Trotz Verbot von Großveranstaltungen

Trotz Verbot von Großveranstaltungen: Eisleben will Wiese immer noch nicht absagen

Eisleben - Sekundengenau zeigt der Wiesen-Counter auf der Internetseite des Eigenbetriebs Märkte an, wie lange es noch bis zur Eröffnung der 499. Eisleber Wiese dauert. 91 Tage waren es am Freitag. Doch auch wenn der Zähler unverdrossen weiter läuft, erscheint es kaum noch denkbar, dass das größte Volksfest Mitteldeutschlands im September tatsächlich stattfinden könnte. Schließlich haben sich in dieser Woche die Bundes- und die Landesregierungen darauf verständigt, dass Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie bis Ende Oktober verboten bleiben. Trotzdem will die Lutherstadt Eisleben den Wiesenmarkt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ...

Von Jörg Müller
Eisleber Wiese: Ein Bild aus besseren Tagen.

Sekundengenau zeigt der Wiesen-Counter auf der Internetseite des Eigenbetriebs Märkte an, wie lange es noch bis zur Eröffnung der 499. Eisleber Wiese dauert. 91 Tage waren es am Freitag. Doch auch wenn der Zähler unverdrossen weiter läuft, erscheint es kaum noch denkbar, dass das größte Volksfest Mitteldeutschlands im September tatsächlich stattfinden könnte. Schließlich haben sich in dieser Woche die Bundes- und die Landesregierungen darauf verständigt, dass Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie bis Ende Oktober verboten bleiben. Trotzdem will die Lutherstadt Eisleben den Wiesenmarkt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absagen.

„Wir haben natürlich zur Kenntnis genommen, was der Bund und die Ministerpräsidenten beschlossen haben“, sagte Bürgermeister Carsten Staub (parteilos) der MZ. „Wir warten jetzt aber erst einmal die 7. Eindämmungsverordnung des Landes ab.“ Er rechne damit, dass diese Ende Juni vorliegen werde, so der Bürgermeister. Es sei auch davon auszugehen, dass das vereinbarte Verbot von Großveranstaltungen in dieser Verordnung geregelt sein werde. Sollte das der Fall sein, werde die Stadt die Wiese absagen.

Kündigungen sollen auf „sauberer Grundlage“ erfolgen

„Wir müssen aus rechtlichen Gründen den richtigen Moment abwarten“, sagte Staub. Denn müssten die abgeschlossenen Verträge mit den Schaustellern und Händlern gekündigt werden, solle dies auf einer „sauberen Grundlage“ erfolgen.

Staub betonte, dass Hygiene- und Abstandsregeln auf dem Wiesenmarkt nicht einzuhalten wären. „Ich habe immer gesagt, wenn wir die Wiese veranstalten, muss es so wie immer sein.“ Die Stadt werde aber auch kein gesundheitliches Risiko eingehen. „Wir könnten es nicht verantworten, dass sich möglicherweise auf der Wiese jemand ansteckt.“ Dass die Schausteller und die Besucher endlich wissen möchten, ob die Wiese nun stattfindet, könne er gut verstehen. „Ich möchte auch, dass wir da so schnell wie möglich Klarheit haben. Aber wir sitzen zwischen Baum und Borke.“

Eigenbetriebsleiter Michalski: „Wäre unseriös, jetzt schon abzusagen“

Auch Eigenbetriebsleiter Siegmund Michalski wies darauf hin, dass erst die neue Landesverordnung vorliegen müsse, „damit wir Rechtssicherheit haben“. „Da kommt es auf die genauen Formulierungen an“, so Michalski. „Es wäre unseriös, jetzt schon abzusagen.“ Da die Schausteller erst im August mit dem Aufbau beginnen würden, bestehe dazu auch noch keine Notwendigkeit. „Aber je früher die Entscheidung fällt, desto besser ist es natürlich.“ Wie Michalski sagte, hätte er sich von der Landesregierung eher klare Ansagen gewünscht, was Großveranstaltungen betreffe.

Sollte die diesjährige 499. Wiese ausfallen, wird im nächsten Jahr trotzdem die 500. Wiese gefeiert. Denn wie Michalski erläuterte, bezieht sich die Zählung auf die Jahre seit 1521, als Kaiser Karl V. der Stadt Eisleben das Privileg verlieh, einen Vieh- und Ochsenmarkt abzuhalten. Über die Jahrhunderte ist der Wiesenmarkt immer wieder ausgefallen - zum Beispiel wegen Kriegen und Epidemien. Die fortlaufende Nummerierung hat sich erst 1981 eingebürgert. Korrekt müsste man im nächsten Jahr also von 500 Jahren Wiese sprechen. (mz)