Brachwitz

Brachwitz: So schön ist das schönste Dorf im Saalekreis

Brachwitz - Der zu Wettin-Löbejün gehörende Ort hat die Kreisebene des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ für sich entschieden. Nun geht es zur Landesrunde.

Von Claudia Crodel

„Na klar, Brachwitz ist wirklich das schönste Dorf“, sagt Lars Heinrich. Der 40-Jährige findet, dass es das schon immer war. Er wisse, wo von er rede, schließlich komme er aus einer Familie, die schon über Generationen dort wohnt. Seit Donnerstagnachmittag hat der Ort das sogar Schwarz auf Weiß. Brachwitz mit seinen Ortsteilen Brachwitz und Friedrichsschwerz hat sich in der Kreisrunde des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ gegen die Mitbewerber Reipisch, Beuna und Röglitz durchgesetzt.

Im nächsten Jahr nimmt es folglich am gleichnamigen Landeswettbewerb teil. „Wir sind stolz dort den Saalekreis vertreten zu dürfen“, meint Ortsbürgermeister Jan Richter. Da Zappendorf bei der letzten Bundesrunde von „Unser Dorf hat Zukunft“ sehr weit vorne war, sei das auf alle Fälle Ansporn und Herausforderung.

Brachwitz hat den Wettbewerb super vorbereitet

„Der Ort hat den Wettbewerb super vorbereitet, allen voran der Ortsbürgermeister und der Ortschaftsrat. Er hat ja nicht nur die baulichen Voraussetzungen, sondern auch eine funktionierende Dorfgemeinschaft“, freut sich Antje Klecar, Bürgermeisterin der Stadt Wettin-Löbejün, über den Erfolg des Ortsteils.

Auch Lars Heinrichs Vater, der 66-jährige Gerald, meint, dass Brachwitz den Preis zurecht bekommen hat. Gerald Heinrich wurde im Ort geboren, ging dort in den Kindergarten und zur Schule. Obwohl er in Halle arbeitete, war er immer in Brachwitz zu Hause. Die Heinrichs erinnern sich übrigens daran, dass Brachwitz schon zu DDR-Zeiten mal eine Auszeichnung als schönstes Dorf bekommen hatte.

Brachwitz hat alles, was ein Dorf braucht

„Brachwitz hat alles, was ein Dorf braucht, vor allem auch die Ruhe, die man hier genießen kann. Brachwitz ist in den letzten Jahren immer attraktiver geworden. Es hat sich viel getan, denkt man nur an den Saalekiez, wo viele Veranstaltungen stattfinden und in diesem Jahr sogar Sommerkino auf der Felsenbühne war“, sagt Konstanze Pedace. Sie selbst und ihr Mann, der Süditaliener Francesco Pedace, haben selbst dazu beigetragen.

Seit 15 Jahren betreiben sie die Pizzeria „Ciccio“ an der alten Eiche. Jetzt ist auch noch eine Pension mit sechs ganz individuell gestalteten Zimmern hinzugekommen, die seit August geöffnet ist. Dafür haben sie einen alten Kuhstall umgebaut. Sie selbst arbeitet als Erzieherin in der örtlichen Kita. Die ist in der umgebauten ehemaligen Domäne Brachwitz ansässig, in der in den letzten Jahren auch der Sitz des Ortsbürgermeisters und das Haus der Vereine untergebracht sind.

Brachwitz hat auch in Sachen Natur Besonderes zu bieten

Konstanze Pedace verweist darauf, dass nicht nur das Dorf an sich schön sei. Brachwitz habe auch in Sachen Natur Besonderes zu bieten und nennt als Beispiel die bunten Bienenfresser, eine seltene Vogelart, die in den Felsmauern nahe der Saale nisten. Überhaupt ist die Saale ganz wichtig für den Ort. Der Saale-Radweg führt über die Fähre von Schiepzig nach Brachwitz und der wird von Menschen aus ganz Deutschland genutzt.

Brachwitz hat einen Wohnmobilstellplatz am Wasser und den kleinen Yachthafen. Die Saale ist eine gern genutzte Wasserstraße. Das bestätigt Ralf Volz von der Wassertouristik Saaletal, die ihren Hauptsitz an der Giebichensteinbrücke in Halle hat. Oft hat er in Brachwitz zu tun, wenn Kanufahrer bis Brachwitz paddeln oder ein Boot dort einsetzen wollen.

„Bei uns gibt es keine verfallenen großen Gehöfte, sondern fast nur Einfamilienhäuser“

Wesentlich zum Wettbewerbsausgang hat der Ortsteil Friedrichsschwerz beigetragen, der durch seine wunderschöne Anlage besticht. „Bei uns gibt es keine verfallenen großen Gehöfte, sondern fast nur Einfamilienhäuser“, erklärt Klaus-Dieter Schulz von der Bürgerinitiative Friedrichsschwerz, der nach der Wende die ehemalige Gaststätte zum Wohnhaus umgebaut hat. Er lobt beispielsweise die guten Beziehungen von Heimatverein und Feuerwehr und den Dorfplatz mit dem Denkmal für den Alten Fritz, ohne den es den Ort nicht geben würde. Der Dorfplatz ist „das“ besondere Schmuckstück von Friedrichsschwerz.

Ortsbürgermeister Jan Richter ist sich bewusst, dass Brachwitz - obwohl es in allen Kriterien des Wettbewerbs etwas zu bieten hatte - auch noch weiteres Entwicklungspotenzial hat. Da ist für die Landesrunde noch einiges offen.

Es gibt schließlich auch kritischere Stimmen im Ort. „In Brachwitz liegt doch auch einiges im Argen. Ich warte seit langem darauf, dass die Straße zur Fähre mal gemacht wird“, sagt Fährmann Uwe Nikolaizig und zeigt auf das Kopfsteinpflaster, das zur Saale führt. Auch die „Ruine“, das Haus, in dem einmal Rößlers Kneipe war, nennt er als Beispiel. (mz)