Zwischen Reiskuchen und Karaoke

Kreativstudio aus Halle: „Spiele sind die Leitmedien des 21. Jahrhunderts“

Die Mitgründerin des Kreativstudios A.MUSE hat einen Verlag für ihr Lieblingsprojekt gefunden - nun ist Binh Minh Herbst auch noch Professorin.

Von Denny Kleindienst 15.10.2021, 14:30
Binh Minh Herbst, ausgerüstet mit VR-Brille und Controller, im Büro von A.MUSE  im Desginhaus Halle
Binh Minh Herbst, ausgerüstet mit VR-Brille und Controller, im Büro von A.MUSE im Desginhaus Halle (Foto: Denny Kleindienst)

Halle (Saale)/MZ - Das Deutsch-Vietnamesische Haus in Leipzig war der passende Ort für diesen Anlass: Binh Minh Herbst und Christin Marczinzik, die beiden Gründerinnen des halleschen Kreativstudios A.MUSE, feierten dort Ende September den Start der von ihnen entwickelten Musik-App „Songs of Cultures“: einer Anwendung für Smartphones und Tablets, die Kindern fremde Länder über Lieder näherbringt. Der Kinderbuchverlag Horami hat zur App nun interaktive Liederkarten in verschiedenen Sprachen herausgebracht. Diese liebevoll gestalteten Karten kann man zusammen mit der App nutzen. So lassen sich die Lieder auf den Endgeräten abspielen, der Liedtext läuft inklusive Übersetzung auf dem Bildschirm mit - wie bei einer Karaokemaschine. Und während man mit dem Tablet das eigene Wohnzimmer filmt, sieht man auf dem Handy, wie Elefanten und Affen in genau diesem Raum auftauchen, wie plötzlich ein Fluss über den heimischen Fußboden verläuft.

„Augmented Reality“ (zu Deutsch: erweiterte Realität) nennt man diese Technik. Sie ist ein großer Spaß. Doch Binh Minh Herbst geht es um mehr. „Spiele sind die Leitmedien des 21. Jahrhunderts“, sagt sie. Ihre Vision ist es, sie sinnvoll zu nutzen. Kinder sollen beim Spielen noch etwas lernen. Im Falle der „Songs of Cultures“ die Kultur anderer Länder.

„Uns war wichtig, dass es authentisch ist“

So sind bei den vietnamesischen Liedern Reiskuchen und Rikschas zu sehen, die typisch sind für das asiatische Land. „Uns war wichtig, dass es authentisch ist“, sagt Binh Minh Herbst. Einige der Lieder hat die 33-Jährige selbst eingesungen, hat auch Vokabeln eingesprochen und noch vieles mehr getan. „Ich hatte viele Hüte auf“, sagt sie über ihre Rolle bei der Entwicklung. Die App ist ihr Herzensprojekt. Und nicht zuletzt ein Hilfsmittel, um auch ihrer Tochter Mira die eigenen Wurzeln zu zeigen.

Binh Minh Herbst ist in Vietnam geboren. Als sie vier Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Deutschland und sie lebte bei ihrer Oma. Mit sieben Jahren holten ihre Eltern sie nach. Binh Minh, die inzwischen in Halle heimisch ist, wuchs in Leipzig auf. „Meine Eltern haben hart gearbeitet, waren Marktverkäufer.“ Wenn sie umzogen, dann immer neben eine Schule, damit sie allein dort hin gehen konnte. Binh Minh sagt auch, dass Vietnamesen gerne sehen, dass ihre Kinder Karriere als Ärzte oder Anwälte machen. Weil dies als „etwas Anständiges“ gilt. Sie selbst hat zunächst Wirtschaftsmathe studiert, allerdings gemerkt, dass das nichts für sie ist. Sie hörte auf ihr Herz und studierte stattdessen an der Burg in Halle Multimedia und Virtual-Reality-Design. „Verrückte und ungewöhnliche Dinge lagen mir schon immer.“ Auf Jobs im Silicon Valley folgte 2019 die Gründung der Kreativstudio A.MUSE. Seit Kurzem ist Binh Minh Herbst auch Professorin für Immersive Medien/Fachgebiet „Game Art und Design“ an der Hochschule in Essen. Menschen Wissen zu vermitteln, erklärt sie, das wollte sie immer schon.

Die Liederkarten können auf der Homepage www.horami.de bestellt werden.