Ein Jahr nach Germanwings-Absturz

Ein Jahr nach Germanwings-Absturz: Stiftung in Gedenken an Juliane Noack spendet Trost

Halle (Saale) - Heute vor genau einem Jahr ist Juliane Noack gestorben. Die 30-jährige Schmuckgestalterin aus Halle saß in dem Flugzeug, das in den französischen Alpen zerschellt ist.

Von Michael Falgowski und Anja Melior

Heute vor genau einem Jahr ist Juliane Noack gestorben. Die 30-jährige Schmuckgestalterin aus Halle saß in dem Flugzeug, das in den französischen Alpen zerschellt ist.

Ein ganz und gar unfassbarer Absturz: Juliane Noack gehörte zu den 150 Menschen, die von dem seelisch kranken Copiloten in den Tod geflogen wurden. Familie und Freunde der jungen Frau haben jetzt damit begonnen, Geld zu sammeln, um eine Juliane-Noack-Stiftung zu gründen, die junge, freischaffende Künstler unterstützen soll. Bislang fließen die Spenden aber eher spärlich.

Kollektives Trauern hilft

Jeden Tag zünden Frank und Jana Noack auf der Terrasse ihres Hauses in Fienstedt im Saalekreis eine Kerze an. Ein Ritual für ihre einzige Tochter Juliane. Die Trauer über den Verlust ist im Laufe des zurückliegenden Jahres nicht geringer geworden, sagt Frank Noack. „Juliane gilt noch immer der mein erster Gedanke am Tag. Und auch der letzte“, sagt der Bauunternehmer. Am Donnerstag, am Jahrestag des Absturzes, ist das Ehepaar Noack in Frankreich, an die Absturzstelle in den französischen Alpen. Nicht zum ersten Mal.

„An diesem Ort fühle ich mich meiner Tochter besonders nahe. Das mag aber jeder Angehöriger anders empfinden.“ Auch andere Verwandte, die Großmutter Julianes, der Onkel, haben sich auf den schweren Weg gemacht. Sie treffen dort Angehörige anderer Opfer. Viele habe man inzwischen kennengelernt, sagt Frank Noack.

Auch Freundschaften seien entstanden. Gemeinsam zu trauern, mache es leichter. „Du musst dich nicht ständig erklären.“ Andere zu treffen, die die gleiche Erfahrung, das gleiche Schicksal teilen würden, das ist für David Nowak der wichtigste Grund, heute an der Absturzstelle in Le Vernet zu sein, dem Ort, in dessen Bergen das Flugzeug zerschellte. „Es gibt andere Orte, an denen ich mich Juliane näher fühle, nämlich da, wo sie gelebt hat“, sagt der Lebensgefährte der jungen Frau. Beide erwarteten damals ein Kind.

Schmerzensgeld soll Stiftung aufbauen

Schon bald nach dem Unglück haben David Nowak, die Eltern und Freunde der jungen Schmuckkünstlerin, die an der Burg Giebichenstein studiert hat, den Plan gefasst, eine Stiftung zu gründen, mit deren Hilfe junge Künstler unterstützt werden sollte. Im November vergangenen Jahres wurde aber zunächst ein Förderverein ins Leben gerufen.

„Eine Stiftung zu gründen, ist nicht so leicht. Wir haben uns lange mit den juristischen Fragen auseinandergesetzt, und vor allem fehlt es an Geld“, sagt David Nowak. Es seien zwar einige Spenden zusammengekommen, aber längst nicht genug. Er habe auch bei der Lufthansa angefragt, wo man sich zumindest positiv geäußert habe. „Aber im Grunde fangen wir jetzt erst richtig an.“

Mit der Gründung des „Fördervereins zum Aufbau einer Juliane Noack Künstlerförderung e.V.“ hat sich der Lebensgefährte von Juliane Noack, David Nowak  vorgenommen, aus dem sinnlosen Absturz der Germanwings Maschine 4U9525, einen neuen Sinn zu schaffen. „Wir wollen ein Andenken an  Juliane schaffen, das nicht nur auf die Vergangenheit blickt sondern in die Zukunft strahlt“, heißt es auf der Homepage der  Künstlerin.

Der Förderverein soll das Grundgerüst der  Stiftung bilden. Er sammelt das nötige Kapital für die Errichtung und ermöglicht mit Spenden, die Arbeit zu beginnen. Er ist die Plattform, die die Bemühungen aller Unterstützer  bündelt  und dadurch neuen Sinn zu schaffen.   Bislang fließen die Spenden aber eher spärlich. Es seien zwar einige Spenden zusammengekommen, aber längst nicht genug. Er habe auch bei der Lufthansa angefragt, wo man sich zumindest positiv geäußert habe. „Aber im Grunde fangen wir jetzt erst richtig an. Eine Stiftung zu gründen, ist nicht so leicht. Wir haben uns lange mit den juristischen Fragen auseinandergesetzt, und vor allem fehlt es an Geld“, sagt David Nowak.“ Irgendwann soll auch die Entschädigungssumme von Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa in den Stiftung fließen. Die 50.000 Euro, die Deutschlands größte Fluggesellschaft  als Soforthilfe an die Angehörigen gezahlt hat, sind bereits für Dinge aufgebraucht, die im Zusammenhang mit dem Umglück stehen, wie Nowak sagt.

Weitere Infos auf der Seite: www.julianenoack.de

In Erinnerung an das Leben von Juliane Noack und der alltäglichen Kämpfe aller jungen Kunstschaffenden will der Verein Künstlerförderung für junge Menschen  anregen, initiieren und umsetzen. Dadurch sollen auch zukünftig künstlerische Vielfalt und Qualität in der Gesellschaft gestärkt werden. Um diese  Ziele langfristig und nachhaltig zu verwirklichen, ist in diesem Jahr  die Gründung der rechtsfähigen „Juliane Noack Stiftung“ geplant. Die Stiftung soll jährlich Arbeits- und Projektstipendien für junge Kunstschaffende in Deutschland vergeben. Auch weitere Förderungen sind geplant. Die Stiftung wird sich dabei vor allem auf Schmuckkunst, Skulptur und Rauminterventionen konzentrieren. Es sind die Themen, an denen Juliane Noack als Künstlerin gearbeitet hat.

Irgendwann soll auch die Entschädigungssumme vom Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa in den Stiftung fließen. Die 50.000 Euro, die Deutschlands größte Fluggesellschaft als Soforthilfe an die Angehörigen gezahlt hat, sind aufgebraucht, wie Vater Frank Noack sagt.

Für viele Dinge, allesamt stehen sie im Zusammenhang mit den Unglück. Auch Anwaltskosten gehören dazu. Der Lufthansa-Konzern hatte den direkten Angehörigen des Absturzes 25.000 Euro Entschädigung angeboten, was die Opfer-Familien jedoch ablehnten. Noack geht davon aus, dass nun tatsächlich in den USA geklagt werde, was eine schnellere Entscheidung bedeuten soll. Allerdings könne auch dies Jahre dauern. „Dieses Schmerzensgeld soll in die Stiftung fließen“, sagt er.

Zorn ist immer noch da

Donnerstagvormittag werden die Hinterbliebenen auch aus Halle mit vielen anderen an der Absturzstelle in den französischen Alpen trauern. Haben Sie Angst? „Nein“, sagen Vater und Lebensgefährte. Aber natürlich verdichten sich die Emotionen vor diesem Tag, wie David Nowak hinzufügt. Aber der Zorn sei da. Auf Personen und Einrichtungen etwa, die die tat des Copiloten vielleicht hätten verhindern können. Aber immerhin, ein Zeichen der Hoffnung: „Nach einem Jahr verspüre ich diesen Zorn nicht mehr ständig.“ (mz)