Nach Nazi-Demo in Halle

Nach Nazi-Demo in Halle: Falschmeldung über angebliche Ermittlungen

Halle (Saale) - Der Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel twittert, nach der rechten Demo gebe es Anzeigen wegen versuchten Totschlags. Die Polizei dementiert.

Von Oliver Müller-Lorey
1. Mai 2017 in Halle: Auseinandersetzungen bei Gegendemonstrantion mit der Polizei in der Merseburger Straße.
1. Mai 2017 in Halle: Auseinandersetzungen bei Gegendemonstrantion mit der Polizei in der Merseburger Straße. xcitepress

Im Fall des Angriffs auf einen jungen Mann und eine junge Frau nach der rechten Demonstration am Holzplatz ermittelt die Polizei nun auch wegen gefährlicher Körperverletzung.

Wie Polizeisprecher Ralf Karlstedt der MZ sagte, habe man inzwischen erste Hinweise zu möglichen Tatverdächtigen. Man stehe dazu auch im Kontakt mit Polizeibehörden aus anderen Bundesländern.

Ob die Tatverdächtigen tatsächlich aus anderen Ländern kommen, und wie viele es sind, sagte Karlstedt nicht. Bei den Ermittlungen spielen auch Autokennzeichen eine Rolle, die auf Pressefotos unverpixelt zu sehen sind. Die Nummernschilder sollen zu den Autos gehören, mit denen die mutmaßlichen Schläger am Holzplatz vorgefahren waren. Ob es sich bei Verdächtigen und Opfern um rechts- und links-orientierte Personen handelt, sagte Karlstedt nicht. (mz)

Am Dienstagmorgen wurde zunächst der folgende Bericht veröffentlicht:

Im Internet kursieren Falschmeldungen zu angeblichen Ermittlungen wegen versuchten Totschlags im Zuge der Nazi-Demo am 1. Mai. Der grüne Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel, der an den Gegenprotesten teilnahm, hatte am Montag auf seinem Twitter-Account geschrieben: „Nach Angriff von Nazis auf Unbeteiligte ermittelt Polizei u.a. wegen versuchten Totschlags.“

Doch die Polizei wusste von diesen Ermittlungen überhaupt nichts. „Mir liegt keine Anzeige wegen versuchten Totschlags vor“, sagte Polizeisprecher Ralf Karlstedt auf MZ-Nachfrage am Dienstagvormittag. Auch er frage sich, woher die Informationen stammen. Zwar ermittle die Polizei laut Karlstedt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs.

Am Holzplatz sollen ein 25- Jähriger und eine 21-Jährige von mehreren Personen verletzt worden sein, die plötzlich mit Autos vorgefahren kamen. Aus den Autos seien Steine und Flaschen geflogen, außerdem soll auf den 25-Jährigen mit einem Schlagwerkzeug eingedroschen worden sein. Doch um Ermittlungen wegen versuchten Totschlags handle es sich nicht, sagte am Dienstagvormittag.

Am Dienstagmorgen berichtet dann auch die Zeitung „Die Zeit“ auf ihrem Blog „Störungsmelder“ über Ermittlungen wegen versuchten Totschlags. Eine Quelle für diese Information nannte sie nicht.

Sebastian Striegel erklärte indes, er habe von den Betroffenen selbst gehört, dass die Polizei wegen versuchten Totschlags ermittele. „Als ich dorthin kam waren auch drei Polizei-Mannschaftswagen und die Kriminalpolizei da“, sagt er. Die Betroffenen hätten die Nachricht, dass wegen versuchten Totschlags ermittelt werde, wiederum von den Beamten erhalten.

Grund sei der Angriff mit einem Teleskopschlagstock gewesen. „Der Angriff zeigt, mit welcher Brutalität und Aggression organisierte Neonazis gegen Andersdenkende und Unbeteiligte vorzugehen bereit sind“, so Striegel. (mz)