Jäger gesteht, Ehefrau erschossen zu haben

Ehefrau in Brachstedt erschossen: Jäger gesteht „Der Tigerbalsam hat mir den letzten Rest gegeben“

Halle (Saale) - Ein 64-jähriger Mann aus Brachstedt hat beim Prozessauftakt gegen ihn am Montag gestanden, seine Ehefrau im Mai dieses Jahres erschossen zu haben.

Von Oliver Müller-Lorey

Eigentlich ist Tigerbalsam eine harmlose Salbe mit ätherischen Ölen, die bei der Behandlung von Mückenstichen, Kopfschmerzen und Atemwegsbeschwerden eingesetzt wird. Eine harmlose Creme, die aber im Mai dieses Jahres Auslöser für ein brutales Tötungsverbrechen in Brachstedt (Gemeinde Petersberg) gewesen sein soll.

Vor dem Landgericht Halle gestand ein 63-jähriger Jäger und ehemaliger Sportschütze am Montag, seine Frau mit einem Schuss in den Kopf getötet zu haben, weil sie  ihn andauernd mit jener Creme behandelt habe.

Prozess nach Familiendrama: Jäger aus Brachstedt und hatte scharfe Waffen und soll schizophren sein

Nicht die einzige schwer zu begreifende Tatsache in diesem Prozess. Offiziell ist der Mann nicht angeklagt, sondern beschuldigt. Denn die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Brachstedter zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Er leide an einer „halluzinatorischen paranoiden Psychose“ - kurzum, er sei schizophren.

Trotzdem war es dem Mann offenbar möglich, scharfe Waffen zu besitzen. Wie der ehemalige Jäger und Sportschütze vor Gericht sagte, habe er fünf Waffen besessen, darunter Pistolen, Revolver und mindestens ein Repetiergewehr. Die Waffen sollen verschlossen in einem Waffenschrank aufbewahrt worden sein - bis zum tragischen Tag, Anfang Mai.

Familendrama in Brachstedt: Beschuldigter glaubte, seine Frau woll ihm mit Tigerbalsam schaden

Zu diesem Zeitpunkt hätten er und seine Frau schon getrennt auf zwei unterschiedlichen Etagen des Hauses gewohnt. „Es gab immer mal Auseinandersetzungen“, sagte der Beschuldigte. Auch wegen des Tigerbalsams. „Das Zeug“ sei unsichtbar aber „brennt wie Feuer“, sagte der Mann. Am Autositz, im Bett, überall sei die Substanz gewesen und habe seine Haut verbrannt.

Seine Hautbeschwerden habe er sich erst erklären können, als er das Fläschchen mit der Salbe gefunden und seine Frau darauf angesprochen habe. Wie genau seine Frau es ihm verabreicht haben soll, blieb unklar. Sie habe es ihm gegeben, damit er „auf Trab“ komme. Darunter verstand der Beschuldigte wohl, dass er durch die aktivitätssteigernde Wirkung des Tigerbalsams mehr im Haushalt helfen solle.  „Der Tigerbalsam hat mir den Rest gegeben“, sagte der Jäger.

Prozess gegen Jäger in Halle (Saale): Wohe kommen die Platzwunden am Kopf der Frau?

Unklar blieb am ersten Verhandlungstag auch, wie sich die Tat zugetragen haben könnte. Gerichtsmediziner fanden am Hinterkopf der Toten zwei Platzwunden, die von einem Heizkörper stammen sollen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau bei einem  Streit am Tattag mit dem Kopf anstieß und sich der Beschuldigte daraufhin entschloss, sie zu töten.

Nach Schilderungen des Mannes sei die Frau aber erst nach dem Schuss gegen die Heizung geknallt. Allein: Laut Staatsanwaltschaft gibt es in dem Raum, in dem sie gefunden wurde, keinen Heizkörper. Wurde sie dorthin getragen?

Später soll sich der Beschuldigte selbst verletzt haben. Er habe sich in den Oberkörper geschossen. „Warum?“, fragte der Richter. Nach 20 Sekunden antwortet der 63-Jährige: „Das war eine Kurzschlussreaktion.“ Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Es sollen ein Arzt, Sachverständige, die den Beschuldigten begutachtet haben, und weitere Zeugen gehört werden. (mz)