Geschäftsidee

Geschäftsidee: Hallenser putzt in Ecuador die Fassaden

HALLE/MZ. - "Hoch oben" heißt seine kleine Baukletterer-Firma in der halleschen Burgstraße. Und "Bien Arriba" nennt sich die ecuadorianische Niederlassung, die der 44-jährige Sohn des früheren Burg-Rektors Ludwig Ehrler im Frühjahr in der auf einer Höhe von mehr als 2 800 Metern liegenden Hauptstadt Quito gegründet hat. Zunächst vier Mitarbeiter sollen mit alpiner Sicherungstechnik, ohne Baugerüst, Fassaden reinigen, in der Höhe montieren und reparieren. Wie aber kommt ein passionierter Rucksacktourist auf die Idee, in den Anden eine Baudienstleistungsfirma ...

Von MICHAEL FALGOWSKI

"Hoch oben" heißt seine kleine Baukletterer-Firma in der halleschen Burgstraße. Und "Bien Arriba" nennt sich die ecuadorianische Niederlassung, die der 44-jährige Sohn des früheren Burg-Rektors Ludwig Ehrler im Frühjahr in der auf einer Höhe von mehr als 2 800 Metern liegenden Hauptstadt Quito gegründet hat. Zunächst vier Mitarbeiter sollen mit alpiner Sicherungstechnik, ohne Baugerüst, Fassaden reinigen, in der Höhe montieren und reparieren. Wie aber kommt ein passionierter Rucksacktourist auf die Idee, in den Anden eine Baudienstleistungsfirma aufzumachen?

"Ich war im Urlaub in Quito im Hilton-Hotel, nur auf der Toilette. An der Rezeption habe ich gesagt, dass die Glasfassade des Gebäudes mal gereinigt werden müsste. Und da haben sie mich gefragt, ob ich jemanden kennen würde, der so was macht", erzählt Ehrler. "Das klingt zwar verrückt. Aber warum sollten wir es nicht einfach probieren? Das finanzielle Risiko ist nicht so arg hoch", macht sich der 44-Jährige Mut für seine Expansionspläne.

Schon seit acht Jahren fliegt der Hallenser jeden Winter für einige Wochen nach Südamerika. Meist allein bereiste er unter anderem Argentinien, Chile, Bolivien und Kolumbien. Am Donnerstag beginnt sein bereits siebenter Flug nach Ecuador. "Das Land gefällt mir einfach sehr. Es hat 6 000 Meter hohe Berge, den Pazifik und Dschungel. Und ich habe dort Freunde gefunden. Ohne die ginge das auch gar nicht mit der Firma." Der Weitgereiste ist nun "El Presidente" der "Bien Arriba Technianclajes & Servicios compania limidada". Sein Geschäftsführer trägt den Titel "General de Junta" und ist übrigens auch ein Hallenser, Raik Ackermann. Der hat einige Jahre den Spätverkauf am halleschen Hauptbahnhof betrieben und unterrichtet heute Deutsch an einer Universität in Ecuador. In einem Café in Quito trafen sich Ackermann und Ehrler vor sechs Jahren zufällig. Ehrler, der nach dem Abitur in der DDR nicht studieren durfte, weil er die Armee verweigerte, besitzt einige Ausbildungsabschlüsse und hatte viele Jobs. Seit einigen Jahren hat er die Baukletterer-Firma. "Hoch oben" hat Beleuchtungen am Post-Tower in Bonn montiert, die Stahlkonstruktion am Kraftwerk Lippendorf gereinigt und am Roten Turm auf Halles Markt in den Seilen gehangen.

Und nun startet in Ecuador "Bien Arriba", was übersetzt "Gut oben" heiße, so Ehrler. Und Aufträge gebe es auch schon: Die Glasfassade eines Ministeriums soll gereinigt werden. Und mit dem Hilton-Hotel in Quito wird gerade verhandelt.