Ukraine-Krieg

Benefizkonzert für die Ukraine: Hunderte Menschen versammelt sich auf dem Marktplatz von Halle

Verein organisiert Veranstaltung auf dem Marktplatz

Aktualisiert: 23.05.2022, 15:44
Viele ukrainische Flaggen: Zuhörer beim Benefizkonzert Ukraine auf dem Marktplatz
Viele ukrainische Flaggen: Zuhörer beim Benefizkonzert Ukraine auf dem Marktplatz Foto: Annette Herold-Stolze

Halle (Saale)/MZ - Irgendwann wollte Erika Pobidinski nicht mehr zuhören. „Erzähle mir das nicht“, hat sie ihren Verwandten aufgefordert, der in der ukrainischen Armee kämpft und von russischen Kriegsverbrechen sprach, wie sie berichtet. Aber Weghören ging und geht eigentlich auch nicht. Es ist Erika Pobidinski, die aus der Ukraine stammt und seit mehr als 30 Jahren in Halle lebt, ein Bedürfnis, vom Krieg zu wissen. Und etwas zu tun: Schon bald nach der russischen Invasion haben ihr Mann Taras und sie einen Hilfstransport organisiert, unterstützen jetzt nach Halle geflohene Ukrainer und haben - weil das für sie als Inhaber einer Musikschule nahe lag und sie einen großen musikalischen Bekanntenkreis haben - für Sonnabend ein Benefizkonzert auf dem Marktplatz organisiert.

Mehrere Hundert Menschen hörten zu, als etwa ukrainische Kinder in Videos über den Krieg sprachen und dessen Ende forderten oder als der Soldat Mstyslav Taras eindringlich daran erinnerte, dass dieser Krieg nur 1.000 Kilometer von Halle entfernt geführt wird. Er forderte den Beistand Europas für sein Land und dass die Ukraine in die Europäische Union aufgenommen wird. Auch Ruslan Martsinkiw, Bürgermeister von Iwano Frankiwsk, dessen Flughafen gleich zu Kriegsbeginn bombardiert worden war, sprach über ein Video-Telefonat zu den Konzertbesuchern auf dem Marktplatz. Auf der Bühne war unter anderem Yarina Taras zu erleben, ukrainischer Gesangsnachwuchsstar und nach Halle geflohen, auch das Celloquintett der Staatskapelle Halle spielte. Svitlana Slyvia und Yuriy Svatenko, halleschen Operngängern längst von der großen Bühne als Sänger bekannt, traten ebenso auf wie Tänzer des Ballettstudios „Pointé“.

Zum Erlös des vierstündigen, von Sponsoren unterstützten Konzertes trugen viele fleißige Helfer bei, wie Erika Pobidinski hervorhebt - darunter die etwa 30 ukrainischen Frauen, die am Vormittag unter anderem massenhaft Wareniki, also Teigtaschen, zubereitet hatten und sie nachmittags verkauften. Der Erlös der Veranstaltung soll ukrainischen Kindern und Jugendlichen zugute kommen, für die Mitgliedschaft im Sportverein, für Musik-, Tanz oder Zeichenunterricht etwa. Dafür sei meist kein Geld da, es sei aber wichtig, den jungen Leuten etwas Normalität zu verschaffen, findet die Klavierlehrerin. Insgesamt sei der Hilfebedarf unglaublich, hat sie festgestellt, seit ukrainische Flüchtlinge in der Stadt sind. Das fange bei der Sprache an und ende nicht mit Schwierigkeiten bei Behörden. Und Trost sei so wichtig, sagt sie. „Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass der Krieg aufhört.“