Corona-DemonstrationenFakten oder Fiktionen - wie argumentiert die „Bewegung Halle“?

Bei den montaglichen Demos gegen die Corona-Maßnahmen argumentieren Redner der „Bewegung Halle“ gegen eine Impfpflicht. Welche von ihren Behauptungen sind belastbar, welche nicht?

Von Phillip Kampert 17.01.2022, 13:40
10.01.2022, Halle: Demo gegen die Corona Maßnahmen der Bundesregierung.
10.01.2022, Halle: Demo gegen die Corona Maßnahmen der Bundesregierung. Foto: Silvio Kison

Halle (Saale)/MZ - Auch für diesen Montag ist wieder eine Demonstration der „Bewegung Halle“ angekündigt - auch dieses Mal wird es eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen geben. In diesen Beiträgen präsentieren die Sprecher ihre Positionen oft als faktenbasiert. Der MZ-Faktencheck auf Grundlage der Versammlung von vergangenem Montag zeigt, dass das nicht immer stimmt.

Ein Kernziel der „Bewegung Halle“ ist es, eine Impfpflicht zu verhindern. Ein Redner, der seinen Namen nicht nannte, kategorisierte die Impfpflicht-Frage als vordergründig politisch-gesellschaftliche. Die medizinisch-gesundheitliche Dimension tat er als zweitrangig ab. Eine Priorisierung, die überrascht: Am Tag der Rede - und noch immer - sind die halleschen Krankenhäuser durch die Pandemie gezwungen, auch dringliche Behandlungen einzuschränken. Allerdings: Es gibt keine objektiven Kriterien, was ein Redner priorisieren muss.

Wen schützt eine Impfung?

Als der Sprecher zur gesundheitlichen Ebene kam, sagte er, dass die Überlegungen zur Impfpflicht darauf beruhen, dass Geimpfte nicht nur selber geschützt wären, sondern auch ihr Umfeld schützen würden.

Diese Idee ist begründet, wie Stefan Moritz, Leiter der Abteilung Klinische Infektiologie an der Universitätsmedizin Halle, erklärt: „Wir wissen, dass die Impfung keine hundertprozentige Effektivität besitzt und sich auch vollständig Geimpfte mit dem Corona-Virus infizieren. Allerdings ist das deutlich seltener der Fall als bei Ungeimpften. Zudem ist in den ersten Monaten nach der Impfung die Viruslast bei infizierten Geimpften deutlich niedriger als bei ungeimpften Personen. Daten belegen auch, dass Geimpfte deutlich kürzer eine hohe Viruslast besitzen und damit im Schnitt weniger Menschen anstecken.“ Der Sprecher der „Bewegung Halle“ sagte dagegen, dass Impfdurchbrüche die Idee eines solidarischen Impfschutzes erledigen würden. Das ist angesichts der an der Uniklinik bekannten Daten als unwahr einzustufen.

Kritik am Begriff „Feldversuch“

Weiter kritisierte der Sprecher, dass Kanzler Olaf Scholz (SPD) die weltweit verabreichten Impfdosen als „Feldversuch“ bezeichnet habe. Tatsächlich stammt der Ausspruch aus einem ZDF-Interview mit Saskia Esken (SPD): Man könne sich auf den Impfstoff verlassen, weil er „getestet worden ist, sozusagen in einem großen Feldversuch“. Scholz hatte sich und andere Impfwillige auf einer Wahlkampfrede humoristisch „Versuchskaninchen“ genannt. Bei Esken dagegen war kein Humor zu erkennen. Bis auf die falsche Zuschreibung ist diese Rhetorik-Kritik also faktenbasiert.

Apropos Rhetorik. Die Impfpflicht für Pfleger beschrieb der Redner sachlich so, dass sie Betroffene zu einem ungewollten Eingriff „drängt“. Die falsche Formulierung vom „Zwangseingriff“, die auf Plakaten zu lesen war, wurde auf der Bühne vermieden.