Heinz Beberniß - der große Zufriedene

Halle/MZ. - Ja, es gibt ihn noch. Auch wenn seine Heimatstadt Halle den Künstler inzwischen fast vergessen zu haben scheint. Dafür genießt Heinz Beberniß jene Anerkennung, die ihm - wie vielen anderen DDR-Künstlern - nach '89 abrupt abhanden kam, inzwischen wieder von nah und ...

Von Detlef Färber 17.06.2005, 19:06

Ja, es gibt ihn noch. Auch wenn seine Heimatstadt Halle den Künstler inzwischen fast vergessen zu haben scheint. Dafür genießt Heinz Beberniß jene Anerkennung, die ihm - wie vielen anderen DDR-Künstlern - nach '89 abrupt abhanden kam, inzwischen wieder von nah und fern.

Wo seine Figuren in Halle meist in Magazinen schlummern, werden etliche andernorts restauriert oder neu platziert. In Leuna, wo auch heute noch Beberniß-Arbeiten in Fülle stehen, wurde gerade sein wunderbarer "Medizinerbrunnen" aufwändig wieder hergerichtet.

Interessenten und Käufer kommen inzwischen verstärkt aus dem Westen. Sie kommen fast von alleine. "Dass man sich immer anbieten muss, das kannten wir hier nicht", sagt der Künstler wie als Entschuldigung dafür, dass er das nun auch nicht mehr lernen mag. Dennoch gibt es jetzt seit langem mal wieder eine eigene Ausstellung von ihm in Halle. Am Samstag beginnt sie bei Stelzer und Zaglmaier, seinen Galeristen. Gerade hat Beberniß eine schwere, ja lebensbedrohliche Krankheit überstanden, wirkt wieder fit und guter Dinge und bereitet sich auf seinen 85. Geburtstag vor, den er Ende des Monats feiern wird.

Der Künstler sitzt in seinem Garten, lächelt in sich hinein und erinnert so ein bisschen an eine seiner Figuren, die den schönen Titel "Die große Zufriedene" trägt und die erst kürzlich ein Berliner Sammler gekauft hat. Zufriedenheit könnte auch für das Werk des Künstlers ein Schlüsselbegriff sein. Seine Frau beschreibt ihn als einen immer zuversichtlichen, ja fröhlich in sich ruhenden und nie verbitterten Menschen.

Wenn das zutrifft, kann diese Mentalität für seine kreative Arbeit nicht folgenlos geblieben sein. Sie prädestinierte ihn vielleicht auch zu manchen Auftragsarbeiten, deren Thema in unterschiedlichsten Varianten ein staatlich gewünschter Optimismus war. Doch Beberniß ist mit dem Gros seiner Werke ein echter Spross der halleschen Bildhauerschule: Er arbeitet figürlich, realistisch, seine Szenerien haben Dynamik und Dramatik. Die Gesichter strahlen nicht nur Stärke, sondern oft auch Heiterkeit und Gelassenheit aus. Manchmal leuchten sie - wie von innen her.

Beberniß hat auch einen ironischen Blick auf seinen Beruf. Gemalt hat er einen Bildhauer, der nach einem Aktmodell modelliert und dabei - ins Herz blickend - eine Ziege formt. Auch auf seine Karriere schaut er längst heiter und gelassen zurück. Wo andere ihre Trophäen und Preise wie in Heiligenschreinen präsentieren, kriegen Besucher von Heinz Beberniß seine nur schwer zu sehen. Denn der Künstler hat sie direkt hinter die Eingangstür seines Hauses gehängt. Und wenn der Hausherr die Tür öffnet und jemanden einlässt, sind die Insignien seines Ruhms erstmal verschwunden.

Ausstellung Galerie Stelzer und Zaglmaier (Große Steinstraße 57) - bis 5. August. Vernissage: heute um 15 Uhr.