St.-Petri-Pauli-Kirche

St.-Petri-Pauli-Kirche : Weltweit einzigartige Orgel in Eisleber Kirche eingezogen

Eisleben - Firma aus Bad Liebenwerda baut für die nächsten Jahre das besondere Instrument auf.

Von Jörg Müller 12.11.2016, 15:00

Es ist ein ganz besonderes Instrument, das derzeit hinter dem historischen Orgel-Gehäuse in der Eisleber St.-Petri-Pauli-Kirche aufgebaut wird. „Diese Orgel gibt es auf der Welt nicht noch einmal“, sagt Axel Thomaß von der Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt GmbH in Bad Liebenwerda (Brandenburg).

Organist kann während des Spielens die Orgel umstimmen

Das 1905 gegründete Unternehmen hat gemeinsam mit der Hochschule Mittweida in einem Forschungsprojekt eine sogenannte dynamisch stimmbare Orgel entwickelt. Das bedeutet, dass der Organist während des Spielens die Orgel umstimmen kann. Dies funktioniert mittels einer elektromechanischen Umstimm-Einrichtung an den Pfeifen, die mittlerweile auch patentiert worden sei, so der Orgelbaumeister.

Bislang hatte die Orgel im Montagesaal der Firma gestanden und war dort für Seminare oder Vorführungen genutzt worden. In Eisleben wird das Instrument nun übergangsweise so lange im Einsatz sein, bis die geplante neue Orgel eingebaut werden kann. Kantor Thomas Ennenbach rechnet dabei mit einem Zeitraum von mehreren Jahren.

Die Orgel in der Eisleber Petrikirche war 1929 von der Firma Wilhelm Rühlmann aus Zörbig gebaut worden. Der Bildhauer Paul Horn schuf den expressionistischen Prospekt (das Gehäuse). Nach dem Krieg traten immer mehr technische Mängel an dem Instrument auf. 1986/87 wurde die Orgel renoviert und dabei um rund ein Drittel verkleinert.

Unter dem Motto „Eine Orgel für Luther“ sammelt die Kirchengemeinde Spenden für einen Neubau. Geplant ist ein Instrument, das auf die Akustik der Kirche abgestimmt ist und auf dem sowohl Musik aus der Lutherzeit, als auch zeitgenössische Kompositionen erklingen können.

Grund sind die immensen Kosten für den Orgel-Neubau, die bei circa 400.000 Euro liegen. Mit Förder- und Eigenmitteln sowie Spenden konnte der erste Bauabschnitt mit 30.000 Euro finanziert werden. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, dass es jetzt losgeht“, so Ennenbach. Die alte Rühlmann-Orgel ist seit der Sanierung und dem Umbau der Kirche nicht mehr spielbar, weil die veränderte Akustik bei den Bauplanungen nicht berücksichtigt worden ist.

Im ersten Bauabschnitt haben die Orgelbauer aus Bad Liebenwerda die alte Orgel komplett entkernt, das heißt, alle Pfeifen ausgebaut. Wie Orgelbaumeister Thomaß sagt, werden die qualitativ hochwertigen historischen Zinn- und Holzpfeifen in das geplante neue Instrument eingebaut. „Das Konzept für den Neubau steht schon.“ Lediglich die minderwertigeren Zinkpfeifen werden nicht wieder verwendet.

Erhalten bleibt natürlich der künstlerisch herausragende Prospekt (das Gehäuse), geschaffen von dem halleschen Bildhauer Paul Horn im Stil des Art déco. Das neue Instrument wird hinter das Gehäuse gebaut. Die von außen sichtbaren Pfeifen im Gehäuse klingen übrigens nicht; sie haben allein gestalterische Funktion.

Nicht mehr benötigte Teile der alten Orgel in Bad Liebenwerda aufgearbeitet

Nicht mehr benötigte Teile der alten Orgel, wie der Spieltisch und die Windladen, werden nach Bad Liebenwerda gebracht und aufgearbeitet. Dieter Voigt, Seniorchef der Firma, hat dort die Südbrandenburgische Orgelakademie gegründet, wo die Geschichte und das Handwerk des Orgelbaus vermittelt werden. (mz)