Auge in Auge mit dem Buckelwal

Halle/Baabe/MZ. - Es war kein Badewetter am Sonntag auf Rügen. Ständig Regen, kein Mensch im Wasser, nur wenige am Strand - die halleschen Rettungsschwimmer hatten auf ihrem Turm nicht viel zu tun. Bis plötzlich Wachgängerin Melanie Wurms gegen 17.45 Uhr aufgeregt durchs Fernglas schaute und auf das Wasser wies. "Dort schwamm tatsächlich der Buckelwal, von dem wir schon gehört hatten", sagt Sabine Moosdorf der MZ. "Die Walflosse war klar zu sehen - und ganz dicht am ...

Von Frank Czerwonn

Es war kein Badewetter am Sonntag auf Rügen. Ständig Regen, kein Mensch im Wasser, nur wenige am Strand - die halleschen Rettungsschwimmer hatten auf ihrem Turm nicht viel zu tun. Bis plötzlich Wachgängerin Melanie Wurms gegen 17.45 Uhr aufgeregt durchs Fernglas schaute und auf das Wasser wies. "Dort schwamm tatsächlich der Buckelwal, von dem wir schon gehört hatten", sagt Sabine Moosdorf der MZ. "Die Walflosse war klar zu sehen - und ganz dicht am Badebereich."

Seit einer Woche sind die Hallenser von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft auf Rügen, arbeiten im Ort Baabe zusammen mit Berliner Kollegen als freiwillige Rettungsschwimmer. "Wir haben sofort das Boot flott gemacht und sind zu viert rausgefahren", so Moosdorf. Wal-Entdeckerin Melanie Wurms verfolgte die Aktion vom Rettungsturm aus. Der Berliner Bootsführer Hagen Becker kreuzte im Bojenbereich, Rettungsschwimmer Oliver Lau, Wachleiter Olaf Moosdorf und seine Frau Sabine hielten Ausschau. "Plötzlich tauchte der Wal ganz dicht beim Boot auf", schildert die Hallenserin die Begegnung. "Wir hatten Angst, zu kentern." Er sei so nah gewesen, dass sie eine große Narbe auf der Rückenflosse erkennen konnte. "Ich hätte ihn anfassen können." Doch das habe sie sich nicht getraut. Dann sei das Tier unter dem Boot weggetaucht.

Konnten die Hallenser auch die berühmten Sprünge beobachten? "Zum Springen ist es dort zu flach", glaubt Moosdorf. Aber der Buckelwal sei mehrfach etwa zur Hälfte aus dem Meereswasser gestiegen. Fast eine halbe Stunde habe er zwischen Sandbänken gekreist - maximal 50 Meter vom Strand entfernt. Mit Videosequenzen und Fotos hat die Hallenserin das seltene Spektakel festgehalten. Augenzeugen am Strand habe es wegen des schlechten Wetters nur wenige gegeben.

Den zwölf Meter langen Buckelwal hatten Wissenschaftler Ende Juli beim Vögelbeobachten vor Rügen entdeckt und aus der Entfernung fotografiert. Der Direktor des Meeresmuseums Stralsund, Harald Benke, bestätigte die Entdeckung und nannte sie "eine Sensation". Das letzte Mal hatte sich ein Buckelwal 1978 in die Ostsee verirrt.