Halle

Halle: «Seeteufel» könnte bald auf große Fahrt gehen

HALLE/MZ. - Auf dem "Seeteufel", dem letzten Schiff des legendären Felix Graf von Luckner (1881-1966), könnte es bald wieder "Schiff ahoi" heißen. Nachdem die Segelyacht jahrelang in Petersburg vor sich hin rostete und kurz vor der Verschrottung stand (die MZ berichtete), gibt es nun berechtigte Hoffnung, dass der Zweimastschoner, 1912 erbaut, wieder auf große Fahrt gehen kann. "Wir hoffen, dass das Schiff im August nächsten Jahres zur Hanse-Sail nach Rostock kommt",sagte Matthias J. Maurer, Präsident der Luckner-Gesellschaft mit Sitz in ...

Von HEIDI POHLE 17.02.2010, 20:54

Auf dem "Seeteufel", dem letzten Schiff des legendären Felix Graf von Luckner (1881-1966), könnte es bald wieder "Schiff ahoi" heißen. Nachdem die Segelyacht jahrelang in Petersburg vor sich hin rostete und kurz vor der Verschrottung stand (die MZ berichtete), gibt es nun berechtigte Hoffnung, dass der Zweimastschoner, 1912 erbaut, wieder auf große Fahrt gehen kann. "Wir hoffen, dass das Schiff im August nächsten Jahres zur Hanse-Sail nach Rostock kommt",sagte Matthias J. Maurer, Präsident der Luckner-Gesellschaft mit Sitz in Halle.

Denn der Besitzer habe den Rumpf des historisch wertvollen "Seeteufels" instand setzen lassen: "Das Schiff schwimmt schon wieder." Das belegen unter anderem Fotos. Nun fehle noch der originalgetreue Aufbau sowie die Innenausstattung.

Die Hochsee-Segelyacht hat eine bewegte Geschichte. Mit ihr ging Luckner zwischen 1937 und 1939 als Kapitän auf eine abenteuerliche Reise, die ihn mit seiner Frau und zwölf Mann Besatzung rund 30 000 Seemeilen bis nach Australien und Neuseeland führte. Und zwar im Auftrag großer deutscher Konzerne, für die er werben sollte. Nach dem Krieg nahm die Rote Armee die 40-Meter-Yacht als Beute mit. In Russland diente sie unter dem Namen "Nadeshda" (Hoffnung) bis in die 80er Jahre als Schulschiff.

Vor rund fünf Jahren erkannte der Meeresforscher Hans Hass, der den Schoner 1939 Luckner abgekauft hatte, das 140- Tonnen-Stahlschiff wieder und informierte die Luckner-Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er inzwischen ist. War anfangs angedacht, das Wrack nach Deutschland zu holen, so stellte sich bald heraus, dass dieses Vorhaben für die Luckner-Gesellschaft finanziell nie und nimmer zu verwirklichen gewesen wäre. Ganz zu schweigen von einer Instandsetzung und späteren Unterhaltung.

Deshalb sei es ein glücklicher Zufall gewesen, so Maurer, dass der heutige Besitzer, ein russischer Geschäftsmann, den ideellen Wert des Schiffes erkannte und die Luckner-Gesellschaft um Unterlagen für den Wiederaufbau bat. "Er hat uns im Sommer auch nach Petersburg eingeladen, damit wir uns vom Fortgang der Arbeiten überzeugen können", erzählt Maurer.

Wie groß das Interesse an dem Schiff des einstigen Seeoffiziers ist, haben er und zwei Mitglieder der Luckner-Gesellschaft - Michael Muchau und Hans Goedecke - gerade erst wieder im Januar erlebt, als sie auf der "Boot" in Düsseldorf eine Woche lang Bilder, Dokumente, Seekarten, Orden und anderes mehr ausstellten. Auf der weltgrößten Sportboot-Messe waren sie Gast des Fördervereins Deutsche Museumswerft, der Schiffe vergangener Epochen präsentierte.

"Über das große Interesse an der Luckner-Yacht haben wir uns sehr gefreut", sagte Maurer. Für die Vereinsmitglieder ginge ein lang gehegter Traum in Erfüllung, wenn die "Seeteufel" wieder auf den Weltmeeren kreuzen würde. "Das Hauptanliegen unserer Gesellschaft ist es ja, die Völkerverständigung zu fördern", erklärte Hans Goedecke. Und in diesem Sinne könnte das Schiff von Graf Luckner unterwegs sein: "Der Eigentümer ist von diesem Plan recht angetan."

Inzwischen gehören der Luckner-Gesellschaft über 220 Mitglieder aus rund 20 Ländern an. Darunter ist ein junger Chinese, der Luckner, wie Michael Muchau erzählte, glühend verehre. Erst kürzlich habe er über ihn einen Beitrag für eine chinesische Marine-Zeitschrift geschrieben. Und da die Gesellschaft im Laufe der Jahre hunderte Dokumente, Bücher, Bilder und Urkunden, zudem Kleidungsstücke, Medaillen und sogar Wrackteile der "Seeadler", eines anderen Schiffs, auf dem Luckner gefahren ist, zusammengetragen hat, wird der Wunsch der Mitglieder nach einem halleschen Museum immer größer. Doch noch ist dafür kein Objekt in Sicht.

Luckner, der ab 1939 in Halle lebte, soll an der Rettung der Stadt am Ende des Zweiten Weltkrieges maßgeblich beteiligt gewesen sein. Er soll zwischen den Hallensern und der 104. Infanterie-Division "Timberwolf" vermittelt haben. Diese Sicht auf die Historie ist jedoch umstritten.