Drama um ein großes Talent

Drama um ein großes Talent: Naheria Hamilton verlässt die Gisa Lions

Halle (Saale) - Die hoffnungsvolle Centerin wird die Gisa Lions wieder Richtung USA verlassen und ihre Karriere beenden. Wer die Ersatzfrau wird.

Von Christoph Karpe
Naheria Hamilton (l.) im Testspiel gegen Hannover Holger John

Nach dem Gespräch am Montag zwischen Lysann Kairies, Peter Kortmann und Naheria Hamilton herrschte allseits Erleichterung - bei der Geschäftsführerin und dem Trainer der Gisa Lions etwas mehr, bei der Basketballerin etwas weniger. Doch das reibungslose Gespräch hatte eine Entscheidung gebracht.

Die 22-Jährige wird die Lions nach nur wenigen Wochen wieder verlassen, zurück in die USA gehen und dort ihre Karriere als Basketballspielerin aller Voraussicht nach sogar beenden.

Es ist ein Drama um ein großes Talent. „Sie hat so arge Probleme mit den Knien, dass sie nicht um eine Arthroskopie herumgekommen wäre - verbunden mit langer Ausfallzeit. Es tut mir wirklich leid, aber wir können es uns nicht leisten, vielleicht sogar monatelang auf unsere Centerin verzichten zu müssen“, erzählt Coach Kortmann. Und auch Hamilton habe eingesehen, dass es nicht weitergegangen wäre.

Naheria Hamilton galt als Geheimwaffe der Lions

Dabei war die athletische 1,95 Meter große Spielerin, die sich erstmals im Ausland als Profi probieren wollte, als die Geheimwaffe der Lions unter den Körben vorgesehen. Doch Hamilton kam mit einem Vorschaden im Knie nach Halle. Eine Beinfehlstellung war in ihrer vierjährigen Collegezeit nicht gesehen und schon gar nicht behandelt worden. Deshalb die massiven Knieprobleme, die unter Belastung vermehrt auftraten. Selbst die Einlagen in den Schuhen, die ihr die medizinische Abteilung der Lions verpasst hatten, linderten die Schmerzen kaum.

Doch es ergab sich ein Teufelskreis: Naheria Hamilton war vor zwei Monaten mit einem erschreckenden Fitnessdefizit nach Halle gekommen. Die Hausaufgaben, die ihr Kortmann schon über den großen Teich gemailt hatte, konnte sie wegen der Knieprobleme nicht absolvieren. Nun wollte und sollte sie das Pensum in Halle nachholen.

Denn da sie nach wenigen intensiven Trainingsminuten konditionell am Limit war, konnte sie der Mannschaft kaum helfen. Allerdings: Das Vorhaben, den massiven Rückstand aufzuholen, behinderten die akuten Schmerzen. Am Ende wuchs bei allen Beteiligten die Einsicht: So hat das alles keinen Zweck.

Kairies: „So war es am Ende ein Trennung in wirklich beiderseitigem Einvernehmen.“

„Auch Naheria war am Ende des Gesprächs erleichtert, sie hatte schon geplant, auf uns zuzukommen und um eine Vertragsauflösung zu bitten“, sagte Lysann Kairies. „So war es am Ende ein Trennung in wirklich beiderseitigem Einvernehmen.“ Hamilton wird also zurück in die USA fliegen.

Und von dort kommt am Donnerstag bereits ihre Nachfolgerin, die Kortmann angesichts des Dramas schon vorsorglich aufgespürt hatte. Es wird Olivia Nash. Die 26-Jährige ist zwar etwa zehn Zentimeter kleiner als Hamilton, bringt aber einen unschätzbaren Vorteil mit: „Sie kennt Deutschland und die Liga“, erzählt der Coach.

Olivia Nash spielte in den vergangenen beiden Spielzeiten bei Halles Erstliga-Konkurrent USC Heidelberg. Dort punktete sie pro Spiel im Schnitt zweistellig und sammelte 2019/20 knapp sieben abspringende Bälle (Rebounds) ein. „Natürlich war der Spielerwechsel nicht geplant und ist nicht optimal. Aber ich bin mit der Lösung dann doch zufrieden“, sagt der Coach.

Olivia Nash wird frisch auf das Corona-Virus getestet in München ankommen, dann bis zum 11. November dort in Quarantäne bleiben und danach - sofern sie immer noch „negativ“ ist - nach Halle kommen. Wegen der Spielpause durch die Länderspiele bleibt Kortmann etwas Zeit, sie ins Team zu integrieren.

Naheria Hamilton wird dagegen womöglich aus der Ferne den Lions aus Halle, bei denen sie kurzzeitig Profi-Basketballerin war, die Daumen drücken. (mz)