Porträt

Peter Pätz verabschiedet sich aus dem Archiv in Gräfenhainichen

Jahrelang arbeitete Peter Pätz als Ortschronist und Archivar in Gräfenhainichen. Jetzt ist der 65-Jährige in den Ruhestand gegangen.

Von Julius Jasper Topp 13.01.2022, 09:13
Ortschronist Peter Pätz im Archiv der Stadt Gräfenhainichen.
Ortschronist Peter Pätz im Archiv der Stadt Gräfenhainichen. Foto: Thomas Klitzsch

Gräfenhainichen/MZ - Seit über zehn Jahren sitzt Peter Pätz im Stadtrat Gräfenhainichens. Seit über 20 Jahren arbeitet er die Geschichte der Heidestadt als Ortschronist auf, sortierte als Mitarbeiter der Stadtbibliothek Tausende Akten aus Hunderten Jahren Kommunalgeschichte im Stadtarchiv. Zum Jahreswechsel ist der 65-Jährige nun in den Ruhestand gegangen und will auch von seinem politischen Wirken - er ist Vorsitzender des Bauausschusses - nach und nach Abschied nehmen. Ortschronist aber will er bleiben. „Geschichte interessierte mich schon immer sehr“, sagt Pätz. Das begann als Kind, als die Großeltern von „früher“ erzählten, setzte sich in der Schule fort und hielt sich bis heute.

Vom Schweißer zum Archivar

Peter Pätz absolvierte erst eine Ausbildung als Schweißer und wechselte dann in die Reihen der Gewerkschaftler. Später arbeitete er als Bildungsstättenleiter und Fernsehverkäufer. Dann eröffnete er am Markt Gräfenhainichens ein Fotogeschäft - „fast ohne einen Pfennig Geld in der Tasche“, schmunzelt er heute. Zehn Jahre lang lief insbesondere das Entwickeln von Filmen gut, bis die Digitalkameras diesem Geschäftszweig den Garaus machten. Schon damals erforschte er die Geschichte der Heidestadt als Ortschronist. „Das ging mit dem Sammeln von Zeitungen los“, erinnert sich Pätz. Nach dem Ende der Foto-Ära schulte er auf Webdesign um und bewarb sich auf eine Stelle in der Stadtbibliothek. Dort arbeitete er unter anderem an der Internetseite der Stadt mit.

Vor elf Jahren begann er außerdem, die noch ungeordneten Teile des Stadtarchivs zu strukturieren. „Dafür habe ich bis zum Schluss gebraucht“, sagt der Ruheständler. Allein der Teil des Zschornewitzer Archivs mit seinen Akten über die Entstehung des Kraftwerks und der Elektroschmelze kostete mehr als zwei Jahre Arbeit. Die ältesten Dokumente aus dem Gräfenhainichener Archiv, das Pätz als „sein Reich“ bezeichnet, stammen aus den Jahren um 1700.

Ältere Dokumente gibt es kaum noch, obwohl es die Stadt schon vor dem Jahr 1300 gab. Fast alles wurde vernichtet, als schwedische Truppen die Stadt 1637 stürmten und völlig niederbrannten. „Bis heute gibt es die Legende, dass die Schweden Geheimgänge gruben, um die Stadt zu erobern“, sagt Pätz. Sogar zur Lage dieser Tunnel halten sich bis jetzt Gerüchte. Allerdings sei in Wirklichkeit nichts an dieser Sage dran, sagt Pätz. In Wahrheit hatten sich die Schweden erst Geld von den Bewohnern Gräfenhainichens geben lassen, um die Stadt zu verschonen - und hatten die Stadt dann trotzdem gestürmt und geschliffen.

Noch viel zu erzählen

Die Geschichte der Stadt und der Region bietet auch ohne die Schweden-Tunnel genug Geheimnisse für den Hobby-Historiker Pätz, der vor einigen Jahren ein Buch über seine Heimatstadt veröffentlichte. Dem Stadtrat will er noch bis zum Ende der Legislaturperiode erhalten bleiben, für seinen Job in der Bibliothek hat er bereits einen Nachfolger eingearbeitet. „In all den Jahren hatte ich nicht viel Zeit für die Familie“, sagt Peter Pätz. Das will er nachholen und viel Zeit mit seinen beiden Enkeln verbringen.