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100.000 Euro für Artenvielfalt Armin Willingmann besucht Umweltzentrum Franzigmark

Im Rahmen seiner Sommertour besucht Umweltminister Armin Willingmann das Umweltzentrum Franzigmark. Unter mehreren Projekten sticht eins besonders hervor. Es geht um Ziegen, die den Artenschutz erhalten.

Von Luisa König 16.08.2024, 19:00
Annemarie Hofmann erklärt Umweltminister Armin Willingmann, wie die Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschützt werden sollen.
Annemarie Hofmann erklärt Umweltminister Armin Willingmann, wie die Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschützt werden sollen. (Foto: Luisa König)

Morl/MZ. - Genüsslich kaut eine der vier Ziegen auf getrocknetem Gras herum. Was für den Menschen weniger appetitlich aussieht, scheint ihr zu gefallen. Dabei lässt sie sich von den vielen Menschen drumherum nicht ablenken und grast die Wiese Zentimeter für Zentimeter ab.

Arten sind extrem gefährdet

Die vier Thüringer Waldziegen gehören zu einer als extrem gefährdet eingestuften Rasse. In der Franzigmark, nördlich von Halle-Trotha, haben sie ein neues Zuhause gefunden. Das soll sowohl sie selbst, als auch die Umgebung schützen. Denn die Ziegen sowie einige Karakulschafe, ebenfalls eine extrem gefährdete Haustierrasse, sind Teil eines Projekts des BUND-Regionalverbands Halle-Saalekreis im Umweltzentrum Franzigmark.

Eigentlich fressen sie nur. Doch die Thüringer Waldziegen wirken damit einer Verbuschung entgegen.
Eigentlich fressen sie nur. Doch die Thüringer Waldziegen wirken damit einer Verbuschung entgegen.
Luisa König

„Die Verbuschung in dem Gebiet stellt ein Problem dar. Wir versuchen, die letzten isolierten Trockenrasenbiotope zu schützen“, erklärt Annemarie Hofmann vom Umweltzentrum dem Umweltminister des Landes, Armin Willingmann am Freitag. Am letzten Tag seiner Sommertour „Artenreiches Sachsen-Anhalt“ hat er sich unter anderem die aktuellen Projekte in der Franzigmark angeschaut. „Beweidung sichert Lebensräume. Biotope in offenen Landschaften brauchen Pflege, damit bedrohte Tier- und Pflanzenarten in Sachsen-Anhalt eine Zukunft haben“, betont der Umweltminister. Mit Unterstützung des Ministeriums seien bereits zahlreiche Vorhaben zur Beweidung mit Schafen, Pferden und Ziegen angestoßen worden. „Damit sichern viele engagierte Projektträger die Biodiversität in unseren Regionen“, so Willingmann.

Bestände konnten bereits vergrößert werden

Das Projekt „Trittsteine für Kuhschelle und Felsen-Goldstern“ des Umweltzentrums sei eines davon. Mit 104.000 Euro aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK), wird der Schutz von Offenlandbiotopen in der Franzigmark gefördert. Bis Ende 2026 sollen dort wertvolle Lebensräume wie Kalkmagerrasen oder Kalkpionierfluren gesichert werden. Möglich machen das eben jene Schafe und Ziegen, die an den Steilhängen der Porphyrhügel grasen und dadurch beispielsweise der Verbuschung entgegenwirken.

Sowohl die Bestände der Gemeinden Kuhschelle als auch die des Felsen-Goldsterns vergrößerten sich seitdem beträchtlich, wissen die Mitarbeiter des Umweltzentrums. Dadurch, dass die Tiere die Sträucher abknabbern, könne sich niedrige Vegetation ausbreiten. Da hilft auch das Scharren und Wälzen der Ziegen, das für freie Flächen sorgt, an denen sich beispielsweise die Gemeine Kuhschelle ansiedelt. „Mit ihrer flauschigen Behaarung schützt sie vor Kälte und Verdunstung und lockt viele Bestäuber an“, sagt Annemarie Hofmann. Es sei ein Kreislauf. Wenn die Pflanzen nicht da sind, sind auch die Tiere nicht da. Stück für Stück wolle man im Umweltzentrum so die Artenvielfalt wiederherstellen, schützen und neuen Lebensraum schaffen.