WZGE besucht Ferropolis

WZGE besucht Ferropolis: Der Horizont wird weiter

Gräfenhainichen/Wittenberg - Das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik bietet Studenten Akademiewochen an. Warum diese auch zu verrostenden Baggern führen.

Von Paul Damm

Tonnenschwere Stahlkolosse sind die letzten Relikte, die von dem einstigen Tagebau in Gräfenhainichen übrig geblieben sind. Noch bis in die 1980er Jahre wurde in Ferropolis, der Stadt aus Eisen, mit riesigen, elektrisch angetriebenen Schaufelradbaggern Braunkohle gefördert, die später in Strom umgewandelt wurde.

In der Bundesrepublik spricht man von der Energiewende und dem Zeitalter erneuerbarer Energien - dennoch ist der angestrebte Kohleausstieg ein langwieriges Unterfangen. Doch wie lässt sich die Energiewende sozial nachhaltig gestalten? Mit dieser Frage setzten sich in dieser Woche rund 20 Studenten in einer Akademiewoche auseinander.

Erkenntnisse vertieft

Bereits seit sieben Jahren veranstaltet das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) solche Akademiewochen und ermöglicht den Teilnehmern, energiewirtschaftliche Kenntnisse zu vertiefen.

Zudem wird den Studenten die Gelegenheit für intensive Diskussionen zum Thema Energiewende geboten - und das fernab überfrachteter Lehrpläne, weiß Projektleiterin Sabine Wellnitz: „Die Akademie ist ideal für Studenten, die ihren Horizont erweitern wollen. Es wird gezielt einen direkten Austausch mit Experten aus Politik und Wissenschaft geben - den Höhepunkt bildet eine Dialogsimulation.“ In der Hörsaalruine des ehemaligen Berliner Charité-Campus wird diese dann stattfinden. Einblicke in die Forschung zur sozialen Dimension der Energiewende sollen in dieser Debatte gegeben werden. Doch um sich bei diesem komplizierten Thema besser einbringen zu können, benötigt es eine Menge an Informationen.

Genau diese Fakten erhielten die Studenten in Ferropolis. Auf der Halbinsel des einstigen Braunkohle-Tagebaus sammelten die Nachwuchswissenschaftler wichtige Impulse, damit sie für die bevorstehende Diskussion gewappnet sind. Betreut wurden sie von Thies Schröder, dem Geschäftsführer der Baggerstadt. Er unternahm mit den Studenten eine Reise in die Zeit, als die Bagger auf Hochtouren liefen.

„Von hier aus kann man das frühere Kraftwerk in Zschornewitz sehen. Es war mit eines der ersten im Osten Deutschlands. Genau dort wurde die Kohle unter euren Füßen zu Strom umgewandelt.“ Die Studenten lachen, auch wenn sie zuvor kaum etwas von Ferropolis gehört hatten. Auf die Frage, wem die Stadt aus Eisen ein Begriff sei, hoben sich nur zaghaft einige Hände. Mit den Namen der Festivals konnten dann doch mehrere etwas anfangen. „Melt und Splash gehören hier mittlerweile zur Tradition“, erklärte Schröder. „Diese einzigartige Location mit den Baggern bietet sich dafür einfach an.“ Zudem werden die Festivaleinnahmen für den Erhalt der Anlage genutzt. In regelmäßigen Abständen müssen verrostete Stahlteile erneuert oder gestrichen werden - und nicht nur das.

Um die Energiewende anzukurbeln, hat der Geschäftsführer auf den Dächern des Museums Solarplatten installieren lassen. Für ihn ein Schritt in die „grüne“ Richtung.

Erwartungen übertroffen

Beim Rundgang durch das Gelände hatten die Studenten auch die Möglichkeit, auf einen der Schaufelradbagger zu steigen. Die Stahltreppenstufen ächzten unter jedem Schritt - doch das faszinierte die Studenten wie Robert Görsch.

Der 25-Jährige studiert momentan Psychologie an einer Universität in den Niederlanden und hat sich für dieses Projekt der WZGE eingeschrieben. „Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Ich habe viele Informationen zum sozialen Aspekt der Energiewende erhalten und freue mich auf die Diskussionsrunde.“

(mz)