Frau am Steuer

Frau am Steuer: Bianca Bachmann fährt das Tanklöschfahrzeug

Jüdenberg - Bianca Bachmann hat den Lkw-Führerschein gemacht, um ein Tanklöschfahrzeug lenken zu können.

Von July Wagner

„Meine Freunde und ich wollten uns die Feuerwehr einfach mal angucken. Wir haben viel zusammen unternommen: Fußball gespielt, getanzt - das typische Dorfleben halt. Wir wollten etwas Neues erleben“, erinnert sich Bianca Bachmann zurück an ihre Kindheit und wie aus Neugier schließlich Leidenschaft wurde.

Denn die 30-Jährige arbeitet nun seit mittlerweile 18 Jahren ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Jüdenberg - und das seit einer ganzen Weile als einzige Frau. „Anfangs hatte ich schon Bedenken - wir waren ja ursprünglich mal mehr Frauen. Ich habe mich dann einfach durchgebissen und mir meinen Standpunkt erkämpft“, erzählt die gelernte Fleischverkäuferin lächelnd: „Die Männer kriegen von mir auch mal einen Spruch.“

Insgesamt seien sie jedoch ein wirklich gutes Team: „Wir sind wie eine große Familie - wir helfen uns gegenseitig.“

An Jugendarbeit interessiert

Vor allem die acht Jugendlichen möchte Bianca Bachmann auf ihrem Weg begleiten: „Ich denke schon, dass es gut ist, wenn sie auch eine Frau als Ansprechpartner haben - besonders für die Mädchen. Das war bei mir damals zumindest so.“ Deshalb teilt sie nicht nur die Umkleide mit ihnen, sondern ist auch direkt an der Ausbildung des Feuerwehrnachwuchses beteiligt.

„Es ist wirklich schade, dass nur noch so wenige nachkommen“, betont die alleinerziehende Mutter: „Wir haben nicht einmal eine Kinderfeuerwehr.“ Deshalb wäre ihr zehnjähriger Sohn Pier in Gräfenhainichen. „Auch meine kleine Schwester ist damals nach Gräfenhainichen gegangen, denn da gab es bei uns keine Jugendfeuerwehr“, ergänzt Bianca Bachmann: „Es wird immer schlimmer.“

Sie selbst könne nicht verstehen, weshalb so viele Kinder und Jugendliche die meiste Zeit drinnen verbringen: „Es macht einfach Spaß hier zu arbeiten. Sobald ich meine Uniform anhabe, denke ich ganz anders - eigentlich bin ich viel zurückhaltender.“ Ihre Familie würde für sie allerdings immer an erster Stelle stehen: „Sie soll nicht auf der Strecke bleiben. Deshalb sage ich auch mal, dass ich nicht kommen kann.“

Im Juni des vergangenen Jahres erfüllte sich Bianca Bachmann dann einen ihrer Träume: den Lkw-Führerschein zu machen, um das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr selbst fahren zu können. „Ich dachte, dass ich durchgefallen bin, aber ich hatte bestanden“, erklärt sie glücklich.

Teilen wollte sie diese Neuigkeiten jedoch noch nicht unbedingt: „Ich habe es erstmal nur meiner Schwester und unserem Wehrleiter, Egon Kliemann, erzählt. Mit seinem Sohn, Steffen Kliemann, habe ich dann eine Testfahrt nach Ferropolis gemacht.“

Erst im Dezember sei sie zu einem Einsatz nach Gräfenhainichen gefahren: „Da haben viele erstmal komisch geguckt. Ich meinte nur, dass sie sich daran gewöhnen sollen und ich jetzt öfter fahren würde.“ Auch die Kinder hätten sich wohl noch einmal versichern wollen, ob sie das Tanklöschfahrzeug wirklich fahren darf: „Ich habe aus Spaß natürlich gesagt, dass ich das einfach so mache - ohne Führerschein.“

Als das geklärt gewesen sei, habe eines der Kinder nur gefragt: „Als Frau? Das ist doch cool, wa’?“ „Ja, das ist schon cool“, wiederholt Bianca Bachmann ihre Antwort auf diese Frage.

Maschinistin ist das Ziel

Doch ein solches Fahrzeug muss nicht nur bewegt, sondern auch bedient werden können. Deshalb wollte sie im vergangenen Jahr außerdem eine Ausbildung zur Maschinistin beginnen: „Durch die Corona-Pandemie wurde das erstmal auf Eis gelegt. Jetzt warte ich auf einen freien Platz bei der Kreisausbildung.“ Bis dahin heißt es, geduldig sein und nicht aufgeben! (mz)