Transparente Lieferketten

Hersteller aus Halle verrät: Wo genau kommen die Zitronen her?

Ein Start-up aus Halle macht transparent, woher es seine Zutaten bezieht. Und zwar für jede einzelne Flasche seines Geschmackswassers.

Von Denny Kleindienst 23.06.2022, 18:08
Jenny Müller ist Gründerin der Frischemanufaktur, die das sogenannte Lieblingswasser herstellt.
Jenny Müller ist Gründerin der Frischemanufaktur, die das sogenannte Lieblingswasser herstellt. Carolin Krekow

Halle (Saale)/MZ - Im Grunde ist auf den ersten Blick zu sehen, was in einer Flasche Lieblingswasser - so heißt das Wasser mit Kräutern und Früchten, welches das hallesche Start-up namens Frischemanufaktur herstellt - drin ist. Schließlich schwimmen Zitrone und Thymian oder Brombeere und Zitronengras in der Flasche. Das Unternehmen zeigt Verbrauchern seit Neuestem allerdings auch, woher die Zitronenstücke oder der Thymian-Ast im Wasser kommt.

Dazu muss nur das Haltbarkeitsdatum von der Flasche auf der Homepage des Unternehmens eingegeben werden. „Die Kunden bekommen dann für genau ihre Flasche die Herkunft der Zutaten ausgegeben“, sagt Jenny Müller, die Gründerin des Getränke-Start-ups. Sie erklärt, dass im Sommer die Kräuter weitgehend aus Deutschland kämen und auch die Früchte in Deutschland und Europa angebaut werden könnten. „Aber Zitronengras wächst nun einmal einfach nicht in Europa, das müssen wir aus Thailand nehmen.“

Das Prinzip ist einfach

Seit einigen Monaten werden die Wässer in verschiedenen Geschmacksrichtungen nicht mehr in Halle, sondern am neuen Produktionsstandort in Beuna hergestellt. Jede Woche werde frisch produziert, so Müller. Die Herkunft der Zutaten wechsle dabei alle zwei bis drei Wochen. Gerade etwa kämen Zitronen und Orangen aus Spanien, ein anderes Mal aus Italien. Was dem Unternehmen bei seiner Transparenzoffensive vermutlich zugutekommt: Es gibt lediglich elf Zutaten für die insgesamt fünf verschiedenen Sorten Lieblingswasser.

Doch warum ist das der Frischemanufaktur überhaupt wichtig? Laut Jenny Müller wollen ihrer Kunden genau das wissen: „Wir werden oft gefragt, wo die Sachen herkommen.“

Start-ups sind Vorreiter

Was diese Transparenz betrifft, sieht sie kleinere Start-up-Unternehmen wie ihres auch als Vorreiter. Die Gründerin, die zudem Landessprecherin des Start-up-Verbandes Sachsen-Anhalt ist, nennt die Firma Hülsenreich als weiteres Beispiel, welches in der Vergangenheit öffentlich machte, welcher Landwirt deren Kichererbsen anbaut. Hülsenreich ist inzwischen von Halle nach Leipzig umgezogen.

Die Frage, woher Zutaten kommen, stellt sich indes auch mit Blick auf fehlende Waren in Krisenzeiten. Früchte sind dabei offenbar weniger das Problem für Jenny Müller. Sie sagt aber: „Ein großes Thema derzeit ist Glas.“ Das Gute sei: Die typischen Milchflaschen, die für das Lieblingswasser verwendet werden, seien als systemrelevant eingestuft worden. „Daher kriegen wir die immer.“