Baubeginn Anfang 2019?

Baubeginn Anfang 2019?: Globus rechnet mit Zusage für Dieselstraße

Halle (Saale) - Das Warenhaus will vom HEP an die Dieselstraße ziehen. Obwohl das Land dagegen ist, zeigt sich die Geschäftsleitung beim Nachbarschaftsfest zuversichtlich.

Von Tanja Goldbecher 29.10.2018, 08:01

Pilar Funken erledigt seit über 20 Jahren ihre Einkäufe im Globus. Sie ist sozusagen das Musterbeispiel einer Stammkundin. Natürlich ist sie am Samstagnachmittag auch dabei, als das Warenhaus seinen zukünftigen Standort an der Dieselstraße vorstellt. „Ich finde es klasse, wenn Globus an diesen Ort umzieht“, sagt Funken. Denn wenn sie nicht mehr mit dem Auto ihre Einkäufe erledigen will, kann sie die Tram oder den Bus dorthin nehmen.

Eine bessere Anbindung - das ist auch einer der Gründe, warum Globus seinen derzeitigen Standort im Halleschen Einkaufspark (HEP) aufgeben will. Das Gelände an der Dieselstraße Ecke Zeppelinstraße ist besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. „Viele unserer Kunden kommen zwar heute noch mit dem Auto, aber wir müssen uns auch auf den Wandel in der Zukunft einstellen“, sagt Globus-Geschäftsleiter René Klauer. Doch bis zur geplanten Eröffnung im Juni 2020 ist es noch ein steiniger Weg.

Noch keine rechtliche Enscheidung zum Umzug von Globus

Denn die Stadtverwaltung unterstützt zwar die Umzugspläne. Doch Konkurrenten von Globus und das Land Sachsen-Anhalt sind dagegen. Demnach würde Globus mit einem neuen, separaten Standort gegen die Ziele des Landesentwicklungsplans verstoßen und den Innenstadthandel erheblich schwächen.

Für die Neuansiedlung von Globus in der Dieselstraße müssten der Flächennutzungsplan geändert und ein vorhabenbezogener B-Plan aufgestellt werden.

Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einem Abwägungsbeschluss über die eingegangenen Stellungnahmen und will eine Beschlussvorlage für den Stadtrat vorlegen. Das Problem ist das Land Sachsen-Anhalt. Es verbietet den Umzug von Globus, weil er gegen die Ziele des Landesentwicklungsplans verstoßen würde, wie es aus Magdeburg heißt.

Die rechtliche Bewertung dieses Votums durch die Stadt läuft noch. Mit einer Verkaufsfläche von 9.860 Quadratmetern, genutzt von Globus und weiteren Mietern, wäre der neue Standort aus Sicht des Landes so stark, dass es erhebliche Auswirkungen auf andere Versorgungszentren geben würde, sagt ein Gutachten.

Auf einem Nachbarschaftsfest am Samstag, 27. Oktober, will Globus von 10 bis 16 Uhr am alten Baumarkt in der Dieselstraße mit Anwohnern ins Gespräch kommen.

Ähnliche Debatten gab es bereits, als HEP angekündigt hat, seine Verkaufsfläche anzupassen und neue Mieter anzusiedeln. Im Planungsausschuss hatten Stadträte kritisiert, dass das Einkaufszentrum die Einzelhändler im Stadtzentrum gefährdet. Zum Fall Globus und dem Veto der Landesregierung steht noch eine rechtliche Bewertung aus.

Trotz Verbot: Globus will im März 2019 mit Bauarbeiten beginnen

„Ich kann nicht verstehen, warum die Landesregierung in Magdeburg da ein Mitspracherecht hat“, sagt Pilar Funken. Das sieht die Globus-Geschäftsführung offenbar genauso. Denn seit vier Monaten laufen bereits die Abrissarbeiten auf dem 90.000 Quadratmeter großen Grundstück. Der ehemalige Hela-Baumarkt wurde 1994 eröffnet und 20 Jahre später geschlossen. Seitdem ist das Gebäude verwaist gewesen und soll bis Ende des Jahres von der Bildfläche verschwunden sein.

Danach wartet Globus auf einen Bebauungsplan der Stadt, so dass die Bauarbeiten spätestens im März 2019 beginnen könnten. Für die Neuansiedlung muss der Flächennutzungsplan geändert und ein vorhabenbezogener B-Plan aufgestellt werden. Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einem Abwägungsbeschluss über die eingegangenen Stellungnahmen und will eine Beschlussvorlage für den Stadtrat vorlegen.

350 neue Jobs in Halle: Globus glaubt an eine Zusage vom Land

Globus hat die entsprechenden Ausschreibungen für Baufirmen bereits vorbereitet. Rund 40 Million Euro will das Unternehmen nach eigenen Angaben in den neuen Standort investieren. 350 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit der Stadt und dem Land eine Lösung finden werden“, sagt Geschäftsleiter Klauer.

Dem Familienunternehmen aus dem Saarland gehe es darum, die Qualität des Einzelhandels in Halle zu steigern. Eine Konkurrenz für die Innenstadt sieht Klauer nicht: Denn Globus sei auf Nahrungsmittel, zum Teil aus eigener Produktion, spezialisiert.

Globus verhandelt mit der Havag um bessere Anbindung

Auf einer Verkaufsfläche von 9.860 Quadratmetern sollen Lebensmittel angeboten sowie eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein eigenes Restaurant aufgebaut werden. Teil des Konzeptes ist es, Glaswände zu errichten, so dass die Kunden direkt einen Blick auf die Lebensmittelproduktion werfen können.

Geplant sind zudem eine riesige Photovoltaikanlage, ein begrüntes Gebäudedach und eine Ladestation für Elektroautos und -fahrräder. Im Moment verhandele Globus mit der Havag, um den Nahverkehr an den neuen Standort anzupassen.

Einem älteren Ehepaar, das in der Nachbarschaft der Dieselstraße wohnt, kommt das gerade recht. „Wir haben schon vor einiger Zeit unser Auto abgegeben“, sagt die 73-jährige Hallenserin. Ihr gefalle es, dass in die Industriebrache wieder Leben einkehrt. „Ich finde es gut, dass dort mit Bäcker und Fleischer alles an einem Ort ist“, sagt sie. Gerade im Alter würden solche Erleichterungen immer wichtiger werden. (mz)