf ihren Parteitagen das Mandat für Langes Kandidatur holen. Deshalb hält er sich noch zurück, kündigt aber an: „Ich werde im Wahlkampf nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“ (mz)