Archäologischer Fund

Archäologischer Fund: 3100 Jahre alte Salzsiedestelle in Halle entdeckt

Halle (Saale)/MZ - Auf dem Gelände der Kunsthochschule Burg Giebichenstein am Neuwerk 7 ist der älteste, zusammenhängende Salzsiedeplatz auf dem Gebiet der Stadt Halle entdeckt worden. Die rund 200 Fundstücke, unter ihnen gut erhaltene Solebecken, Öfen und Salzsiedewerkzeuge stammen aus der späten Bronzezeit - etwa 900 bis 700 Jahre v. Chr. Zwar wussten die Archäologen, dass die Menschen schon so früh die Möglichkeiten zur Salzgewinnung beherrschten, mehr als einzelne, verstreute Beweise gab es hierfür aber bislang nicht. Und die Experten gehen sogar noch weiter: In Dölau werden steinzeitliche, also rund 3500 Jahre alte Sachzeugnisse der Salzsiederei vermutet. Diese wären dann etwa so alt, wie die Himmelsscheibe von ...

Von Jan Möbius und Oliver Müller-Lorey 16.07.2013, 09:43

Auf dem Gelände der Kunsthochschule Burg Giebichenstein am Neuwerk 7 ist der älteste, zusammenhängende Salzsiedeplatz auf dem Gebiet der Stadt Halle entdeckt worden. Die rund 200 Fundstücke, unter ihnen gut erhaltene Solebecken, Öfen und Salzsiedewerkzeuge stammen aus der späten Bronzezeit - etwa 900 bis 700 Jahre v. Chr. Zwar wussten die Archäologen, dass die Menschen schon so früh die Möglichkeiten zur Salzgewinnung beherrschten, mehr als einzelne, verstreute Beweise gab es hierfür aber bislang nicht. Und die Experten gehen sogar noch weiter: In Dölau werden steinzeitliche, also rund 3500 Jahre alte Sachzeugnisse der Salzsiederei vermutet. Diese wären dann etwa so alt, wie die Himmelsscheibe von Nebra.

Caroline Schulz, Referentin für Mittelalter und Stadtarchäologie, am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, hatte schon eine Vorahnung, als die Bauarbeiten für die neue Mediathek am Neuwerk begannen. Deshalb empfahl sie dem Bauträger vor Beginn der Arbeiten, das Gebiet archäologisch untersuchen zu lassen. „Ich habe geahnt, dass wir hier interessante Zeugnisse über die frühe Salzgewinnung finden würden. Immerhin eignet sich das Gebiet perfekt zur Salzsiederei. Es liegt an einem Hang mit besonders reichhaltiger Sole. Aber dass wir auf diesen 500 Quadratmetern so viele und so gut erhaltene Quellen entdecken, das ist wirklich eine Sensation.“

Auch Landesarchäologe Harald Meller schätzt den wissenschaftlichen Wert der Funde als hoch ein. „Wir haben hier zum Beispiel ein großes und erstaunlich gut erhaltenes Solebecken von fast 1,9 mal 1,7 Metern Ausmaß, sowie acht Öfen und Feuerstellen gefunden. Jetzt können wir Rückschlüsse daraus ziehen, wie die Salzgewinnung in dieser frühen Zeit vonstatten ging.“

Darüber hinaus sind die Experten von der hohen Leistungsfähigkeit und Perfektion der damaligen Menschen beeindruckt. An den Stellen, wo früher die Siedeöfen standen, um das Wasser aus der Sole verdampfen zu lassen, ist der Sand regelrecht geschmolzen. „Das kriegen sie mit einem einfachen Lagerfeuer nicht hin. Da müssen sie schon professionell mit viel Holzkohle heizen, um solche hohen Temperaturen zu erreichen“, sagt Meller.

Unter der Aufsicht von zwei Archäologen und einem Zeichner arbeiten rund ein Dutzend Grabungshelfer mit Schaufeln und Fingerspitzengefühl an der Bergung der vorhistorischen Objekte.

Neben der Arbeitsstätte zum Salzsieden wurden auch Spuren einer Wohnsiedlung gefunden. So zum Beispiel Krüge für Essensvorräte und Knochen verschiedener Nutztiere. Dass auf dem Gebiet also auch einmal Menschen gelebt haben, gilt als wahrscheinlich.

Der für den Bau verantwortliche Geschäftsführer des Bau- und Liegenschaftsmanagements Sachsen-Anhalt, Falk Balzer, sieht in den Ausgrabungsarbeiten überdies kein Problem für die rechtzeitige Fertigstellung der Hochschul-Mediathek: „Die Bauarbeiten gehen Anfang August wie geplant los. Dadurch wird das Projekt planmäßig Ende Dezember 2014 fertig. Und wenn die Archäologen noch ein, zwei Tage mehr benötigen, stehen wir da nicht im Weg.“