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Gewalt in Halle eskaliertGewalt in Halle eskaliert: Identitäre mit "Vopo"-Helm und Schild

Von Oliver Müller-Lorey 22.11.2017, 10:48
Fahrzeuge der Polizei vor dem Haus der Identitären Bewegung in Halle.
Fahrzeuge der Polizei vor dem Haus der Identitären Bewegung in Halle. imago stock&people

Halle (Saale) - Es ist ein verregneter Montagabend kurz nach 23 Uhr, als Anwohner rund um die Adam-Kuckhoff-Straße klirrende Flaschen und Geschrei hören. Einige können sich denken, woher der Lärm kommt, und schauen zu, was sich vor Hausnummer 16, dem Haus der rechten „Identitären Bewegung“ (IB) abspielt: Flaschen fliegen, die Polizei spricht später von „Pöbeleien und gegenseitigen Flaschenwürfen“.

Dann wird es kurios - und gefährlich. Die beschmierte Haustür von Nummer 16 öffnet sich und zwei Männer in DDR-Volkspolizei-Aufzug treten auf die Straße. Ihre Gesichter sind maskiert, in den Händen halten sie Baseballschläger und Schutzschilde. Auf dem Kopf tragen sie Helme.

Ausgemusterte Helme der „Vopo“ für rund 20 Euro legal im Internet zu haben

„Nach vorliegenden Erkenntnissen handelt es sich dabei um Ausrüstungsgegenstände, welche zu DDR-Zeiten zum Einsatz kamen“, sagt Polizeisprecher Ralf Karlstedt. Tatsächlich sind ausgemusterte Helme der „Vopo“ für rund 20 Euro legal im Internet zu haben.

Mit ihrer martialischen Ausrüstung stürmen die Männer auf den Steintorcampus. Doch statt der Flaschenwerfer treffen sie auf zwei Zivilpolizisten. Die geben sich laut Karlstedt auch als Polizisten zu erkennen - und bekommen dennoch eine Ladung Pfefferspray von einem der beiden Männer ins Gesicht.

AfD-Abgeordneter Tillschneider: Hausbewohner haben nur von ihrem „Notwehrrecht“ Gebrauch gemacht

Für den AfD-Landtags-Abgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, der sein Wahlkreisbüro in dem Haus der IB hat, nicht mehr als ein Versehen. Aus seiner Sicht hätten die Hausbewohner nur von ihrem „Notwehrrecht“ Gebrauch gemacht.

„Da die Polizei anscheinend nicht in der Lage ist, solche Angriffe effizient zu unterbinden, müssen sich die Bewohner leider selbst zur Wehr setzen“, so Tillschneider, der zur Tat nicht im Haus gewesen sei. „Dass dabei versehentlich zwei vermummte Zivilpolizisten für Angreifer gehalten wurden, ist bedauerlich.“

Angriffe auf das Haus aber auch Angriffe der Bewohner nichts Neues

Für Anwohner sind Angriffe auf das Haus aber auch Angriffe der Bewohner nichts Neues. „Es ist nicht das erste Mal, dass jemand vermummt und mit Schlagstock rauskommt“, sagt ein Anwohner, der anonym bleiben will. Vergangene Woche sei zunächst das Auto eines IB-Bewohners beschädigt worden. Daraufhin seien mehrere Identitäre mit Latten bewaffnet auf die Straße getreten.

„Ich gehe davon aus, dass die Linken bewusst provoziert haben und Montagabend hat es dann geklappt mit der Gewalt“, so der Anwohner. Dabei würden Baseballschläger gerade nicht zu dem Bild passen, das die IB von sich verbreiten will. Ob es tatsächlich Linke waren, die das Haus angriffen, will die Polizei ermitteln.

Protest der Anwohner gegen das Zentrum der Identitären in Halle

Unterdessen geht der Protest der Anwohner gegen das Zentrum weiter. Im Oktober hatten sie sich in einem offenen Brief gegen die IB gestellt. Einer von ihnen ist Sachsen-Anhalts Ex-Sozialminister Norbert Bischoff (SPD). Er sagte am Dienstag, man werde beim Protest weiter friedlich bleiben.

In den kommenden Wochen sollen Zusatztafeln an die Schilder der Adam-Kuckhoff-Straße mit Infos zum Namensgeber angebracht werden - ein Widerstandskämpfer, der von den Nazis ermordet wurde. (mz)

Das Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße war bereits mehrfach Ziel von Angriffen - unter anderem mit Farbbeuteln.
Das Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße war bereits mehrfach Ziel von Angriffen - unter anderem mit Farbbeuteln.
Günter Bauer