Autobahnring um Halle

Autobahnring um Halle (Saale): Die unendliche Geschichte mit der A143

Halle (Saale) - Anwohner fordern, dass Planung nachgebessert wird. Kann Verfahren bis Jahresende abgeschlossen werden?

Von Michael Falgowski 17.02.2017, 05:57

Seit neun Jahren bereits endet Halles Westumfahrung - die A143 - auf dem Acker bei Bennstedt: Zwölf Kilometer Trasse fehlen noch, um A14 und A38 miteinander zu verbinden und den Autobahnring um Halle zu schließen. Und das Genehmigungsverfahren bleibt schwierig: Nachdem im Sommer vergangenen Jahren in den betroffenen Saalekreisgemeinden die Pläne der inzwischen vierten Änderung des seit 2005 vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses ausgelegt und im Herbst mündlich und schriftlich „erörtert“ wurden, muss nun nachgebessert werden: Weil sich zwischenzeitlich Gesetze geändert haben, mussten die Auswirkungen des Autobahnbaus auf Oberflächengewässer und das Grundwasser neu untersucht werden.

Diese Unterlagen müssen nun, voraussichtlich ab 20. März, erneut ausgelegt und erörtert werden. Auf den Planfeststellungsbeschluss hofft das zuständige Landesverwaltungsamt nun im vierten Quartal dieses Jahres. Ursprünglich hatte man auf Sommer gehofft.

Autobahn A143: 49 sogenannte Einwendungen sowie eine Listeneinwendung zu dem Projekt abgegeben

Im Anhörungsverfahren im vergangenen Jahr wurden 49 sogenannte Einwendungen sowie im Nachgang eine Listeneinwendung zu dem Projekt abgegeben. Und es gibt weiter Widerstand von Anwohnern. So in Friedrichschwerz: 300 Meter soll die Trasse an dem Ortsteil von Brachwitz sowie am europäischen Naturschutzgebiet „Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich von Halle“ entlang.

Um das Gebiet mitsamt einer besonders geschützten Orchideen-Art vor einem weiteren Stickstoffeintrag durch die Autobahn besser zu schützen, wurde eigens der bisher geplante 250 Meter lange Tunnel auf 300 Meter verlängert. Zudem soll die neue Röhre mit einem modernen Abluftsystem ausgestattet werden, welches die im Tunnel angesaugten Abgase mit einem Luftstrahl über einen Ausblasschacht hinausbefördert.

A143: Einwohner von Brachwitz fordern einen deutlich längeren Tunnel

Den Einwohnern reicht das aber nicht. „Wir fordern einen deutlich längeren Tunnel. Alle Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden, um sowohl das angrenzende Naturschutzgebiet als auch die Bewohner zu schützen“, sagt Karl-Heinz Pukade, Sprecher einer Bürgerinitiative. In einer Petition fordern 82 Einwohner eine längere Tunnelvariante, die weniger Lärm- und Schadstoffbelastung für die Bürger bringen würde, hoffen sie. Den Tunnel auf rund 1.000 Meter zu verlängern, das ist sogar untersucht, aber eben verworfen worden.

„Nach Meinung der Planer werden mit der Kurzvariante und der Zwangsentlüftung die Umweltanforderungen des Naturschutzes erfüllt. Was für den Umweltschutz möglich sein sollte, sollte auch für die hier wohnenden Menschen möglich sein“, sagt Ralf Voigt aus Friedrichsschwerz.

Autobahn A143: Bereits vierte Änderung des schon vor zwölf Jahren vorgelegten Planfeststellungsbeschlusses

Die bereits vierte Änderung des schon vor zwölf Jahren vorgelegten Planfeststellungsbeschlusses soll endlich den Durchbruch für die umstrittene Fertigstellung des Autobahnabschnittes der A143 bringen. Vor allem in Umweltschutzbelangen ist nach Forderungen der EU deutlich nachjustiert worden.

Ob und wann das umstrittene Teilstück westlich von Halle aber tatsächlich gebaut wird, dies ist auch mit einem genehmigten Planfeststellungsbeschluss Ende dieses Jahres nicht sicher. „Es bleibt vor allem abzuwarten, ob die EU-Kommission diesmal die Prüfungen der Alternativen des Baus als ausreichend erachtet, um das europäische Schutzgebiet nicht mehr zu beeinträchtigen“, sagt Annette Leipelt, Sprecherin des Naturschutzbundes Sachsen-Anhalt. (mz)