Pläne der GWG

Halle (Saale): GWG baut ehemalige Diesterweg-Schule zu Wohnhaus um

Halle - In der Aula entsteht ein Turmzimmer, das alte Lehrerzimmer wird eine Drei-Raum-Wohnung, in die ehemaligen Essensräume kommt eine Sauna: Die GWG „Eigene Scholle“ baut die ehemalige Diesterwegschule - Hausnummer 37 - um.

Von Julia Rau

In der Aula entsteht ein Turmzimmer, das alte Lehrerzimmer wird eine Drei-Raum-Wohnung, in die ehemaligen Essensräume kommt eine Sauna: Die GWG „Eigene Scholle“ baut die ehemalige Diesterwegschule - Hausnummer 37 - um.

Bis 2021 sollen in der ehemaligen Grundschule 19 Wohnungen entstehen. Der Umbau ist Teil des „größten Bauvorhabens der GWG Eigene Scholle, die Investitionssumme beträgt 14 Millionen Euro“, wie Markus Tautz vom Vorstand erklärt. Neben der Schule gehören noch fünf Neubauten mit insgesamt 4.200 Quadratmetern Wohnfläche für 57 Wohnungen dazu.

Im alten Pausenhof der Diesterweg-Schule entsteht ein riesiges Loch für die Tiefgarage

Derzeit finden die Bauarbeiten noch unter der Rasenkante statt. Nachdem die ehemalige Turnhalle abgerissen wurde, hoben Bagger dort, wo einmal Pausenhof samt Aschebahn und Schulgarten waren, ein gigantisches Loch für die Tiefgarage mit 58 Stellplätzen aus.

Die soll bis Mai dieses Jahr fertiggestellt werden, danach folgen die Neubauten. Eins nach dem anderen entsteht an der Seite zum Rockendorfer Weg. Damit waren vor Baustart nicht alle Anwohner einverstanden.

Bürgerinitiative scheiterte mit Kritik an Umbau der Diesterweg-Schule

Eine Bürgerinitiative formierte sich, zog sogar gegen die Wohnungsgenossenschaft vor Gericht. Die Bürger bemängelten unter anderem, die neuen Gebäude würden Nachbarhäuser in Dauerschatten stellen und, dass die GWG zu wenige Stellplätze für die Neumieter vorhalte. Die allerdings hält sich an die Normen der Stadt. Die Bürgerinitiative scheiterte.

Das erste Haus soll nach Plan Ende 2018 fertig werden, das letzte bis Ende 2019 stehen. „Anmeldungen gibt es sogar schon“, so Tautz.

Kindergarten, Hort und Schule müssen 2019 umziehen.

Die alte Schule ist als letztes an der Reihe. Der Umbau beginnt dort im Herbst 2019 und wird voraussichtlich bis 2021 dauern.

Zurzeit ist die alte Schule an die freie Bildungseinrichtung Riesenklein vermietet. Kindergarten, Hort und Schule müssen 2019 umziehen. „Die wissen schon lange Bescheid, dass sie 2019 ausziehen müssen“, sagt Tautz, das sei von Anfang an so abgesprochen gewesen. Er betont, Riesenklein als Mieter sehr zu schätzen, aber das Projekt sei schon länger geplant gewesen.

Die Diesterwegschule ist fast hundert Jahre alt und wird bald komplett saniert.

Die Schule wurde am 12. August 1930 eröffnet. Sie bekommt den Namen des Pädagogen Friedrich Adolph Diesterweg benannt. Architekt war Wolfgang Bornemann unter dem Stadtbaurat Wilhelm Jost.

Zu DDR-Zeiten war die Schule zeitweise Polytechnische Oberschule (POS), später Erweiterte Oberschule (EOS).

2003 wurde die Diesterwegschule geschlossen. Sie wurde mit dem Gymnasium Südstadt zusammengelegt. Dies war laut Stadt nötig, weil es zu wenige Schüler gab, um den Bestand der damals vier Gymnasien in der Südstadt zu sichern. Zuletzt wurden 106 Schüler im Diesterweg unterrichtet.

2003 bis 2011 hatte die VHS ihren Sitz in der Schule, zog später in ein neu saniertes Gebäude in die Oleariusstraße.

2012 kaufte die GWG eigene Scholle das Gebäude, noch im selben Jahr zog Riesenklein ein. (jmr)

„Wir sind gerade in Verhandlungen für einen neuen Standort, der soll größer werden, als die alte Schule, denn wir wachsen noch“, sagt Nicole Nun-Siebert von Riesenklein. 230 Kinder vom Krippenalter bis zum Schulabschluss seien derzeit in der Einrichtung angemeldet.

Charakter der Diesterweg-Schule in Halle (Schule) soll erhalten bleiben.

Nach dem Umbau, so das Vorstandsmitglied, werde der Charakter der Schule erhalten bleiben. Wer einen Schritt aus der Wohnungstür setzt, wird wie zu Schulzeiten nach dem Klingeln auf einen langen Flur treten.

Da wo Klasse 4a und 3b nebeneinander gebüffelt haben, könnten dann Herr Müller und Frau Schmidt in Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen Tür an Tür wohnen.

Alle Wohnungen, auch die in den Neubauten, werden laut Tautz vermietet, nicht verkauft. Insgesamt werden in der ehemaligen Schule 1.565 Quadratmeter Wohnfläche frei.

Die GWG Eigene Scholle zieht selbst auch mit in die Schule und vermietet die alte Hausmeisterwohnung an eine Tagesmutter.

Da die Schule denkmalgeschützt ist, wird man sie nach der Sanierung noch wiedererkennen können. Die Fassade zur Straße dürfe kaum optisch verändert werden. Die auffälligen Türbögen blieben ebenfalls bestehen. Tautz möchte außerdem Relikte, wie etwa die alte Schulklingel erhalten. (mz)