Mach mal lauter!

Halle (Saale): Jacob Hirschfelder baut charakterstarke Boxen für die Welt

Halle (Saale) - Der gelernte Dreher hat sich mit seinen charakterstarken Lautsprechern längst einen Namen gemacht. Ein Stück Idylle findet er am Petersberg.

Von Sandy Schulze 19.03.2017, 11:00

Wenn sich Jacob Hirschfelder etwas in den Kopf gesetzt hat, dann macht er es auch selbst. Das war schon mit der Musik so: „Ich hatte höchstens zwei Gitarrenstunden. Bass spielen hab ich mir selbst beigebracht“.

Der 31-Jährige hat schon in den frühen Tagen des Hühnermanhattan mit angepackt und aus der Not heraus - weil Bauteile nicht ewig leben und repariert werden müssen - kam er von der Musik Schritt für Schritt zum Boxenbau.

Hallenser hat sich mit seinen Lautsprecherboxen weltweit einen Namen gemacht

Und dass sich seine Arbeit hören lassen kann, hat sich nicht nur in Halle herumgesprochen, wo seine Boxen zum Beispiel auch im „Zwei Zimmer, Küche, Bar“ am Reileck stehen. Spätestens nach zwei Tests im Magazin „Gitarre und Bass“ hat sich Jacob Hirschfelder auch deutschlandweit einen Namen gemacht.

Anfragen kommen mittlerweile auch aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Um sich sein intensives Wissen anzueignen, griff der gebürtige Hallenser zu Büchern aus der Unibibliothek und recherchierte lange im Internet.

Vor fünf Jahren ging er den Weg in die Selbstständigkeit. „Heute denke ich, dass es damals vielleicht noch zu früh war. Andererseits: Wer weiß, möglicherweise wäre sonst alles ganz anders gekommen.“

Etwa drei Jahre hat es gedauert, bis die Marke so wahrgenommen wurde, dass regelmäßig Aufträge eingingen: „Seit etwa zwei Jahren ist die Arbeit finanziell tragbar,“ sagt er.

Jacob Hirschfelder aus Halle setzt auf bunte Lautsprecherboxen mit Charakter

Jacob Hirschfelder konzentriert sich hauptsächlich auf Instrumentenboxen für Gitarre und Bass: „Dem Preiskampf auf dem Beschallungsanlagen-Markt möchte ich mich nicht aussetzen.“

Und es gibt einen weiteren, ästhetischen Grund: Schwarze Boxen fertigt er auf Wunsch zwar auch an, aber lieber arbeitet er mit auffälligen Frontstoffen, gern auch mit knalligen Farben und wilden Mustern. Dafür verwendet Jacob Hirschfelder Stoffe, die aus aller Welt importiert werden, aus Afrika und Indien zum Beispiel. Außerdem gibt es eine Auswahl an verschiedenen Kunstledern und farbliche Variationsmöglichkeiten für die Kantschienen.

Pro Jahr stellt er etwa 20 bis 50 Boxen fertig. Wichtig ist dabei vor allem, dass sie Charakter und einen Eigenklang haben - und Jacob Hirschfelder arbeitet lieber einmal länger, als an der Qualität zu sparen: „Vor allem will ich Leuten kreative Freiheit geben und helfen, gute Musik zu machen.“

Musik bestimmt sein Leben: Hallenser mischt im Hühnermanhattan-Klub den Ton ab

Neben der Arbeit macht Jacob Hirschfelder selbst Musik, mischt im Hühnermanhattan-Klub den Ton ab, hört psychedelischen Rock. Es gibt aber auch die leisere Seite: Das alte Gutshaus am Petersberg, mit den dicken Lehmwänden und dem Garten, das er sich gemeinsam mit einem Freund günstig gekauft hat und gerade ausbaut: „Ich mag die Ruhe dort“, sagt Jacob Hirschfelder.

Auf die Idee, sich hier ein Stück Idylle aufzubauen, kam er durch seinen Vater, den Metallgestalter und Bildhauer Andreas Freyer, der in der entweihten Dorfkirche in Kaltenmark sein Atelier hat.

In das alte Gutshaus ist Jacob Hirschfelder kürzlich auch mit seiner Werkstatt umgezogen. Und so scheint er perfekt gerüstet für jede Tonlage. Mal krachen lassen im Klub, mal leise Momente im Garten. Einem Ort jedenfalls fühlt er sich besonders verbunden: „Das Hühnermanhattan ist wie eine kleine Insel in der Stadt.“ (mz)