E-Bikes immer beliebter

E-Bikes immer beliebter: Wird der elektrische Drahtesel Halles Verkehr verändern?

Halle (Saale) - Elektrische Fahrräder werden immer beliebter in Halle. Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zufolge, gibt es inzwischen fast 15.000 sogenannte Pedelecs in Halle. Das hat Auswirkungen auf den Straßenverkehr in der ...

Von Jonas Nayda 30.01.2020, 15:00

Elektrische Fahrräder werden immer beliebter in Halle. Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zufolge, gibt es inzwischen fast 15.000 sogenannte Pedelecs in Halle. Das hat Auswirkungen auf den Straßenverkehr in der Stadt.

E-Bike oder Pedelec machen laut ADFC den Verkehr sicherer

Als „Pedelec“ bezeichnet man ein Fahrrad, das zur Unterstützung der Muskelkraft mit einem Elektromotor angetrieben wird, der jedoch nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Im Sprachgebrauch hat sich „E-Bike“ gegen „Pedelec“ durchgesetzt, obwohl „E-Bike“ eigentlich ein elektrisches Rad bezeichnet, das schneller als 25 Kilometer pro Stunde fährt und für das eine Kennzeichenpflicht gilt.

Der ADFC begrüßt den Pedelec-Boom. Grundsätzlich machen Pedelecs den Verkehr sicherer, das bestätigt Volker Preibisch, stellvertretender ADFC-Landesvorsitzender auf MZ-Anfrage. „Es ist gut, wenn Menschen aufs Rad umsteigen, die vorher Auto gefahren sind. Denn weniger Autos bedeuten weniger Gefahr.“ Selbst wenn es zwischen zwei Fahrradfahrern zu einem Verkehrsunfall kommen sollte, seien die Folgen meistens nicht so schwer, sagt Preibisch.

Fahrradfreundliche Infrastruktur großes Problem im Halle

Kritisch sieht der ADFC allerdings die Infrastruktur. Es fehle in Halle nach wie vor an sicheren Radwegen. Und auch dort, wo ein Radweg besteht, sei er selten breit genug, wie Preibisch sagt. Das Problem: Auf einem schmalen Radweg können sich Radler nicht überholen. Wer mit einem motorisierten Bike hinter einem langsamen herkömmlichen Rad beispielsweise die Ludwig-Wucherer-Straße hinauf fährt, würde aber möglicherweise gerne überholen.

„Dann kommt noch der Sicherheitsabstand hinzu“, so Preibisch. Je schneller ein Radfahrer unterwegs ist, desto schlechter kann er etwa einer plötzlich geöffneten Autotür am Straßenrand ausweichen. Pedelecs werben jedoch damit, besonders bergauf schnell zu sein.

Halles Fahrradhändler: „E-Bikes werden immer stärker nachgefragt“

Ein weiteres Problem ist der Diebstahl. Laut ADFC ist Halle ein besonderer Schwerpunkt für Fahrraddiebe. Die meisten Pedelecs sind sehr wertvoll, kosten in der Regel neu zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Den SPD-Vorschlag, sogenannte „Fahrradhäuschen“ bauen zu lassen, in denen wertvolle Räder am Straßenrand sicher abgestellt werden können, lehnte der Stadtrat jedoch im Dezember ab. Sehr zum Ärger von Volker Preibisch.

Halles Fahrradhändler sind indes zufrieden. Beim Fachgeschäft „Fahrradies“ auf der Bernburger Straße besteht knapp die Hälfte des Sortiments aus elektronischen Fahrrädern, auch in anderen Läden, wie etwa „Fahrrad Kopf“ in Ammendorf sieht es ähnlich aus. „Wir verkaufen E-Bikes und Pedelecs schon seit einigen Jahren, aber sie werden in letzter Zeit wirklich immer stärker nachgefragt“, sagt Fahrradies-Verkaufsleiter Nils Unger.

Fahrradgeschäfte leihen E-Bikes zum Test

Viele Kunden würden vor allem die größere Reichweite wertschätzen, die sie mit einem motorisierten Fahrrad im Vergleich zu einem herkömmlichen haben. Dass Pedelecs eines Tages die guten alten Drahtesel vollständig verdrängen könnten, glaubt Unger jedoch nicht. „Es ist immer auch ein Stück Kultur, ein klassisches Rad zu fahren“, sagt er.

Wer sich nicht gleich festlegen möchte und ein Pedelec testen möchte, kann bei den meisten Fachgeschäften ein elektrisches Fahrrad ausleihen. Das ist für wenige Stunden, aber auch zu einem Festpreis für einen ganzen Tag möglich. (mz)