Jobcenter zahlt den Lohn

Jobcenter zahlt den Lohn: Hier bekommen Langzeitsarbeitslose eine neue Chance

Halle (Saale) - Nicole Schröder schiebt die große Palette zum Kühlregal. Sorgfältig sortiert sie den Frischkäse ein. Das Einräumen von Regalen bei Globus macht Schröder Spaß. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern - 16, 8 und 7 Jahre - ist aber vor allem froh, mit Hilfe des Jobcenters wieder eine Arbeit gefunden zu haben. „Als mein erstes Kind zur Welt kam, konnte ich nicht mehr in Schichten arbeiten“, sagt Schröder. Den Job in der Bäckerei musste sie aufgeben. Die folgenden Jahre kümmerte sie sich um die Kinder und den Haushalt. Ihren Beruf als Zierpflanzengärtnerin hat sie nie wieder ...

Von Tanja Goldbecher 03.02.2019, 08:00

Nicole Schröder schiebt die große Palette zum Kühlregal. Sorgfältig sortiert sie den Frischkäse ein. Das Einräumen von Regalen bei Globus macht Schröder Spaß. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern - 16, 8 und 7 Jahre - ist aber vor allem froh, mit Hilfe des Jobcenters wieder eine Arbeit gefunden zu haben. „Als mein erstes Kind zur Welt kam, konnte ich nicht mehr in Schichten arbeiten“, sagt Schröder. Den Job in der Bäckerei musste sie aufgeben. Die folgenden Jahre kümmerte sie sich um die Kinder und den Haushalt. Ihren Beruf als Zierpflanzengärtnerin hat sie nie wieder ausgeübt.

Früher hätte sie auch die Arbeit bei Globus nicht aufnehmen können. Schichtbeginn ist 5 Uhr morgens, zu der Zeit ist noch kein Frühhort geöffnet. Doch bei Globus hat ein Umdenken stattgefunden. „Wir haben gemerkt, dass wir uns mehr auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einstellen müssen“, sagt Geschäftsführer René Klauer. Einige Kollegen beginnen immer noch um 5 Uhr mit der Schichtarbeit, Nicole Schröder zum Beispiel erst um 8 Uhr.

Gesetzesnovelle: Jobcenter finanziert lieber Arbeitsplatz als Nichtsstun

Den Ausstieg aus der Langzeitarbeitslosigkeit hat ihr aber auch ein neues Gesetz ermöglicht, das seit Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist. Mit dem Teilhabechancengesetz kann das Jobcenter komplett oder anteilig die Lohnkosten von Unternehmen übernehmen, die einen Langzeitarbeitslosen wieder beschäftigen. Diese Förderung läuft bis zu fünf Jahre. „Wir können es uns nicht leisten, das Potenzial der Langzeitarbeitslosen nicht zu nutzen, bei der derzeitigen positiven Arbeitsmarktlage“, sagt Jan Kaltofen, Geschäftsführer des Jobcenters Halle.

Daher finanziere man lieber einen Arbeitsplatz als das Nichtstun. Außerdem müsse der Aufwand der Unternehmen honoriert werden. Bis zu 400 solcher geförderter Arbeitsplätze will das Jobcenter bis zum Jahresende in der Stadt schaffen. Interesse von Unternehmen gebe es laut Kaltofen genug.

Globus hat durch das Gesetz 13 neue Mitarbeiter eingestellt

Globus hat sogleich die Chance ergriffen und rund 30 Langzeitarbeitslose zu einem Bewerbertag eingeladen. 19 Personen wurde angeboten, ein 14-tägiges Praktikum in dem Markt zu absolvieren. „Man merkt sehr schnell, wer wirklich arbeiten will. Und denjenigen geben wir auch eine Chance“, sagt Personalerin Cornelia Kindler. Auf körperliche Einschränkungen könne Rücksicht genommen werden. Pünktlichkeit und Interesse an der Arbeit sei dem Unternehmen hingegen sehr wichtig. 13 Menschen konnten daraufhin auf Grundlage der Gesetzesnovelle eingestellt werden. Nicole Schröder ist eine von ihnen. Eine weitere Person soll demnächst eingearbeitet werden.

Globus-Geschäftsleiter Klauer betont, dass es das Ziel des Unternehmens sei, die befristeten Verträge zu entfristen und die Arbeitskräfte dauerhaft zu halten. Auch der perspektivische Umzug vom halleschen Einkaufspark an die Dieselstraße ändere daran nichts.

Im Gegenteil: Dort will Globus einen neuen Markt bauen und die Mitarbeiterzahl von rund 280 auf 350 aufstocken. Vom Stadtrat gab es für das Bauprojekt bereits grünes Licht. Doch die Landesregierung und die Konkurrenz-Märkte üben massive Kritik am Vorhaben. (mz)