Mit neuer Co-Trainerin Sandra Rosanke

Mit neuer Co-Trainerin Sandra Rosanke: Gisa Lions haben Talente wieder fest im Blick

Halle (Saale) - Schlendrian kann Sandra Rosanke so gar nicht ausstehen. Da ist es auch egal, dass er sich in diesem Fall bei den erst elf oder zwölf Jahre jungen Nachwuchsspielerinnen der SV Halle Lions einschleicht. „Scharfe Pässe“, ermahnt die 40-jährige Trainerin ihre leicht unkonzentrierten Schützlinge beim Training in der Sporthalle Lettin ...

Von Fabian Wölfling

Schlendrian kann Sandra Rosanke so gar nicht ausstehen. Da ist es auch egal, dass er sich in diesem Fall bei den erst elf oder zwölf Jahre jungen Nachwuchsspielerinnen der SV Halle Lions einschleicht. „Scharfe Pässe“, ermahnt die 40-jährige Trainerin ihre leicht unkonzentrierten Schützlinge beim Training in der Sporthalle Lettin lautstark.

Bereits seit 20 Jahren formt Rosanke derart energisch als Trainerin den Basketballnachwuchs in Halle. 2020 ist also ein Jubiläumsjahr. Zugleich bringt es für die zweifache Mutter, Zwillinge Alicia und Jenna (11) werden im SV-Nachwuchs von ihr trainiert, aber auch eine Neuerung: Erstmals wird Rosanke das Bundesligateam der Gisa Lions mitbetreuen, als Co-Trainerin von Rückkehrer Peter Kortmann.

Sandra Rosanke soll Bundesligateam und Nachwuchs verzahnen

Es ist eine Entscheidung, die der SV Halle, Lizenzgeber der Lions und Rosankes Arbeitgeber, forciert hat. „Weil wir es wichtig finden, dass es wieder eine gute Verzahnung zwischen Bundesligateam und Nachwuchs gibt“, sagt die einstige SV-Spielerin im MZ-Gespräch vor dem Start des Nachwuchstrainings. Wie die Verpflichtung von Kortmann soll auch ihre Ernennung zur Assistentin die Lions nach Jahren voller sportlicher Fehlschläge wieder in erfolgreichere Bahnen lenken. Rosanke soll die Rolle als Scharnier zwischen Bundesliga und Nachwuchs ausfüllen.

Sportlicher Abstieg, Nicht-Aufstieg und Abstieg - zweimal die erste Liga als Geschenk - lautete zuletzt die Bilanz. Das muss sich unter Kortmann ändern. Dazu sollen die Lions aber auch eine neue Identität erhalten. Vor allem der SV Halle wünscht sich wieder mehr Identifikationsfiguren, mehr hallesche Eigengewächse im Kader. „Die Einbindung der jungen Spielerinnen hat in den letzten Jahren nicht funktioniert“, sagt auch Rosanke.

Zahlen belegen das: Seit 2015 hat sich keine Nachwuchsspielerin mehr im Bundesligateam festgespielt. Damals, in der ersten Saison unter Trainer René Spandauw, debütierten Laura und Janina Schinkel. Auch die inzwischen nicht mehr zu den Lions zählenden Lena Büschel, Celina Kühn und Anna Hanzalek waren dabei. „Da hat die Verzahnung das letzte Mal gepasst“, meint Rosanke. „Spandauw hat die Talente gefördert, sie haben regelmäßig mit der Ersten trainiert, haben Einsätze erhalten.“ Passend: 2015/16 erreichte nicht nur das Bundesligateam das letzte Mal die Playoffs, sondern die Talente schafften auch das Finale der Nachwuchs-Bundesliga WNBL - der letzte große Erfolg.

Gisa Lions haben viele Fehler gemacht

Danach wurden viele Fehler gemacht. Vom Verein, der auf die unpassenden Trainer und Spielerinnen setzte. Verantwortlich in den vergangenen zwei Jahren für die Gisa Lions war der Portugiese José Araujo. Der kümmerte sich nicht um den Nachwuchs, ließ dazu eine klare Linie im Umgang mit den Erstliga-Spielerinnen vermissen, wie Rosanke verstimmt verrät: „Wir hatten im Nachwuchs weitaus strengere Regeln als die erste Mannschaft.“

Aber auch Rosanke, die ebenfalls für den Basketballverband Sachsen-Anhalt die Talenteförderung vorantreibt, gesteht Fehler ein. Dass nach dem Erfolgsjahrgang um die Schinkel-Schwestern keine Talente nachkamen, habe auch mit eigenen Versäumnissen zu tun. „Ich habe in den einen Jahrgang alle meine Energie gesteckt, weil wir so erfolgreich waren“, sagt sie. „Untendrunter ist dagegen in dieser Zeit nicht so viel passiert. Deshalb ist in den Jahren danach nicht viel nachgekommen. Diesen Fehler darf ich nicht wieder machen, ich muss in allen Jahrgängen immer präsent sein.“

Hoffnungszeichen, dass es mit dem Nachwuchs langsam wieder bergauf geht, gibt es. So sind drei Lions-Talente für Nationalmannschaftssichtungen vorgesehen: Leni Knorr, Jahrgang 2005 sowie Lotte Papst und Maria Neumann, jeweils Jahrgang 2006. „Es wird aber immer schwieriger, Talente zu finden“, sagt Rosanke. Die Sportschule in Halle ist im deutschen Damen-Basketballnachwuchs inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Talente von weiter weg an die Saale zu locken, wie einst etwa Inken Henningsen aus Schleswig-Holstein, sei daher kaum noch möglich.

Gisa Lions: Talente Charlotte Kreuter und Lilly Oswald rücken auf

Umso wichtiger sei, den vorhandenen Talenten den Übergang in die erste Mannschaft zu ermöglichen. Dafür will das Gespann Kortmann/Rosanke etwa hoffnungsvolle Spielerinnen aus der Sportschule - auch hier leitet Rosanke die Einheiten - mit dem Bundesliga-Team trainieren lassen. „Dazu hat Peter auch vor, Individualtraining mit Talenten zu machen, um sie zu fördern.“

Und: Jedes Jahr soll es im Bundesliga-Kader feste Plätze für Spielerinnen aus dem Nachwuchs geben. In diesem Jahr rücken Charlotte Kreuter (19) und Lilly Oswald (16) auf. „Die sind fähig, fünf Minuten pro Spiel auf dem Feld zu stehen“, ist Rosanke überzeugt. Es wäre ein erster kleiner Erfolg der neuen Strategie. (mz)