Leichtathletik

Leichtathletik: Schrader und Freimuth verlieren Sponsor adidas

Halle (Saale)/MZ - Michael Schrader und Rico Freimuth sind ratlos und enttäuscht. Ihr bisheriger Ausrüster, der Sportartikel-Konzern Adidas, zeigt Deutschlands besten Zehnkämpfern die kalte Schulter und hat sich als Sponsor zurückgezogen. „Was soll man denn noch anderes anbieten als Top-Resultate?“, fragt Rico Freimuth, der letztes Jahr bei der WM in Moskau den siebten Platz belegt und 2012 bei den Sommerspielen in London als Sechster und bester Deutscher geglänzt hatte. Schrader war in Russlands Hauptstadt mit Silber wie Phönix aus der Asche gestiegen. Bei der Wahl zu Deutschlands Leichtathleten des Jahres 2013 wurde das großartige Comeback des Wahl-Hallensers mit dem dritten Rang honoriert. In NRW wählte man den eigentlichen Duisburger zum Sportler des Jahres. Freimuth wurde gerade als bester Athlet 2013 in Halle ...

Von Christoph Karpe 23.01.2014, 21:55

Michael Schrader und Rico Freimuth sind ratlos und enttäuscht. Ihr bisheriger Ausrüster, der Sportartikel-Konzern Adidas, zeigt Deutschlands besten Zehnkämpfern die kalte Schulter und hat sich als Sponsor zurückgezogen. „Was soll man denn noch anderes anbieten als Top-Resultate?“, fragt Rico Freimuth, der letztes Jahr bei der WM in Moskau den siebten Platz belegt und 2012 bei den Sommerspielen in London als Sechster und bester Deutscher geglänzt hatte. Schrader war in Russlands Hauptstadt mit Silber wie Phönix aus der Asche gestiegen. Bei der Wahl zu Deutschlands Leichtathleten des Jahres 2013 wurde das großartige Comeback des Wahl-Hallensers mit dem dritten Rang honoriert. In NRW wählte man den eigentlichen Duisburger zum Sportler des Jahres. Freimuth wurde gerade als bester Athlet 2013 in Halle geehrt.

Schön und gut. Ausgezahlt - im wahrsten Sinne des Wortes - haben sich die großartigen Ergebnisse allerdings nicht. „Ich habe derzeit keinen einzigen echten Sponsor“, sagt Rico Freimuth über die Konsequenz des Ausstiegs des Konzerns mit den drei Streifen und anderer gescheiterter Gespräche. „Natürlich komme ich nach wie vor über die Runden“, so der Sportsoldat. Er verweist neben der Bundeswehr auf Unterstützer wie die Sporthilfe, die Stiftung Sport, seinen neuen Verein SV Halle und Landesfördermittel. „Das ist alles prima und dafür bin ich dankbar, aber Stand jetzt wird nach der sportlichen Karriere nichts auf meinem Konto sein.“ Sein Fazit: „Mehrkämpfer zu werden, hier Top-Leistungen zu bringen, lohnt sich kaum noch.“

Der Hallenser klingt deprimiert. Und weil es inzwischen auch den Bruch mit seinem Management gab, steht der 25-Jährige gerade vor einem Neustart mit ungewissem Ausgang.

Das offizielle Statement von Adidas zum Fall der Zehnkämpfer bleibt vage: „Die Strategien und Entscheidungen bezüglich der lokalen Sponsoringaktivitäten werden jeweils in den einzelnen Ländern/Märkten von den verantwortlichen Managern getroffen - abhängig von den lokalen Gegebenheiten, Zielen, Athleten und auch Budgets“, heißt es da. Und man könne „keine Auskunft über die jeweiligen Strategien bezüglich Sportsponsoring in den einzelnen Märkten geben“. Nur soviel, dass sich „Adidas insgesamt als globale Marke nicht aus dem Zehnkampf oder der Leichtathletik im Allgemeinen zurückziehen wird“.

Das hilft den deutschen Zehnkampf-Stars natürlich nicht weiter. „Wahrscheinlich liegt es wirklich am Budget für den deutschen Markt“, vermutet Rico Freimuth. Passend dazu sind ihre Informationen aus den USA. Dort wird sogar der WM-13., Gunnar Nixon, von Adidas unterstützt. Wobei es eine Theorie bleibt, dass der US-Markt im Zweikampf des Ausrüsters mit Nike strategisch interessanter ist als der deutsche.

Nadine Müller, Halles Diskus-Ass und Vierte von Moskau, spürt den Rückzieher von Adidas übrigens nicht. Sie behält den Ausrüster. „Ich hatte rechtzeitig vorgesorgt“, sagt sie, also den Vertrag frühzeitig verlängert.

Während Freimuths Kumpel Michael Schrader mit einem Flugunternehmen einen Sponsor gefunden hat, bleibt für ihn nur die Hoffnung, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten vielleicht noch eine neue Tür öffnet.

Von einer konzentrierten Saisonvorbereitung hält ihn die Misere jedenfalls nicht ab. Am Wochenende startet er bei den offenen Landesmeisterschaften Sachsen-Anhalts. Über 60 Meter Hürden, im Hochsprung, Stabhochsprung und im Kugelstoßen wird er sich in der Brandbergehalle im Wettkampf mit der regionalen Konkurrenz einem Formtest unterziehen.